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Persische Trommel erklingt in Mettmann

Mettmann : Trommelklänge erinnern an Persien

Am 31. Juli ist Tag der ungewöhnlichen Musikinstrumente. Wir stellen bis dahin Menschen, ihre Instrumente und die Geschichte vor.

Seit seinem sechsten Lebensjahr macht Erfan Pejhanfar Musik, vorzugsweise auf seinem Tombak, einer persischen Trommel, die er von seiner Mutter zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Seine Liebe zur Musik ist groß – am liebsten wäre Erfan Musiklehrer geworden. Die Arbeit mit Kindern hätte ihm große Freude bereitet. Hin und wieder kann er diesen Traum verwirklichen, als ­Privatlehrer.

Aber sein Leben bestand nicht nur aus Musik. Er verließ mit 19 Jahren seine Heimat in Richtung Niederlande, wo ein Onkel von ihm als Arzt praktizierte. In Amsterdam lernte der junge Mann erst einmal die holländische Sprache und studierte dann Ingenieurswissenschaften im Fach Maschinenbau. Seine Examensarbeit schrieb Erhan auf Niederländisch.

Er lernte seine Frau kennen und die beiden heirateten im Februar vergangenen Jahres in Mettmann, wohin sie inzwischen übergesiedelt waren. Die große Hochzeitsfeier fand dann nach persischer Sitte im August des vergangenen Jahres statt – ein Fest mit 290 Gästen, das ging noch vor Corona-Zeiten. „Tja, die Familie meiner Frau ist so groß – von meiner Familie waren nur etwa 80 Personen unsere Gäste,“ sagt er lächelnd, wohl wissend, dass solche Feiern hierzulande wohl die absolute Ausnahme sind.

Aber auch die Musik trat wieder in sein Leben. Seit einigen Jahren spielt er in dem Kioomars Musayyebi Quartett, das aus einer Jazzgitarre, einem Kontrabass, einem Santur und eben dem Tombak besteht und schon auf großen Festivals zu hören war. Die Eltern von Erhan haben drei Söhne, die alle zu ihrem sechsten Geburtstag ein Instrument geschenkt bekamen, das die Mutter jahrelang selbst gespielt hatte.

Das Leben der beiden jungen Leute ist schwierig. Nadja, ebenfalls ein persischer Name, studiert in Düsseldorf Pharmazie und er hat einen Job in Amsterdam bei einer Energiefirma. So wechselt er ständig, montags bis freitags in den Niederlanden, das Wochenende zu Hause in Mettmann. Das Zuhause besteht aus einer Einzimmerwohnung und die Nachbarn sind nicht so sehr begeistert, wenn Erfan üben muss. Und üben muss der junge Musiker – das Tombak verlangt blitzschnelle Finger, wie eine Demonstration zeigte. Zudem hatte er jetzt seinen Arm wegen einer Sehnenentzündung in Gips. Da muss viel aufgeholt werden. Und so fährt Erfan, wenn es geht, zum Üben zu seinem Freund Kioomars Musayyebi nach Essen.

Ende Juni sollte dieses Quartett in der Mettmanner Kulturvilla auftreten – aber auch dieses Konzert war wegen der Corona-Pandemie verlegt worden auf den 29. Juni 2021 (siehe Info-Box). Insgesamt sind bisher schon sieben Konzerte abgesagt worden und da diese Einnahmen natürlich fehlen, jobbt der junge Iraner am Wochenende an einer Tankstelle an der Düsseldorfer Straße. Er wollte einen Chor in Rhythmik unterrichten – abgesagt.

Überhaupt Corona. Das Virus hat sein Leben ganz schön durcheinander gewirbelt. Er hatte eine Stelle bei der Telekom und drei Tage vor Beendigung der Probezeit brach Corona aus und er wurde entlassen. Dafür desinfizierte er dann bei Rewe die Einkaufswagen – mit Vollstudium. Der Vater von Nadja ist sehr krank, aber die Tickets für einen Flug nach Teheran sind um das Fünffache gestiegen und ein Euro, der 2011 noch 1000 Toman wert war, wird jetzt für 22 000 Toman gehandelt. Aber das junge Paar will sich nicht unterkriegen lassen. Hier leben sie trotz aller Probleme in Freiheit: „Bei den Mullahs wäre das nicht möglich. Die hatten meinen Vater schon für acht Jahre ins Gefängnis gesteckt“, stellt er fest.