Regiobahn schließt Schienenlücke von Mettmann nach Wuppertal

Meilenschwellen statt Meilenstein : Regiobahn schließt Schienennetz

Die Gleisverbindung von Mettmann an das DB-Netz bei Dornap ist jetzt fertiggestellt. Aber nicht alle sind damit glücklich. Einige Anwohner fürchten Elektrosmog.

Beinahe 20 Jahre hat er auf diesen Augenblick gewartet. Und nun war er da, dieser „Wow!“-Moment. Als Joachim Korn damals aus einem Planungsbüro als Geschäftsführer zur Regiobahn wechselte, war für ihn klar: „Wir wagen uns an die Streckenerweiterung in Richtung Wuppertal“.

Mit dem letzten Gleismeter ist er – mittlerweile pensioniert und mit der Projektleitung betraut – diesem Ziel nun ein großes Stück näher gekommen. Der Weg dorthin war nicht immer leicht. Firmenpleiten, Fledermäuse oder auch einfach nur das geduldige Warten auf Genehmigungen: Es gab so einiges, was die Sache kompliziert gemacht hat. Und auch jetzt heißt es wieder warten, denn noch liegt der Antrag auf Elektrifizierung unbeantwortet bei der Bezirksregierung. Lief das Genehmigungsverfahren auf Wuppertaler Gebiet relativ problemlos, so gibt es in Mettmann diverse Probleme mit Anliegern, deren Grundstücke die Regiobahn für ihr Vorhaben braucht. Einige wollen Abstandszahlungen, andere stören sich am befürchteten Elektrosmog. Wieder andere haben ihren Anwalt eingeschaltet und möglicherweise sind gerichtliche Klärungen nötig.

Nun aber ist es erst mal der letzte Gleis-Meter, der Joachim Korn ein Lächeln entlockt. Von Meilensteinen kann man hier wohl nicht sprechen, eher von Meilenschwellen. Die liegen unter den Schienen und am Montag soll die Stopfmaschine anrollen, um den Schotter aufzufüllen. Theoretisch könnte dann die erste Diesellok fahren – praktisch wird das aber wohl noch dauern. Noch fehlt auch die Infrastruktur entlang der Gleise, obwohl es damit recht zügig vorangeht.

„Der Bahnsteig steht schon“, berichtet der Projektleiter von Baufortschritten. Die Treppenanlage und die Rampe werden gerade gebaut und bis zum Herbst soll auch der Parkplatz fertig sein. Das dürfte der Moment sein, den Joachim Korn fürchtet. Denn damit ist für ihn Schluss – das hat er seiner Frau versprochen. „Obwohl ich nicht weiß, was ich dann machen soll“, plaudert er schmunzelnd von seiner Leidenschaft für dieses Projekt.

Dass er die bis zum letzten Gleismeter erhalten konnte, ist nicht selbstverständlich. Denn Überraschungen hatte es zwischenzeitlich genug gegeben – so wie mit den unterirdisch verlegten Stromleitungen, auf die man entlang der Streckenerweiterung gestoßen war. Auf keinem Plan eingezeichnet, niemand wollte dafür verantwortlich sein und ob noch Strom durch sie hindurch floss, wusste man auch nicht. „Wir haben eine ferngesteuerte Schneidemaschine besorgt und sind in Deckung gegangen“, erzählt Joachim Korn von Momenten, die sich niemand wünscht. Als Laie fragt man sich, warum man den Stromdurchfluss nicht vorher prüfen kann. Das sei nicht zweifelsfrei möglich gewesen, entgegnet Korn. So langsam dürfte nun aber doch der Moment kommen, an dem er sich als Projektleiter entspannt zurücklehnen kann.

Der Lückenschluss ist geschafft, allzu viel kann nicht mehr passieren. Der Schlussakt ist zum Fahrplanwechsel 2010/21 angekündigt, dann soll die erste Bahn auf der neuen Strecke rollen. Endstation: Wuppertal!

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