Preisgekrönter Tischler-Nachwuchs in Mettmann

Handwerk im Kreis Mettmann : Berufskolleg ehrt kreative Tischler

Das Berufskolleg Neandertal zeichnete jetzt besonders gute Arbeiten von Schülern des zweiten Lehrjahres aus.

Nach Sorgen um den Fachkräftenachwuchs sah das in der vergangenen Woche im Berufskolleg Neandertal nicht unbedingt aus. Zahlreiche Wohnmöbel-Ideen aus Holz konnten im Foyer des Gebäudes in der Mettmanner Koenneckestraße begutachtet werden, die von den Berufsschülern des zweiten Lehrjahres im Tischlerhandwerk gebaut worden waren. Doch Lehrerin Petra Scholz weiß diesen Eindruck etwas besser einzuordnen: „In Mettmann ist das Problem tatsächlich aktuell nicht ganz so groß wie in anderen Regionen. Aber insgesamt hat sich die Zahl der Auszubildenden in den vergangenen zehn Jahren nahezu halbiert.“

Dass Fachkräfte-Nachwuchsmangel am Berufskolleg Neandertal noch nicht ganz so drastisch zu spüren ist, könnte am innovativen Lehrkonzept liegen: Als Ganztags-Berufsschule bietet das Bildungsinstitut Zehn-Stunden-Tage mit Vollverpflegung und Bewegungsangeboten, ergänzt durch Projektwochen. Dadurch sind die Schüler häufiger im Betrieb anwesend, was diesen wiederum entgegen zu kommen scheint. Jedenfalls entsenden immer wieder auch Betriebe aus Düsseldorf und Essen ihre Auszubildenden nach Mettmann.

So starten die Jahrgänge im ersten Lehrjahr mit rund 50 Schülern in zwei Klassen. „Nicht alle bleiben dabei, aber die Zahl ist seit Jahren recht konstant.“ Und das Handwerk bei jungen Menschen entgegen landläufiger Meinungen noch nicht ganz „out“ ist, beweisen die Arbeiten und dahinterstehenden kreativen Gedankengänge des Tischler-Nachwuchses eindrucksvoll. Unter dem Motto „Funiture for Future“ kreierten die Schüler Möbelstücke, die sich den Themen Smartes Wohnen, kleinen Räumen und Nachhaltigkeit widmeten. „Die Schüler selbst suchen sich mehrere Themen aus, die dann durch die Lehrerschaft vorsortiert und schließlich vom Fachverband Tischler NRW festgelegt werden“, erklärt Petra Scholz.

Für seine handwerkliche Arbeit wurde Florian Haak (Remscheid) mit der „Schraube in Gold“ geehrt. Der 17-Jährige gestaltete ein Wandregal, das einerseits durch seine optische Gestaltung auffiel, andererseits durch die Verwendung des Mineralwerkstoffs Corian. „Der Werkstoff ist pflegeleicht, kratzresistent und stabil und war deshalb für die von mir vorgesehene Schiebetür besonders gut geeignet. Außerdem gibt es Corian in verschiedenen Farben und ist aufgrund seiner recyclebaren Bestandteile sehr umweltfreundlich und nachhaltig.“ Für eine berufliche Laufbahn im Handwerk entschied er sich, weil die Branche nach seiner Einschätzung nie aussterben wird. „Außerdem habe ich viel Spaß daran, Dinge selbst zu planen und zu bauen.“

Für seine besonders kreative Design-Idee wurde Thorben Engler aus Langenfeld mit dem „Bergischen Löwen“ in Gold ausgezeichnet. Sein „Küchenmanager“ entstand aus der selbst erlebten Praxis. „Ich ziehe gerade mit meiner Freundin zusammen und musste feststellen, dass der Raum in der Küche doch sehr klein ist und man gar nicht alles unterbekommt.“ Kurzerhand entwickelte er eine Art modulare Küchenwand, in die auf Schienen gelagerte Halterungen unterschiedlichster Variatoinen angebracht und verschoben werden können. Der Clou ist eine ausklappbare Ablagefläche, die bei Bedarf genutzt werden kann und nach Gebrauch wieder in der Wand „verschwindet“.

Die Werkstücke im zweiten Lehrjahr sind eine Art Generalprobe für das Gesellenstück. „Die Schüler machen quasi einen Probelauf für die komplett eigenständige Ausarbeitung einer Tischlerarbeit und stellen dabei schnell fest, wo ihre Vorstellung noch von der Realität abweicht“, erklärt Lehrerin Scholz. „Beispielsweise stellte eine Schülerin fest, dass sie sich noch viel intensiver mit Beschlägen auseinandersetzen muss, um nicht zu lange für die Verarbeitung zu benötigen.“ Zwei Tage lang planten die Berufsschüler ihre Arbeiten und hatten dann zwei weitere Tage Zeit, sie im Betrieb zu bauen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung