Wülfrather Wortakrobat bittet zum Poetry-Slam nach Mettmann

Mettmann : Poetry-Slam bietet das gekonnte Spiel mit Worten

Jan Schmidt aus Wülfrath organisiert am Samstag zum zweiten Mal den Wettbewerb im Weltspiegel-Kino in Mettmann.

Zu verstehen, was genau eigentlich ein Poetry-Slam ist, ist gar nicht so einfach. Es geht um die Präsentation von selbst verfassten Texten im Rahmen eines literarischen Dichterwettstreits. Es geht um Unterhaltungswert und Interaktion mit dem Publikum. Drei Aspekte, die genauso gut auf Comedy zutreffen könnten. Wo also liegt der Unterschied? Einer, der sich auskennt, ist Jan Schmidt. Er ist in Wülfrath aufgewachsen, Student der Medienwissenschaften in Bochum, vor allem aber seit vielen Jahren selbst erfolgreich auf der Bühne. „Comedy ist zwanghaft humoristisch, beim Poetry-Slam geht es mehr um Gefühl, um Stimmung, manchmal entsteht eine Atmosphäre, die Gänsehaut macht“, sagt er. Am Samstag organisiert er zum zweiten Mal einen Poetry-Slam im Mettmanner Weltspiegel-Kino.

Seit langem steht Jan Schmidt mit seinen Texten auf bundesweiten Bühnen, hat weit mehr als 600 Auftritte gehabt, Preise gewonnen. Mindestens genauso wichtig aber ist ihm die Förderung dieser besonderen Form der Wortakrobatik. „Wir haben in NRW eine ganz großartige Szene und viele herausragende Talente. Es ist wichtig, sie miteinander zu vernetzen, ihnen möglichst viele Auftrittsmöglichkeiten zu schaffen. Nur so können sie wachsen und der Kulturlandschaft vielleicht etwas geben, was bis dato fehlte.“ In Wülfrath organisiert Jan Schmidt bereits seit Jahren sehr erfolgreich Poetry-Slams, bei denen er selbst als Moderator fungiert. Mit dem Weltspiegel-Kino in Mettmann arbeitet er erst seit diesem Jahr zusammen. „Ich bin total begeistert, zum einen von dieser wunderbaren, sehr speziellen und historischen Location, vor allem aber von der Zusammenarbeit mit den Betreibern, die hochinteressiert, kritikfähig und einfach total nett sind“, sagt er.

Beim Verteilen der Flyer
sucht er häufig das Gespräch

Dass ihm diese Veranstaltungen sehr am Herz hängen, zeigt sein Engagement: Er lädt Slammer aus ganz Deutschland und den Nachbarländern ein, betreibt das Marketing in den Sozialen Netzwerken selbst, druckt Flyer, die er selbst auf der Straße verteilt. Dort sucht er häufig bewusst das Gespräch. „Für mich ist es ganz wichtig mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass Poetry-Slam nur etwas für jüngere Leute ist.“

Es gebe eben nicht „die“ klassischen Themen, mit denen sich Slammer befassen und es gebe auch nicht „die“ übliche Art und Weise der Auseinandersetzung damit, weiß der Bochumer Student aus eigener Erfahrung. „In meinen Texten etwa greife ich Absurditäten auf, aus den Dingen über die ich nachdenke und spinne sie teilweise soweit weiter, dass ein regelrecht humoristisch-geistiger Wahnsinn entsteht, dem vielleicht letztlich niemand mehr komplett folgen kann. Trotzdem funktionieren die Texte.“

Es gibt überhaupt nur wenige Vorgaben: Die Texte müssen selbst verfasst sein, dürfen nicht gesungen (wohl aber gerappt) werden, Requisiten sind nicht erlaubt. „Wir hatten mal einen Slam, da hat tatsächlich eine dänische Künstlerin gewonnen. Niemand im Saal hat auch nur ein Wort verstanden. Aber ihre Präsenz, ihr Wortklang, das Wohlgefühl, welches sie geschaffen hat, war schlicht unschlagbar. Genau so und nicht anders funktioniert Poetry-Slam.“

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