Projekt: Ein neuer Weg fürs Neandertal

Projekt: Ein neuer Weg fürs Neandertal

Mit dem Masterplan „NaturKulTour“ soll das Naturschutzgebiet zwischen Erkrath und Mettmann seiner Bedeutung gerecht werden, aber auch neue Perspektiven erhalten.

Kreis Mettmann. Touristen im Neandertal sind keine Zeiterscheinung der Gegenwart. Schon das "Gesteins" zog die Menschen in den Bann. Später kamen die Maler und Ausflügler in das Neandertal. Heute besuchen jährlich rund 300 000 Menschen das Tal, 170 000 von ihnen das Museum. Und mitten durch führt die L403, auf der sich täglich 12 000 Autos bewegen. Hinzu kommt der Schwerlastverkehr zu dem Steinbruchbetrieb.

"Das Neandertal ist oberflächlich gesehen schön. Doch - milde gesagt - bei genauerer Betrachtung gibt es eine Menge Unzulänglichkeiten", sagt Landrat Thomas Hendele. "Nutzungskonflikte" nennt das der Landschaftsplaner Rüdiger Brosk, der mit seinem Kollegen Thomas Scholle die undankbare Aufgabe hat, das Tal auf einen neuen Weg zu führen. Und zwar mit Hilfe des Masterplanes "NaturKulTourNeandertal" .

"Es gibt die unterschiedlichsten Interessen, die es zu bündeln gilt", sagt Hendele und begründet damit die Notwendigkeit eines solchen Konzeptes zur Neuausrichtung. Naturschutz, Anwohner, Museum, Gastronomie, Touristen und eben die Autofahrer - alles soll berücksichtigt und miteinander in Einklang gebracht werden.

Einige Defizite haben die Landschaftsplaner bei ihrer Bestandsaufnahme schon ausgemacht. Gerade im zentralen Bereich rund um das Neanderthal Museum werde das Erscheinungsbild des öffentlichen Raumes nicht der großen kulturhistorischen und touristischen Bedeutung des Ortes gerecht. Rüdiger Brosk: "Die Beschilderung vor dem Museum ist ein Sammelsurium der Besucherlenkung."

Oder dass viele Zugänge zum Neandertal und Wegeverbindungen sind nicht so gestaltet sind, dass sie den Eindruck eines Tales deutlich machen. Nicht minder wichtig: In einigen Teilbereichen des Neandertals bedroht eine ausgiebige Nutzung ökologisch empfindliche Lebensräume.

"Es muss sich etwas verändern. Doch diese Veränderungen dürfen nicht hinter verschlossenen Türen entschieden werden", verweist der Landrat auf die möglichst offene Planung. In drei Fachgruppen (Kultur, Naherholung und Tourismus / Natur und Landschaft / Raumstruktur, Städtebau und Verkehr) sollen sich bis zum Spätsommer 2010 die Interessenvertreter sowie Mitglieder von Vereinen oder Verbänden beteiligen.

Ebenso wichtig sind die Bürgerversammlungen. Bürger der Städte Erkrath und Mettmann sowie alle Interessierte sind dazu eingeladen, ihre Anregungen und Ideen einzubringen. Die Auftaktveranstaltung findet am 11. September ab 19 Uhr im Lokschuppen in Erkrath-Hochdahl statt. Die Abschlussveranstaltung mit Ergebnissen der Planung wird voraussichtlich im September 2010 durchgeführt.

Am Ende soll der Masterplan ein Planungsinstrument sein, das unterschiedliche Anforderungen erfüllen soll: Ein Leitbild für die künftig angestrebte Entwicklung, das auch langfristig als Orientierungsrahmen dienen soll. Er soll als Gesamtkonzept fungieren, das den unterschiedlichen Themen wie Verkehr, Tourismus und Naturschutz gerecht wird. Und er soll auch neue und konkrete Projekte aufzeigen.

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