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Pflege in Mettmann: Selbst im schlimmsten Stress „geordnet denken“

Krankenhauspflege in Mettmann : Bernd Krenz ist seit 30 Jahren Pfleger

Bernd Krenz feiert sein 30-jähriges Dienstjubiläum im EVK Mettmann. Er arbeitet als pflegerischer Leiter auf der Intensivstation.

Der Job zehrt an den Kräften: Länger als 13 Jahre bleibt eine Pflegefachkraft nur noch selten ihrer Berufsgruppe treu. Viele verlassen deutlich früher den Beruf. Nicht so Bernd Krenz, der jetzt sein 30-jähriges Dienstjubiläum als pflegerischer Leiter der Intensivstation im EVK feiert.

„Mit unglaublich viel Engagement und Empathie“ ist er im Einsatz, für sein Team und die interdisziplinären Kollegen ist er stets ein kompetenter Ansprechpartner“, gratuliert Pflegedirektorin Dorothea Sandhäger. „Was ich mache, ist absolut spannend“, sagt der 62-Jährige über seinen „erfüllenden Beruf“. Ob er ihn ein zweites Mal auswählen würde? „Covid war demoralisierend. Ich hatte Angst, zur Arbeit zu gehen.“ Dabei pflegt Bernd Krenz ein „abstruses Hobby“, er ist Seenotretter, „aber noch nie zuvor hatte ich bei einem Einsatz das Gefühl, an meine Grenzen zu stoßen.“

Noch nie zuvor gab es ein
Szenario wie Corona

Natürlich gab es für ihn als Pfleger auf Intensiv bereits Ausnahmesituationen. Aber „was wir mit Covid erlebt haben, das gab es nie zuvor“. Anfangs gab es alle drei Stunden neue Vorgaben vom RKI – „alles parallel zur normalen Patientenversorgung“. Zwischendurch sah es nach Engpässen bei der überlebenswichtigen Versorgung mit Schutzmaterialien uns, „denn die Lieferketten waren ja nicht nur für uns im EVK eng geworden“. Diese Situation vergleicht er mit einer „Autofahrt, bei der Sie feststellen, die Bremsen funktionieren nicht“.

Nie panisch zu werden, sondern auch im schlimmsten Stress „geordnet denken zu können“ sowie die Implementierung einer Supervision haben in dieser Phase geholfen. „Außerdem sind wir ein supergutes Team, haben Antennen füreinander und reden über alles.“ Dass er solche Herausforderungen würde bewältigen müssen, hatte er sich beim Berufsstart nicht ausgemalt. „Ich habe nach der mittleren Reife völlig blauäugig als Krankenpfleger angefangen“, erinnert er sich an seinen Start im Jahr 1977 im Wuppertaler Klinikum. Nach Examen und Zivildienst folgte eine zweijährige Fortbildung zum Intensivpfleger und Karriereschritte als Stationsleiter der Unfallchirurgie, bis er sich von seinem Lebensmittelpunkt in Wuppertal-Varresbeck nach Mettmann orientierte. Hier wollte er mitgestalten und mit verändern, „ich hatte gleich das Gefühl: hier bist Du richtig“, erinnert er sich an das einst „kleine, verträumte Krankenhaus“. Sechs Betten gab es damals auf der Intensivstation, inzwischen sind es ein Dutzend. Der Kostendruck sei immer wieder spürbar. Dass das Gehalt noch immer nicht im gerechten Verhältnis zur Verantwortung steht, das müsse man eben wissen.

„Was ich mache, ist eine total spannende Angelegenheit“, Ausgleich findet er nach wie vor bei der Seenotrettung. „Ein wunderbarer Ausgleich, der mich erdet. Ich bin dann in einer anderen Welt. Und das ist wichtig.“