Spediteure treffen sich im Kreishaus Mettmann.

Treffen der Spediteure im Kreishaus : Paketdienste verstopfen die Straßen

Blockierte Parkplätze, Staus, genervte Boten und Autofahrer gehören zum täglichen Stadtbild. Logistiker suchen jetzt nach einer Lösung.

Verstopfte Straßen, kilometerlange Lkw-Kolonnen und Paketdienste, deren Wagen ständig Parkplätze blockieren, sind vielen Pendlern und Innenstadtbewohnern ein Graus – und stellen auch Betriebe mitunter vor große Herausforderungen. Und so stand „smarte Innenstadtlogistik“ im Mittelpunkt des „zweiten Netzwerktreffens Frachteinkauf“. Wie die aussehen könnte, skizzierte Michael te Heesen vom Düsseldorfer Dienstleister ABC Logistik vor rund einem Dutzend Gäste im Mettmanner Kreishaus.

„Viele Empfänger bekommen heute bis zu 20 verschiedene Einzellieferungen pro Tag“, berichtete der Referent. Das verursache Stress, Staus, Störungen im Geschäftsablauf und verschärfe Umweltprobleme. Also sei es notwendig, Lieferungen effizienter zu gestalten.

Mit einem zentralen Logistikzentrum, in dem Waren so lange bleiben, bis sie wirklich gebraucht werden, gebündelten Lieferungen auf Termin außerhalb von Stoßzeiten und dem verstärkten Einsatz von Elektrofahrzeugen will das Unternehmen seinen Beitrag zu einer Entlastung von Verkehr und Umwelt leisten. „Jeden Tag kann man 2000 Lkw-Fahrten in Düsseldorf vermeiden“, bekräftigte te Heesen vor den Vertretern von Unternehmen und Verbänden, die der Einladung von Wirtschaftsförderung und Industrie- und Handelskammer Düsseldorf gefolgt waren.

„Es geht darum, auch untereinander in die Diskussion zu kommen“, sagte IHK-Verkehrsreferent Thomas Vieten. Und so entwickelte sich ein durchaus angeregtes Gespräch über die Anforderungen künftiger Mobilitätskonzepte. Vor allem die Politik bekam dabei ihr Fett weg, zum Teil mit Argumenten, die man von Wirtschaftsvertretern klassischerweise eher nicht erwarten würde: „Der größte Fehler war, die Bahn zu privatisieren“, sagte etwa Holger te Heesen, der mit seinem Sohn Thomas die Geschäfte bei ABC Logistik führt.

„Heute“, beklagte der Unternehmer, „läuft dadurch alles über die Straße.“ Überhaupt sprach sich te Heesen für einen stärkeren öffentlichen Personennahverkehr aus, um die Situation von Innenstädten zu entspannen – zum Beispiel durch Pendlerparkplätze, von denen aus Busse die Beschäftigten an ihre Arbeitsplätze bringen könnten. Für seine Ausführungen erntete er viel zustimmendes Nicken, aber auch Skepsis. Schließlich sei es schwer genug, Lkw-Fahrer zu bekommen, lautete ein Einwand. Woher also Fahrer für den öffentlichen Personenverkehr auftreiben?

Auch die Billig-Mentalität von Kunden und die Konkurrenz durch Online-Dienste erhöhten letztlich wieder den Druck, eben doch in alte Muster zu verfallen, auf günstige Arbeitskräfte auf abgasreichen Fahrzeugen zu setzen, warfen andere Teilnehmer in die ­Runde.

Michael te Heesen warb indes weiter für das Logistik-Konzept des eigenen Unternehmens. Das, betonte er, könne auch in anderen Städten funktionieren. „Wir nehmen viel mit“, resümierte am Ende des Nachmittags Heike Körner von der Wirtschaftsförderung.

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