Hiobsbotschaft für rund 120 Beschäftigte NTN will offenbar Standort in Mettmann schließen

Mettmann · Seit einem halben Jahrhundert führt der japanische Kugellagerhersteller NTN einen Standort in Mettmann. Nun plant der Konzern offenbar, das Werk zu schließen. Rund 120 Arbeitsplätze würden dadurch verloren gehen.

Seit 1972 in Mettmann – mit einem Produktionsstandort an einem eigenen Straßennamen: Jetzt soll der Standort geschlossen werden.

Seit 1972 in Mettmann – mit einem Produktionsstandort an einem eigenen Straßennamen: Jetzt soll der Standort geschlossen werden.

Foto: Achim Blazy (abz)

(dne) Hiobsbotschaft für rund 120 Beschäftigte: Der japanische Hersteller NTN plant, seine Kugellagerfabrik in Mettmann zu schließen. Damit verliert die Stadt einen ihrer größten Gewerbesteuerzahler. Seit 52 Jahren werden im Osten Mettmanns in drei Werken Präzisionsteile hergestellt. Der Mettmanner Standort war die erste Produktionsstätte des japanischen Konzerns NTN in Europa. Das soll nun bald Geschichte sein.

Nach zwei Tagen mit vergeblichen Versuchen, das Unternehmen zu erreichen, hat Prokurist Andreas Kotulla bestätigt, dass NTN den Standort Mettmann aufgeben möchte. Details werde das Unternehmen in einer schriftlichen Information mitteilen, die in Kürze erfolgen solle. Zu den Gründen für die Schließung wollte der Prokurist vorab nichts sagen.

Nach Medieninformationen sollen die Werke am Standort Mettmann ab 2025 stufenweise geschlossen werden. Spätestens 2026 soll endgültig Schluss sein. Die Mitarbeitenden sind in einer Betriebsversammlung über die Schließungspläne des japanischen Konzerns informiert worden. Am Dienstag traf sich die Unternehmensleitung mit den Betriebsräten.

IG Metall will für
die Zukunft der Werke kämpfen

Der Geschäftsführer der IG Metall, Hakan Civelek, sagte auf Nachfrage: „Uns wurden die Gründe und die Zeitplanung für die Schließung des Standortes Mettmann erläutert.“ Natürlich gelte die Sorge der Gewerkschaft den Beschäftigten. Aus diesem Grund will die IG Metall alles tun, um den Betrieb in Mettmann aufrecht zu erhalten, notfalls auch mit einer reduzierten Belegschaft. „Wir stehen in unseren Gesprächen ganz am Anfang und haben jetzt mit einer Informationsphase begonnen.“ Am Mittwoch und am Freitag werde man gemeinsam mit den Betriebsräten die vom Unternehmen vorgelegten Unterlagen prüfen. Erst wenn alle Fragen beantwortet seien, könne mit Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan begonnen werden.

Die Mettmanner NTN Kugellagerfabrik GmbH ist eine Tochter der NTN Corporation mit Firmensitz in Osaka. Das Unternehmen gehört zu den Weltmarktführern für Präzisionselemente und Systeme der Antriebstechnik. Als viertgrößter Lagerhersteller der Welt ist die japanische NTN Corporation in den Bereichen Automotive, Industriemaschinen einschließlich Flugzeuge, Schienenfahrzeuge und Ersatzteile unterwegs. Der Konzern beschäftigt weltweit mehr als 23 000 Mitarbeiter an 71 Produktionsstandorten und 116 Vertriebsniederlassungen. Der Jahresumsatz gibt der Konzern mit 5,2 Milliarden Euro an, zwei Drittel davon würden außerhalb Japans erwirtschaftet.

Seit 2016 hatten die Japaner einen Millionenbetrag in die Mettmanner Produktionsstätte investiert. Die Produktionswerke an der NTN-Straße 1 wurden digitalisiert und neue Maschinen gekauft. Zug um Zug seien die Fertigungslinien auf den neusten Stand gebracht worden, hieß es in einer Mitteilung der Stadt zum 50-jährigen Jubiläums des Mettmanner Standortes im Jahr 2022. Der damalige Geschäftsführer Tsuyoshi Takeda wurde in der Mitteilung der Stadt Mettmann so zitiert: „Dieses 50-jährige Bestehen ist auch ein Verdienst unserer Mitarbeiter. Sie haben alle einen großen Teil dazu beigetragen und sind eine wichtige Stütze. Wir sind sehr stolz auf unsere Mitarbeiter.“

Laut IG-Metall-Mann Civelek handelt es sich bei der Belegschaft von NTN in Mettmann um Menschen, die überwiegend älter als 50 Jahre seien und bereits viele Jahrzehnte für das Unternehmen arbeiten. Sie seien enttäuscht darüber, dass ihr Arbeitgeber den Standort schließen wolle. Die Erfahrung zeige, dass sich ältere Arbeitnehmer mit langjähriger Betriebszugehörigkeit nicht so leicht damit täten, noch einmal einen neuen Job zu suchen.

Für das rund 62 000 Quadratmeter große Werksgelände gäbe es eine Anschlussverwendung. Denn Wirtschaftsförderer Stephan Reichstein hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass vermarktbare Gewerbeflächen in der Kreisstadt äußerst knapp sind und dies die Neuansiedlung von Unternehmen erschwere. Allerdings müsste die Stadt Mettmann die Gewerbefläche erwerben. Die Mittel hierzu müssten als Kredit aufgenommen werden, denn die Stadtkasse ist leer.

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