Mettmann : Raritäten liebevoll herausgeputzt

Weit über die Grenzen Mettmanns ist das wöchentliche Oldtimer-Treffen im Neandertal beliebt. Die Idee entstand vor zehn Jahren.

Sie sind nicht ganz so alt wie die Ausstellungsstücke im gegenüberliegenden Neanderthal Museum, aber haben mit den Steinzeit-Artefakten doch etwas gemeinsam: die Kulturförderung. Zumindest ist sich Willi Schaefer da sicher: „Wir erhalten Kultur“, sagt der Erkrather Unternehmer und leidenschaftliche Sammler historischer Fahrzeuge. Er war es, der vor rund zehn Jahren die Anregung zum wöchentlichen Oldtimer-Treffen am Schwarzwaldhaus gab und sich seitdem um die Organisation kümmert.

„Die Idee von Willi Schaefer passte damals ganz gut in mein Vorhaben, die Schwarzwaldstuben zu renovieren und den Biergarten nutzbar zu machen“, erinnert sich Timm Eich, der in fünfter Generation das Schwarzwaldhaus an der Talstraße zwischen Mettmann und Erkrath führt. „Bis in die 1970er Jahre hinein gab es im Neandertal zahlreiche Biergärten, aber die sind nach und nach alle geschlossen worden.“

Schaefer hat einen 1951er Mercedes liebevoll restauriert

Er selbst sammelt zwar keine Oldtimer, war aber auch schon immer autoaffin. Das Treffen im Neandertal entwickelte sich schnell zu einem Selbstläufer. „Zu Spitzenzeiten stehen hier 150 bis 200 Autos“, sagt Schaefer, der an diesem leicht regnerischen Maisonntag mit seinem beigen 1951er Mercedes 170 SB gekommen ist. Das Fahrzeug – nicht nur wegen seiner „Mördertüren“ immer ein Hingucker mit einem Wert irgendwo zwischen 40 000 und 50 000 Euro – besitzt er seit zehn Jahren, restaurierte es vier Jahre lang in liebevoller Kleinarbeit, ehe er damit auf die Straße ging. Die nach hinten aufklappenden Vordertüren haben ihren Beinamen erhalten, weil es mitunter Unfälle gab beim Aussteigen. „Da hat schon mal der eine oder andere Fahrer sein Bein verloren, weil von hinten ein anderes Auto vor die Türe gefahren ist und sie wieder zugeschlagen hat.“

Das Treffen auf dem Parkplatz des Schwarzwaldhauses besucht er nicht nur, weil er es selbst ins Leben gerufen hat. „Hier geht es nicht um den Handel, sondern um die Benzingespräche, wie das bei uns heißt. Die Autos stehen im Mittelpunkt und sind das Zentrum jeder Unterhaltung.“

Klar, würde es auch mal über die eine oder andere konkrete Oldtimer-Suche oder um zum Verkauf stehende Objekte gehen, aber das sei nicht Sinn des Treffens. Wie zeitlos die Szene ist, zeigt das Alter der Fahrer: Die Spanne liegt zwischen 18 Jahren und über 80.

Und so kommen hier von Anfang April bis Ende Oktober regelmäßig Old- und Youngtimerliebhaber aus der gesamten Region zusammen. Ab 10 Uhr reihen sich sonntags die schicken Fahrzeuge aneinander und werden auch von Spaziergängern in Augenschein genommen. An diesem Tag sind es „nur“ rund 40 Gefährte jeglichen Alters, aber das macht die Gespräche untereinander nicht weniger intensiv. „Bei sonnigem Wetter ist es viel voller hier, denn einige der alten Fahrzeuge vertragen Regen nicht mehr so gut.“

Auch historische Motorräder sind beim Oldtimertreffen gerne gesehen. „Das dürfen auch gerne noch etwas mehr werden, dafür würde ich sogar eine gesonderte Ecke hier abtrennen“, sagt Schaefer. Und eine weitere Idee treibt ihn und Eich bereits an: Sobald das Wetter es zulässt, werde man samstags Sport- und Supersportwagen jeden Alters auf den Parkplatz einladen.

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