Neanderland-Biennale: Der Park wird zur Bühne

Neanderland-Biennale: Der Park wird zur Bühne

„Un grand spectacle“ hieß es im Park Ville d’Eu – französisches Straßentheater mitten in Haan. Mit Zwille und Matthieu liefen ein Akkordeonspieler und ein Spaßmacher umher, am Pavillon wurden französische Spezialitäten, natürlich auch Wein, verkauft.

Haan. Es gibt gute Gründe, den Objekten gegenüber wohlgesonnen zu sein. Eine Telefonzelle beispielsweise ist nicht nur, weil sie im Zeitalter von Mobiltelefonen zur aussterbenden Gattung gehört, schützenswert, sondern erweist sich als überaus nützlich zur raschen Kommunikation.

Doch was ist, wenn sich herausstellt, dass das Objekt der Begierde die tiefe Tücke im Herzen trägt? Diese desillusionierende Erfahrung machte Paul Durand als Compagnie du petit Monsieur am Pfingstsonntag bei seiner Performance "En dérangement".

Der schmale Grünstreifen im Park Ville d’Eu hatte sich anlässlich der Neanderland-Biennale unter dem verheißungsvollen Titel "Un grand spectacle" in eine Theaterbühne verwandelt.

Dazu hatte der Klanggartengestalter Etienne Favré elf von 45 seiner ungewöhnlichen Klangkörper ausgestellt, darunter Luft in Flöten pumpende Gummistiefel, kunstvoll ineinander verschlungene Reifen und Windradspiele, die vor allem bei den ganz jungen Besuchern wie Nele (3) und Thorben (4) gut ankamen.

Mit Zwille und Matthieu liefen ein Akkordeonspieler und ein Spaßmacher umher, am Pavillon wurden französische Spezialitäten, natürlich auch Wein, verkauft. In gemütlicher Camping-Manier hockten Familien auf ihren mitgebrachten Picknick-Decken, plauderten hier und schwatzen da und ließen es sich offensichtlich gut gehen.

Der Höhepunkt des sommerleichten Nachmittags war zweifelsohne der pantomimische Auftritt Paul Durands. Mit einem tadellos sitzenden Anzug im Stile Jacques Tatis bekleidet versuchte er, das gläserne Telefonhäuschen zu betreten.

Doch das verweigerte den Zutritt, erwies sich nicht als treu zur Seite stehendes Utensil, das sich klaglos bedienen lässt, sondern zickte. Mit Klopfen und Klettern, Krabbeln und komischen Verrenkungen versuchte der Anzugträger nun, der versiegelten Aluminiumzelle beizukommen.

Doch so sehr er sich auch bemühte, welch unfassbaren akrobatischen Turnübungen er anstellte - nicht der Mensch beherrschte die Technik, sondern sie ihn.

Wie Paul Durand, der sich als überaus fitter und austrainierter Sportler erwies, da nun immer wieder aufs Neue kämpfte, war von feiner Komik.

Doch jenseits dessen, dass der Mann für seine aufregenden Stunts immer wieder Szenenapplaus bekam und die Lacher auf seiner Seite hatte, erzählte "En dérangement" doch auch einiges über die Tücken des Alltags, denen manchmal eben nur mit unkonventionellen Mitteln - letztlich gelangt Durand über das Klappdach ins Innere - beizukommen ist.

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