Missstand: Angeleint und abgeschoben - Ferien bringen Tiere in Not

Missstand: Angeleint und abgeschoben - Ferien bringen Tiere in Not

Viele Halter wissen nicht, wo sie ihre Tiere in den Ferien unterbringen sollen – und setzen sie einfach aus. Dabei sind die Heime und Pflegestellen noch mit Tieren aus dem Vorjahr überlastet.

Kreis Mettmann. Abgeschoben, alleingelassen, ausgesetzt - die Sommerferien sind für manche Tiere die schlimmste Zeit, die sie in ihrem Leben durchmachen müssen. Denn viel zu viele Herrchen und Frauchen setzen ihre Hunde, Katzen oder Kleintiere dann einfach aus - in der Hoffnung, dass jemand sie findet.

"Im Urlaub ist das Tier dann für manche einfach im Weg und muss beseitigt werden", sagt Roswitha Borchert, stellvertretende Leiterin des Tierheims Velbert. Jedes Jahr macht sie die Erfahrung, dass Menschen ihre Tiere lieblos vor die Türe setzen.

80 Katzen sind zurzeit in dem Velberter Tierheim. Die Zahl der Hunde und der Kleintiere ist unbekannt. Sicher aber ist, dass manche der Tiere schon seit dem vergangenen Jahr in dem Tierheim warten. "Die Besitzer melden sich in der Regel nicht, auch nicht, wenn der Urlaub längst vorbei ist. Und die Tiere sind schwer vermittelbar."

Das bestätigt auch Thomas Mielke, Tierpfleger im Tierheim in Hilden. 15 Tiere sind dort kurz vor den Sommerferien gelandet. 70 Katzen, 25 Hunde und 60 Kleintiere leben insgesamt in der Anlage. "Und es werden sicherlich in den kommenden Wochen noch einige dazu kommen", sagt der Tierpfleger. "Es ist jedes Jahr das Gleiche."

Es seien aber nicht nur die Sommerferien, in denen Tiere vermehrt abgegeben werden, sagt Katrin Porysiak, Sprecherin des Tierheims in Düsseldorf-Rath, das zuständig für Fundtiere aus Ratingen ist.

"Es ist die gesamte Reisezeit von Mai bis September, in denen 25 Prozent mehr Tiere im Heim abgegeben werden im Vergleich zu den anderen Monaten", schätzt sie. Insgesamt leben 2700 Tiere dort. 130 Katzen und 70 Hunde leben dort. Die Zahl der Kleintiere ist nicht genau bekannt.

Erst vor kurzem hat sich auch die Kreisjägerschaft Düsseldorf und Mettmann zu dem Thema Tiere und Reisezeit zu Wort gemeldet. "Das Aussetzen von Haustieren ist im höchsten Maße moralisch verwerflich", sagt Manfred Carl Seibel, Sprecher der Kreisjäger.

Es sei nicht nur verantwortungslos, sondern auch ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, der mit bis zu 25000 Euro Strafe geahndet werden könne.

Das interessiert diejenigen, die ihr Tier loswerden wollen, wenig. Denn auch die Tierhilfen bemerken jedes Jahr im Sommer, dass die Zahl der verstoßenen Tiere zunimmt. "Sommerzeit bedeutet immer gleich, mehrere Tier retten oder aufnehmen zu müssen", sagt Julia Panning von der Tierhilfe in Ratingen." Dabei sind die Plätze begrenzt. So gibt es beispielsweise in Ratingen nur sieben Pflegestellen für Hunde.

Genauso sieht das beim Tierschutz in Mettmann aus. "Die Pflegeplätze sind noch mit Tieren aus dem letzten Jahr belegt. Deshalb müssen wir dann weiter verweisen an die nächsten Tierheime in Velbert oder Hilden", erklärt Freya Kohl, Leiterin der Geschäftsstelle des Tierschutz Mettmann.

Damit in diesem Jahr, weniger Tiere ausgesetzt werden appellieren die Tierschützer und Tierheime an die Tierhalter: Sie sollen sich rechtzeitig um eine Ferienunterkunft für ihre Tiere kümmern. Tierheime, Züchter oder Tierarztpraxen sind hierfür die erste Anlaufstelle.