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Musik und Therapie mit dem Hapiton

Kreis Mettmann : Therapie mit 150 seltenen Instrumenten

Birgit van Beuningen hat 150 Instrumente, die sie für ihre Arbeit einsetzt. Sie möchte gerne auch mal ein Konzert geben.

In eine faszinierende Welt taucht der Besucher ein, wenn er die Räume von Birgit van Beuningen betritt, die ihre musiktherapeutische Praxis in Mettmann an der Bahnstraße betreibt. Musiktherapie, allein dieses Wort löst schon Assoziationen aus – Harmonie, Wohlbefinden. Und das strahlt die Therapeutin auch aus. Was seltene Instrumente betrifft, hat von Beuningen wohl den Vogel abgeschossen, denn schon am Telefon stellte sie mit einem Lachen fest: „Davon habe ich etwa 150 Stück.“

Ihr kleines Eldorado beherbergt Instrumente wie das Hapiton, dem Hang ähnelnd; das Scharango, ein Zupfinstrument, das extra für sie aus einem alten Apfelbaum gefertigt wurde; das Carillon, eine Art Glockenspiel; ein Ocean Drum, mit dem Meeresrauschen erzeugt werden kann und, und und. Gitarren und Klavier, Akkordeon – natürlich auch – die sind aber nicht selten.

Ursprünglich hat Birgit von Beuningen als Lehrerin gewirkt

Der Werdegang dieser Frau ist wirklich außergewöhnlich. Zunächst studierte sie Sport und Musik in Kassel und unterrichtete als normale Lehrerin. Ein zweites Studium schloss sich in Musiktherapie an, danach absolvierte sie eine Gesangsausbildung und danach eine Ausbildung zur Psychotherapeutin und in einem Zusatzstudium auch noch zur neurologischen Musiktherapeutin. Und so ganz nebenbei hat sie fünf Kinder bekommen und groß gezogen.

Birgit van Beuningen hat die Gabe, mit Hilfe der Musik, Schwerstkranken Linderung zu verschaffen. Schlaganfallpatienten, die durch die Spasmen große Schmerzen erdulden müssen, kann sie mit ihren Instrumenten Entspannung schenken, demente Patienten finden ein kleines bisschen Glück und partielle Erinnerung, wenn sie Klänge erzeugen oder Lieder hören – selbst Patienten im Wachkoma entlockt die Musik manchmal wieder Reaktionen.

Ein sensationelles Erlebnis hatte die Therapeutin auf der Messe Rehacare, wo sie einen Vortrag über vibro- akustische Instrumente hielt. Eine halbseitig gelähmte Schlaganfallpatientin stellte sich als Probandin zur Verfügung und erlebte nach eigenen Angaben, dass sie nach 20 Jahren erstmals wieder ihren Arm spüren konnte. Birgit van Beuningen arbeitet in Krankenhäusern, auf Palliativstationen, in Hospizen mit Parkinson-, Schlaganfall- oder auch Krebspatienten. Aber auch mit Kindern, die mit Behinderungen zur Welt gekommen sind. Kinderdemenz, Autismus, Verhaltensstörungen, Depressionen – all solchen Patienten könne sie Linderung verschaffen, sagt sie.

Der Klangteppich spricht im Körper das Limische System an

Bei einem Selbstversuch konnte die Autorin erleben, wie sie auf einer Klangliege, einer Art Massageliege an deren Unterseite die ägyptische Tambura befestigt ist und von der Therapeutin gespielt wird, wirklich entspannte – einfach wohlig. Durch den Klangteppich lösen sich Blockaden, das vegetative Nervensystem wird angesprochen und das sogenannte Limbische System kann bei dementen Menschen alte Informationen „nach oben spülen“. „Musik ist die Sprache der Seele“, sagt die vielseitig gebildete Frau, die auch Sterbende begleitet und ihnen und den Angehörigen damit Kraft schenkt.

Erst seit einigen Jahren hat Birgit van Beuningen einen Internetauftritt. Ihre Arbeit wurde durch Mundpropaganda ­bekannt.  

Die Kosten ihrer Arbeit werden nicht von den Krankenkassen übernommen, aber Stiftungen ermöglichen manche Behandlung. So hilft die Hannelore-Kohl-Stiftung, und auch die Mettmanner Benninghoven-Stiftung hat schon einmal Behandlungen finanziert.

Gerne würde die engagierte Musikerin ihre Instrument mal nicht für Behandlungen einsetzen, sondern einmal ein meditatives Konzert geben – möglichst in einem Raum, der Meditation zulässt – vielleicht in einer Höhle im Neandertal.