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NRW: Straßenbahnfahrer will nach Berlin

NRW : Straßenbahnfahrer will nach Berlin

Enttäuscht hat er sich von der SPD abgewendet – und engagiert sich seit 2020 bei der Linken. Sein Hauptanliegen ist mehr soziale Gerechtigkeit.

Lutz Gallasch vermittelt den Eindruck, dass er in sich selbst ruht. Aber ein Thema fuchst ihn: „Wir von der Linken machen Politik für 94 Prozent der Wähler. Bei den Steuern. Beim Thema Arbeit. Was aber viele Menschen ganz einfach ignorieren.“ Neulich hat ihm am Wahlkampfstand jemand zugerufen, er sei von der „Mauerschützenpartei“. Das hat Gallasch notgedrungen als Bosheit weggesteckt: „Mittlerweile bleiben aber auch ganz viele Bürger bei uns stehen und sprechen mit uns.“ Das sind die Begegnungen, die dem seit 2020 bei der Linken engagierten Erkrather zeigen, dass er am richtigen Platz ist.

Zurzeit ist die Sache mit der Politik ein Full-Time-Job. Deshalb hatte sich der Rheinbahn-Angestellte Urlaub genommen. In Düsseldorf fährt er Straßenbahnen und U-Bahnen – 30 bis 40 Tonnen schwere Züge, mit hundert oder mehr Passagieren. Lutz Gallasch trägt Verantwortung.

„Eigentlich bin ich als Sozialist viele Jahre lang Wähler der SPD gewesen“, sagt der Bundestagskandidat ganz offen. Doch dann kam Gerhard Schröder mit seiner Agenda 2010 und die SPD ging in die großen Koalitionen mit den Konservativen: „Wenn CDU und SPD zusammen mauscheln, kommt nie etwas Soziales dabei heraus.“ Dass er bereits zur Kommunalwahl unter dem Banner die Linken antrat, begann mit einer Anfrage über den Facebook-Messenger. Ganz offenbar war Gallasch mit seinen Statements in sozialen Medien jemandem aufgefallen. Deshalb wurde er gerade heraus gefragt, ob er sich vorstellen könne, als Bürger für die Linken in Erkrath zu kandidieren. Lutz Gallasch sagte nach kurzer Rücksprache mit seiner Familie zu – er ist verheiratet, die beiden Kinder studieren. Seither steht er als sachkundiger Bürger unter anderem im Erkrather Mobilitätsausschuss für die linken Positionen bei den Verkehrsthemen.

Mittlerweile ist er Parteimitglied geworden und vertritt die Partei offensiv. „Programm und Auftritt der Linken heute erinnern mich sehr stark an das Standing der SPD unter Willy Brandt und Herbert Wehner in den 1970er Jahren“, sagt Lutz Gallasch. Sein Thema jetzt bei der Bundestagswahl ist die soziale Gerechtigkeit. Natürlich müssten die Reichen stärker besteuert werden, plus einer Vermögensabgabe. Daneben sollten aber auch die Gewerkschaften umdenken: „Bei den Tarifabschlüssen gibt es für die unteren Lohngruppen 100 oder 150 Euro zusätzlich, für alle anderen drei Prozent mehr. Da muss sich am Ende doch niemand darüber wundern, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht.“

In Erkrath kämpfe die Linke für einen Mietspiegel – der erst in Städten ab 50.000 Einwohner vorgeschrieben ist. „So haben die Wohngesellschaften hier die Chancen, bei jedem neuen Mietvertrag die Miete zu erhöhen – und wenn so genug Verträge zusammengekommen seien, könnten die bestehenden Mieten auch erhöht werden. Das müsse sich ändern.

Über solche Themen kann Lutz Gallasch momentan oft nur auf der Straße mit möglichen Wählern reden. Denn wo immer die AfD auf einem Diskussionspodium auftaucht, bleiben die Linken fern.

Lutz Gallasch sagt, einerseits finde er es richtig, der extremen Rechten nicht zu ermöglichen, als normale, demokratische Partei zu erscheinen. Andererseits würde er den rechten Hetzern gern die Stirn bieten und mit ihnen diskutieren: „Bei der Rheinbahn arbeite ich mit Menschen aus vielen Nationen zusammen. Da machen wir keine Unterschiede, sondern helfen uns gegenseitig – das würde ich diesen AfD-Leuten sagen.“