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Politik in Mettmann: CDU-Vorstoß zur Gender-Sprache

Politik in Mettmann : CDU: Gendern keine Sache der Politik

Die Gleichstellungsbeauftragten in Kreis und Stadt Mettmann haben Leitlinien erarbeitet. Grüne und SPD befürworten sie, die Konservativen lehnen das Papier ab.

(dne) Männlich weiblich, Sternchen, Unterstrich: Knapp eine Woche vor der nächsten Grundsatzdebatte um eine „geschlechtersensible Sprache“ in der Verwaltung rumort es in der Politik. Die Mehrheitsfraktion CDU hat ihre Argumentation so aufgebaut, dass das Thema eigentlich von der Tagesordnung des Ausschusses für Verwaltung und Digitalisierung (1.6., 17 Uhr, Rathaussaal) abgesetzt werden müsste. Weder der Rat, noch einer seiner Ausschüsse oder die Verwaltung seien dafür zuständig, tief in die deutsche Sprache einzugreifen.

Worum geht es? Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Geertje Jeschke, und ihre Mettmanner Kollegin, Karen Brinker, sind sich einig: Auf 13 DIN A4-Seiten haben sie notiert, wie in Verwaltungsvorlagen und Schreiben künftig formuliert werden soll. Willkürliche Beispiele: „Redepult“ statt „Rednerpult“, „Lehrkräfte“ statt „Lehrer“. Es soll nicht „jeder macht Fehler“ heißen, sondern „alle machen Fehler“. Die Verwaltungssprache soll alle Menschen ansprechen, sachlich und korrekt sein, aber keine Rollenklischees transportieren („Mutter-Kind-Parkplätze“) noch das „generisch Männliche“: In Mettmann wird nicht der Steuerzahler belastet, sondern auch viele berufstätige Frauen, die Steuern zahlen. Für die Kurzform soll in Kreis- und Stadtverwaltung der Unterstrich verwendet: „Schüler_innen“. Kein Sternchen, kein Schrägstrich, kein Doppelpunkt. Die Christdemokraten wollen nicht als Blockierer dargestellt werden. Aber für solche Fragen seien weder die Kreis- noch die Stadtverwaltung zuständig, sondern der Rat für Rechtschreibung. Sobald der etwas Verbindliches für ganz Deutschland festlege, werde man sich – auch in Mettmann – daran halten. Zurzeit lehnten sowohl dieser Rat als auch die Gesellschaft für deutsche Sprache alle Genderlösungen ab, sondern betonten Lesbarkeit und Verständlichkeit.

Rebecca Türkis von Grünen erstaunt der CDU-Vorstoß nicht: „Auf konservativer Seite wurde ja schon Anfang März im Hauptausschuss sehr emotional argumentiert.“ Die Grünen hingegen wollen, dass Amtssprache die Gegenwart abbildet - und begrüßen, dass Kreis und Stadt gemeinsame Leitlinien verfolgen wollen: „Jede Stadt um uns herum legt das selber fest.“ SPD-Ratsfrau Andrea Rottmann stimmt dem zu: „Vor allem junge Leute sagen mir, dass eine solche Sprache längst überfällig ist. Anfangs musste ich mich damit befassen, aber nun meine ich, dass es so sein sollte.“