Viele Hürden bis zur Bürgermeister-Wahl

Mettmann : Auf dem Weg zur Bürgermeisterwahl

Als Amtsinhaber versucht Thomas Dinkelmann mit Präsenz zu punkten und bringt sich somit bereits in Stellung für die Bürgermeisterwahl im Jahr 2020.

Ob Heimatfest, Stadtgebet, Seniorentag, Fassanstich oder Einweihung – Mettmanns Bürgermeister Thomas Dinkelmann scheint derzeit omnipräsent zu sein. Auch an den Wochenenden eilt er von Termin zu Termin, und die Pressesprecher der Stadt Mettmann halten dies in Wort und Bild fest. Der Amtsinhaber kann bereits kräftig an seinem Image arbeiten, während zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl im September 2020 noch nicht einmal der Name eines Gegenkandidaten fest steht.

Warum präsentieren die
Parteien nicht jetzt schon
ihre Gegenkandidaten?

Der Zeitpunkt muss wohl überlegt sein. Ist er zu früh, so ist das Risiko groß, dass der Kandidat im Polit-Geschäft Schaden nimmt, verheizt oder zerrieben wird. Präsentiert er sich zu spät, bleibt kaum noch Zeit, ihn aufzubauen. Mit ein Grund, so sagen Beobachter, warum die CDU bei der vergangenen Wahl mit ihrem in Hilden hoch angesehenen Kandidaten Norbert Danscheidt scheiterte. Der ist zwar Mettmanner, musste sich jedoch in der Kreisstadt erst noch vorstellen.

Welche Chancen hat
ein Gegenkandidat?

Die Parteien, die den parteilosen Amtsinhaber gerne ausgewechselt sehen möchten, stecken in einem Dilemma: Sie müssen mit geballter Faust in der Tasche beobachten, wie Thomas Dinkelmann bereits die Trommel rührt, während sie selbst die eierlegende Wollmilchsau suchen – einen kompetenten Kandidaten, der die Stadt kennt, zugleich bereits bekannt ist und dem Amtsinhaber in Sachen Bürgernähe mindestens gleich kommt. Denn ein Unsicherheitsfaktor ist sein Beliebtheitsgrad: Während ihn Fraktionen und Vereine mitunter harsch kritisieren – Gegner schalteten sogar eine vermeintliche Stellenanzeige für das Bürgermeisteramt; ein Affront gegen das Stadtoberhaupt – gilt Dinkelmann bei einer breiten Masse nach wie vor als beliebt. Wie stark trägt ihn, der schon früh seine Kandidatur für eine weitere Amtszeit bekannt gab, dieser Rückhalt?

Welchen Einfluss hat
das geltende Wahlrecht?

Einen großen. Bei der vergangenen Bürgermeisterwahl gab es in Mettmann eine Stichwahl, da keiner der vier Bewerber im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichte. Die Stichwahl aber ist abgeschafft. Es reicht künftig eine einfache Mehrheit im ersten Wahlgang. Und die kann, so zeigen es landesweite Erfahrungen, auch schon mit 25 Prozent erreicht werden. Zugleich aber gibt es eine aus der Kanzlerwahl abgeleitete goldene Regel, derzufolge auf den Amtsinhaber grundsätzlich 20 Prozent aller Stimmen entfallen. Manche sprechen sogar von einem noch höheren Anteil. Damit haben sich die Chancen für eine Wiederwahl des Amtsinhabers deutlich erhöht. Und die Chancen für die Gegenkandidaten sinken, je mehr es an der Zahl sind.

Welche Konsequenz hat das?

Nicht zuletzt auch deshalb überlegen die beiden stärksten Fraktionen im Mettmanner Rat, CDU und SPD, einen gemeinsamen Kandidaten zu stellen. Laut SPD sei man bereits in einer „stark verdichteten Phase angelangt“, berichtet Ortsvorsitzender Heribert Klein. Doch nicht vor Frühjahr, so schätzen Beobachter, werde ein Name an die Öffentlichkeit dringen. Allerdings kursiert bereits einer in Person des amtierenden Kreisdirektors Martin M. Richter. Er bestätigt weder sein Interesse, noch streitet er es ab: Er übe als Kreisdirektor zurzeit eine „sehr respektable Tätigkeit“ aus, „da ist überhaupt keine Eile geboten. Der Prozess ist bei der CDU in guten Händen.“

Wer ist jetzt am Zug?

Als größte Ratsfraktion die CDU, sagt FDP-Fraktionschef Klaus Müller: „Sie muss den ersten Schritt machen“, und das möglichst bald. Zugleich behalten es sich die Liberalen vor, einen eigenen Kandidaten zu stellen. Die Grünen hingegen müssen bei ihrer in wenigen Tagen anstehenden Mitgliederversammlung erst noch beraten, ob sie einen eigenen Kandidaten stellen. Sie geben sich eingedenk der jüngsten Wahlerfolge selbstbewusst: „Wir werden gewichtiger mitsprechen als in der Vergangenheit“, sagt Fraktionschef Nils Lessing. Eine Unterstützung Dinkelmanns schließt er indes aus: „Das halte ich für sehr unwahrscheinlich.“ Denn die Politik in Mettmann müsse künftig „deutlich ökologischer sein“.

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