Mettmann : Senioren lernen Kandidaten kennen

Am Sonntag wählen die Bürger ab 60 Jahren den neuen Mettmanner Seniorenrat. Bei der vierten Runde der Vorstellung herrschte großes Interesse.

. Herbert Breitrück ist mehr als überrascht: Es ist das vierte Mal, dass sich die Kandidaten des neuen Mettmanner Seniorenrates vorstellen, bislang war das Interesse allerdings eher verhalten. Diesmal, im Café der Seniorenwohnanlage „Carpe Diem“, ist das anders. Rund 50 ältere Bürger sitzen an langen Tischtafeln, um bei Obstkuchen und Kaffee mehr über den Sinn und Zweck des Rates und über dessen Bewerber zu erfahren. „Mit so viel Resonanz haben wir niemals gerechnet“, sagt der 71-jährige Breitrück erfreut. Derzeit ist er stellvertretender Vorsitzender. In seiner Funktion als Vorsitzender des Wahlvorstandes begrüßt er die Zuhörer und gibt zu Beginn grundsätzliche Infos preis. „Den Seniorenrat Mettmann gibt es seit nunmehr 30 Jahren, alle fünf Jahre wird neu gewählt. Wir verstehen uns als Lobby der Generation 60 plus, wir beraten, informieren und helfen, wir agieren unabhängig von Parteien, Religionen und Gremien.“

 Viele der Besucher, darunter hauptsächlich Bewohner der Seniorenwohnanlage, machen keinen Hehl daraus: Vom Seniorenrat haben sie noch nie gehört. „Was genau tun sie denn so?“, will eine ältere Dame wissen. Einer der Kandidaten, Horst Heisig, früher Diplom-Ingenieur, erklärt es mit einfachen Worten. „Wenn Ihnen das Essen hier im Haus nicht schmeckt, dann können Sie das Personal ansprechen. Wenn Sie sich eine Sitzbank bei Lidl wünschen oder eine Absenkung einer bestimmten Bürgersteigkante, dann wenden Sie sich an uns.“

Ersatzmitglieder werden in Arbeit des Gremiums eingebunden

Insgesamt 14 Kandidaten haben sich für die Wahl aufstellen lassen, elf davon werden gewählt, die anderen drei werden allerdings automatisch zu Ersatzmitgliedern und dementsprechend in die Arbeit mit eingebunden. „Wir zählen aus, welche elf Bewerber die meisten Stimmen haben. Wer letztlich den Vorstand stellt, werden wir intern nach der Wahl abstimmen“, erläutert Herbert Breitrück.

An diesem Nachmittag stellen sich nur neun der 14 Bewerber vor, die anderen sind im Urlaub oder erkrankt. Eine der Kandidaten ist Anita Haas, ehemalige Kreisverwaltungsmitarbeiterin und seit fünf Jahren im Seniorenbeirat. „Es macht mir viel Freude, ich würde gerne weiter dazu beitragen, die großen und kleinen Probleme zu lösen“. Die Biologin Sigrid Grafflage möchte jetzt in der Rentenzeit ein wenig „von dem Glück zurückgeben, was sie im Leben hatte“. Peter Groß, 70 Jahre, ehemaliger Steuerberater, hat bereits Erfahrungen als Ratsmitglied und sachkundiger Bürger im Sozialausschuss gesammelt und begleitet die Seniorenratsarbeit bereits seit einem Jahr. Und Reiner Herbrand dürfte vielen Mettmannern bereits aus seiner ehemaligen Tätigkeit bei der Kreispolizei bekannt sein: als Mitarbeiter der Kriminalprävention war er für alle zehn Kommunen im Kreis zuständig. Horst-Günter Backeshoff ist seit zehn Jahren im Seniorenrat aktiv. „Ich habe keine einzige Stunde davon bereut“, sagt der 73-Jährige über sein Ehrenamt. Eckard Dörner nimmt sich für seine Amtstätigkeit mehr Praxis und weniger Theorie vor und Wolfgang Haas, eine waschechte „Kieler Sprotte“ und seit 2004 in Mettmann, glaubt, dass „ein wenig nordischer Humor dem Seniorenrat nicht schaden könne.“

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