„Nicht jedes Wort muss auf die Goldwaage“

Mettmann : Die Friedels haben keine Zeit für Streitigkeiten

Heinz und Hilde Friedel leben seit 51 Jahren in Mettmann und feiern Eiserne Hochzeit.

Sie sind beide 87 Jahre alt und seit 65 Jahren verheiratet: Hildegard und Heinrich Friedel haben jetzt „Eiserne Hochzeit“ gefeiert. Doch das Alter merkt man den beiden nicht an: Die Hochzeitstorte hatte Hildegard Friedel zwar nicht selbst gemacht, aber dafür jede Menge Schnittchen. Die Jubilare unterhielten sich angeregt mit dem stellvertretenden Landrat Ernst Buddenberg und der stellvertretenden Bürgermeisterin, Ute Stöcker, die die Glückwünsche der Stadtverwaltung überbrachte.

Etwas traurig war Hildegard Friedel, dass die Gäste nicht genügend Hunger mitgebracht hatten. „Meine Eltern waren schon immer sehr gastfreundlich“, bestätigte Tochter Gabriele von Mauschwitz. Sie ist eines von vier Kindern des Ehepaares und berichtete von einer lieb gewonnenen Tradition: „Am Sonntagmorgen ist die Familie immer zum Frühstück eingeladen, wer möchte kann kommen.“ Mit neun Enkeln und einem Urenkel sei die Familie entsprechend groß – und der Kaffeebedarf auch: „Es gibt meistens fünf verschiedene Sorten Kaffee, für jeden, was er möchte“, erzählte die Gastgeberin.

Kennengelernt haben sich Hildegard und Heinrich Friedel mit 18 Jahren in Köln. „Das war im Niehler Ballhaus“, erinnerte sich Heinrich Friedel. „Sie hatte so ein hübsches Kleid an und war ein echtes Schmuckstück.“ Liebe auf den ersten Blick sei es gewesen, sind sich die beiden
einig.

Liebe als Geheimnis einer
langen und glücklichen Ehe

„Die Liebe ist auch das Geheimnis der langen Ehe“, meinten sie. Zwar habe auch der rheinische Humor geholfen, aber vor allem die zunehmende Toleranz im Alter: „Man muss ja nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Wir sind zwar manchmal verschiedener Meinung, aber Streit haben wir nie. Dafür ist die gemeinsame Zeit zu kurz“, meinte Hildegard Friedel. Noch immer bekomme sie Komplimente von ihrem Mann. „Wenn sie so einen Mann hätten, wären sie auch glücklich und zufrieden“, sagte sie lächelnd. „Wir haben gesunde Kinder und Enkel, was will man mehr?“ Aber auch die Einstellung stimmt: „Die beiden lieben sich und sind immer gut drauf“, bestätigte die Tochter. „Wir haben uns immer erreichbare Grenzen gesetzt. Das ist auch wichtig“, sagte Heinrich Friedel, der früher bei Ford arbeitete und von Köln aus zuerst für vier Monate und dann für drei Jahre nach Amerika musste. Danach wurde er Werksleiter in Wülfrath.

„Wir haben uns dann entschieden, nach Mettmann zu ziehen, wo wir jetzt schon 51 Jahre lang wohnen“, erzählte er. „Später habe ich in Düren gearbeitet, und dort auch den Computer eingeführt.“

Bis heute liebt er den PC und chattet ganz modern mit Kindern und Enkeln: „Ich habe mehrere Smartphones“, berichtete er lächelnd, und auch seine Frau lese die Zeitung mittlerweile digital. Beide haben einen großen Garten und sind im Ford-Pensionärsverein. Ihre kirchliche Trauung fand erst im Oktober statt – und an deren Jahrestag soll mit der ganzen Familie gefeiert werden. „Wir haben das Standesamt damals vorgezogen, sonst hätten wir keine eigene Wohnung
gekriegt.“

(hba)
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