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Pandemie in Mettmann: Schnelltests in Kitas gegen den PCR-Stau

Pandemie in Mettmann : Stadt erlaubt nun Schnelltests in Kitas

Oft dauert es Tage, bis PCR-Ergebnisse vorliegen. Auch Grundschulen beklagen Wartezeiten wegen überlasteter Labore.

Das Jugendamt hat am Freitag auf die Kritik der Kita-Eltern an verspätet vorliegenden Ergebnissen bei PCR-Pooltests reagiert. Ab der kommenden Woche sollen in den 17 Kitas der Stadt Mettmann im Zweifel kostenlose Bürgertests für Hinweise zum Gesundheitsstatus eines Kindes sorgen. Diese für die Eltern kostenlosen Schnelltests sollen immer dann zum Einsatz kommen, wenn ein PCR-Pooltest ein positives Ergebnis zeigt, also mindestens ein Kind an Corona erkrankt ist. Dann soll es nicht mehr mehrere Tage lang dauern, bis die einzelnen PCR-Tests ausgewertet sind.

Diese Wissenslücke hat Ratsherr André Bär von der Partei Die Linke, selbst Vater eines Kita-Kindes, kritisiert: „Es gibt meines Wissens nach Kitas, die positive Pool-Tests haben und nun zum Teil über mehrere Tage auf die Auswertung der Einzeltests warten. Das hat bekanntlich zur Folge, dass die betroffenen Kinder der Gruppe sich bis zum Vorliegen des Ergebnisses bestmöglich abzusondern haben. Davon betroffen ist dann auch mindestens ein Elternteil. Davon betroffen sind dann wiederum die jeweiligen Arbeitgeber.“ Bär bezeichnete es als „völlig sinnfrei“, morgens in den Kita-Gruppen Pooltests durchzuführen, die dann von den Laboren aus Überlastung gar nicht abgeholt würden und die im Falle eines positiven Ergebnisses gar nicht weiterverfolgt werden könnten. So hatte es sich bei dem seit dem 10. Januar angewandten Verfahren dargestellt.

Sozialdezernent Marko Sucic hatte darauf hingewiesen, dass die Labore zurzeit aus mehreren Gründen überlastet seien – und sich daher die Verzögerungen ergeben. In einer ersten Stellungnahme hatte Sucic noch die Einbeziehung von Schnelltests abgelehnt, weil diese vor allem die Omikron-Variante nicht so zuverlässig anzeigen wie PCR-Tests. Zugleich scheute Sucic davor zurück, die Verantwortung für die Tests und die Gesundheit der Kinder an die Eltern zurückzudelegieren. Denn auch die Eltern kämen angesichts des momentanen Runs auf PCR-Tests und Labore nicht schneller an die Reihe.

An dieser Stelle hat die Stadt Mettmann umgedacht – zugunsten eines pragmatischen Ansatzes. André Bär lobte den Beschluss von Freitag: „Aufgrund der bekannten Problematik und damit verbundenen Belastung für Eltern, Kinder und Kitas, begrüße ich die Entscheidung des Jugendamtes ausdrücklich.“

Die ausbleibenden Testergebnisse sorgen auch an Mettmanns Grundschulen für Frust. „In der vergangenen Woche ist das voll gegen die Wand gelaufen“, lautet der Tenor der Schulleiter. Die Labore sind komplett überlastet, „wenn es gut läuft, bekommen wir die Testergebnisse am Abend“, sagt Anja Schlösser-Schnelting, Schulleiterin der der Astrid-Lindgren-Schule (ALS). Und mit Abend ist gerne 22 Uhr gemeint. „Oft kommen die Ergebnisse erst am nächsten Tag“, weiß Sabine Melka, Schulleiterin der katholischen Grundschule. Doch nicht nur das Zeitmanagement setzt den Schulleitern massiv zu. Ist der Laborbefund abends da, müssen die Erziehenden informiert werden – per SMS, telefonisch oder E-Mail. „Dann muss auch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, wie etwa mit positiven Testergebnissen umzugehen ist“, berichten die Rektorinnen stellvertretend für alle anderen Grundschulleiter.

„Im Labor wurden auch Tests irrtümlich vertauscht“, lauten weitere Klagen. Dann das Dilemma mit der Information der Erziehenden, welche Kinder dann wie lange in Quarantäne müssen – „das Fazit seit dem Schulstart: Es ist die Hölle. Unterrichtsplanung ist aus Zeitmangel fast unmöglich“, sagen die Grundschulleiterinnen. Der Arbeitstag beginnt angesichts des Labor-und-Drumherum-Chaos morgens um 6 Uhr und endet selten vor Mitternacht. „Das ist kräftezehrend. Wir sind am Ende. Es reicht“, erklärt eine Schulleiterin entnervt.

Eltern, Schüler und Lehrer sind an der Belastungsgrenze, ausbleibende Testergebnisse, Quarantäne, die vor allem für berufstätige Eltern oft knifflige Frage, kurzfristig eine Betreuung finden zu müssen – die Situation ist mit „herausfordernd“ euphemistisch umschrieben. „Wie uns die Politik allein lässt, ist schlimm. Wir kommen nicht mehr hinterher“, sagt die Schulleiterin Anja Schlösser-Schnelting