Regiobahn: Frösche behindern Ausbaupläne

Regiobahn: Frösche behindern Ausbaupläne

Die Regiobahn will kommende Woche anfangen, die Strecke nach Dornap auszubauen. Vorher müssen aber alle Amphibien eingesammelt werden.

Mettmann. Eigentlich wollte Joachim Korn bereits vor zwei Wochen den Startschuss für den Gleisausbau der neuen Regiobahnstrecke von Mettmann-Stadtwald nach Dornap geben. Doch Amphibien und Reptilien machten dem ehemaligen Geschäftsführer der Regiobahn einen Strich durch die Rechnung.

Korn (65), der nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus der Regiobahn Gesellschaft jetzt als Projektmanager einer Consultingfirma für die Streckenerweiterung zuständig ist, musste sich einem Urteil der Bezirksregierung beugen. Erst, wenn alle Frösche, Kröten und Eidechsen von der alten Strecke in ein abgezäuntes Übergangsbiotop in der Nähe der ehemaligen Halde Hastert versetzt sind, kann er mit den Bauarbeiten beginnen.

Seit Tagen sind Naturschützer im Einsatz und sammeln auf der Strecke Kröte und Co. ein und bringen sie in das Biotop. „Wir hoffen bis Anfang nächster Woche mit der Umsetzungsaktion fertig zu sein“, sagte Korn in einer Anwohner-Veranstaltung. Wenn nicht, droht ein Baustopp.

Die Bewohner der Siedlung Rötten müssen in den nächsten Wochen mit Baulärm rechnen. Allerdings nur tagsüber, in Ausnahmefällen auch bis in den späten Abend, so Korn. Nachts ruhe die Baustelle in diesem Abschnitt. Die französische Firma Eiffage Rail baut im Auftrag der Regiobahn die Strecke. Sie wird von Mettmann-Stadtwald bis zum Bahnhof Dornap-Hahnenfurth wieder zweigleisig.

Im vergangenen Jahr und im Frühjahr wurde die Strecke freigeschnitten. Ein Fußgängertunnel bei Kleindrinhausen wurde erneuert. Vermutlich, so Korn, müssen auf der Strecke nach Hahnenfurth noch Brückenbauwerke entweder saniert oder sogar neu errichtet werden.

Am Montag oder Dienstag, so Korn, rücken die Baufahrzeuge an und entfernen die alte Schotterschicht. Die Steine werden nach Hahnenfurth transportiert und gereinigt. Zusammen mit neuem Schotter werden sie wieder ins Gleis eingearbeitet. Der Transport geschieht nicht — wie früher bei der Deutschen Bundesbahn - über das Gleis, sondern mittels Lastwagen. Und zwar vom Bahnübergang Bollenhöhe aus.

Von dort fahren die Lastwagen am Gleisrand zur Wanderbaustelle. Korn versprach den Anwohnern dafür zu sorgen, dass keine Brummis durch die Siedlung fahren. Ausnahmen seien möglich. Der Untergrund der Bahnstrecke müsse an bestimmten Stellen mit einem Kalk-Zementgemisch durchsetzt werden, da der Boden zu matschig sei. Eine gewisse Staubentwicklung und Lärm seien nicht auszuschließen.

Eine moderne Maschine kommt nach dem Schottereinbau zum Einsatz. Sie ist in der Lage, ohne auf dem Altgleis zu fahren, neue Schienen zu verlegen. Sie werden in einer Länge von 120 Metern angeliefert und dann verschweißt. Danach rücken erneut Schotterwagen und Gleis-Stopf-Maschine an. Wenn das zweite, neue Gleis liegt, wird das alte ebenfalls ersetzt, sagt Korn.

Die beiden Bahnübergänge (Röttgen und Bollenhöhe) werden im nächsten Jahr erneuert und mit einer Halbschranke versehen.

Die Züge von Mettmann nach Wuppertal sollen im 20-MinutenTakt fahren. Die Gefahr, dass an den Übergängen durch die enge Taktfolge permanent die Lichtzeichenanlage rot zeige, sieht Korn nicht. Es kommt zwar alle zehn Minuten ein Zug, doch es bleibe Zeit für Fußgänger und Autofahrer, den Bahnübergang zu passieren.

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