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Verfahren vor dem Landgericht - Neue Spur nach Raubüberfall in Mettmann

Haan : Spur aus Haan führt nach Mettmann

37-jähriger Mann belastet vor Gericht seine Kompagnons schwer.

Der brutale Überfall auf einen mittlerweile 84-Jährigen im Mai 2017 hatte über die Haaner Stadtgrenzen hinaus für Entsetzen gesorgt. Der Pensionär war dort in seinem Haus überfallen, massiv bedroht und geschlagen worden. Nach mehreren Stunden hatten die Täter ihr Opfer an einen Stuhl gefesselt und mit einer Tüte über dem Kopf auf die Terrasse gesetzt, um kurz darauf das Haus anzuzünden. Zuvor sollen sie dem Mann auch ein Messer in den Oberschenkel gedrückt und damit gedroht haben, ihm einen Finger abzuschneiden, um an das bei ihm vermutete Geld zu kommen.

Ein Nachbar hatte das bis auf die Unterhose entkleidete Opfer im Garten gefunden, dahinter stand das Haus bereits in Flammen. Der 84-Jährige hatte im Zeugenstand dazu gesagt: „Eine Minute später, und ich hätte das nicht überlebt.“ Obwohl die Täter augenscheinlich den möglichen Tod des Opfers in Kauf genommen hatten, lautete die Anklage in dem in 2018 am Wuppertaler Landgericht geführten Prozess „nur“ auf räuberischen Menschenraub, schwere Brandstiftung und Körperverletzung.

Die drei dort angeklagten Männer und eine Frau wurden zu Haftstrafen zwischen zwei und elf Jahren verurteilt. Als Drahtzieher der Tat galt ein ehemaliger Mitarbeiter des Haaner Tiefbauamtes, der den Pensionär zuvor über Wochen hinweg ausspioniert haben soll. Da der gebürtige Pole wegen diverser Überfälle auf Geldtransporter in einem parallel laufendem Prozess bereits zu lebenslanger Haft mit Sicherungsverwahrung verurteilt worden war, saß er im Wuppertaler Verfahren nicht mit auf der ­Anklagebank.

Die Tatverdächtigen haben
sich untereinander verraten

Dort wiederum muss sich nun ein sechster Täter verantworten, den die Ermittler bis zum ersten Prozess in 2018 gar nicht auf dem Zettel hatten. Zwei der dort Angeklagten hatten dem Gericht von der Mittäterschaft des 37-Jährigen ­erzählt.

Der Mann gestand nun nicht nur seine Tatbeteiligung, sondern ließ das Gericht auch wissen, dass seine Kompagnons vor dem Raubüberfall in Haan bereits eine ähnliche Tat in Mettmann begangen haben sollen. Einer der Täter soll ihm später davon berichtet und gesagt haben, dass man Schwierigkeiten gehabt habe, das Opfer zu überwältigen.

Dabei soll auch ein Elektroschocker zum Einsatz gekommen sein. Bei einem weiteren Überfall soll die Gruppe eine Spielhalle in Haan überfallen, die Mitarbeiterin gefesselt und Bargeld erbeutet haben.

Und tatsächlich: Am 24. Februar 2017 sollen fünf Männer einen 22-Jährigen in seiner Wohnung am Düsselring überfallen haben. Der Sohn des Hauseigentümers sei allein im Haus gewesen, als die mit Sturmhauben maskierten Täter gegen 20.50 Uhr dort geklingelt und mindestens zwei der Männer ihn ins Haus gedrängt hätten.

Das Opfer soll mit einem Elektroschocker und einer Pistole bedroht und zur Herausgabe von Bargeld genötigt worden sein. Auch hier hatten aufmerksame Nachbarn die Hilferufe des gefesselten Opfers gehört und die Polizei alarmiert. Einer der Täter soll mit osteuropäischem Akzent gesprochen haben – das hatte auch der Haaner Pensionär den Polizeibeamten erzählt. Zwei Tage vor dem Raubüberfall am Düsselring hatte die Kreispolizei auf ihrem Presseportal den Überfall auf eine Spielhalle in der Bahnhofsstraße in Haan gemeldet. Dort hatte die 63-jährige Angestellte den Tätern eine gefüllte Geldkassette aus dem Safe übergeben, nachdem sie von den drei maskierten Männern mit einer Schusswaffe, einem Messer und einem Brecheisen bedroht worden war. Die Staatsanwaltschaft will nun prüfen, ob es sich bei den wegen des Raubüberfalls auf den Pensionär verurteilten Tätern um diejenigen handelt, die auch die Überfälle am Düsselring und in der Haaner Spielhalle begangen haben.