Mit neun Jahren schon der Herr der Kugeln

Billard : Ein Neunjähriger mischt Billard-Szene auf

Fabrizio Ingrasci sorgt zurzeit für Furore in der Billard-Szene. Der Neunjährige, der für Mettmann spielt, gilt als Hoffnungsträger.

Er ist kein Freund großer Worte und eigentlich ist es Fabrizio sogar peinlich, wenn Mama Melanie Liniek das Handy hervorholt, um stolz ein Video ihres Sprösslings zu zeigen: Vor wenigen Monaten räumte der Neunjährige bei den Deutschen Meisterschaften in einer eigentlich viel zu hohen Klasse (U 15) einen grandiosen dritten Platz ab und wurde als bester Newcomer geehrt. Schon 2018 hatte er sich bei den Landesmeisterschaften den zweiten und dritten Platz gesichert – ebenfalls gegen deutlich ältere Mitstreiter. Doch Fabrizio ist es nicht anders gewohnt. Er spielt immer gegen ältere, auch im regulären Liga-Spielbetrieb, dort nahezu ausschließlich gegen Erwachsene. Denn Spieler in seinem Alter gibt es, zumindest in der Region, wenige und schon gar nicht mit seiner Qualität.

Mit seinen 1,38 Meter Größe überblickt er gerade den Tisch

„Aufgrund seines Alters und seiner Größe wird Fabrizio sehr häufig unterschätzt“, sagt Giuseppe Ingrasci, Vater, Trainer und Mitspieler von Fabrizio bei den BSC Shooters Mettmann.

Mit seinen 1,38 Metern Körpergröße überblickt der Neunjährige gerade einmal bequem die Tischplatte und dennoch trumpft er mit wahnsinnigen Fähigkeiten auf: Wenn er will, lässt Fabrizio mühelos die weiße Kugel auf dem Tisch über eine andere springen und versenkt die von ihm gewünschte Kugel elegant in eine der Taschen. Der sogenannte „Jump Shoot“ ist neben dem Stoppball und dem Zugball eine von Fabrizios Spezialitäten. Das wiederum verschaffte ihm kürzlich den Zutritt zum Kader-Training in Bergisch Gladbach. Mit Bundesliga-Spieler Christian Reimering hat Fabrizio auch schon trainiert.

Gerne würde er mal gegen den 9-Ball-Weltmeister, Europa- und mehrmaligen Deutschen Meister Joshua Filler spielen, der derzeit die junge Pool-Billardszene dominiert. „Mit zwölf Jahren hat sich Fabrizio vorgenommen, Joshau Filler zu besiegen, was schon ein sehr hochgestecktes Ziel ist“, bemerkt Vater Ingrasci. Doch Fabrizio ist hartnäckig.

„Die Tricks, die er kann, hat er immer und immer wieder geübt, bis sie saßen.“ Das, haben ihm bereits andere Trainer versichert, werde der Schlüssel seines Erfolgs sein: „Wenn er über die Pubertät hinaus weiter so hartnäckig dabeibleibt, könnte er tatsächlich international spielen“, sagt Mutter Melanie Liniek, die jedes Mal mit ihrem Sohn mitfiebert.

Auch sie spielt im Team der BSC Shooters mit – wie auch Achim Jahn, Michael Raber und Andreas Leiß. Gegen ihren Sohn hat Liniek mittlerweile kaum noch eine Chance. „Das ist für mich echt deprimierend, weil ich nicht gerne verliere.

Andererseits freut es mich einfach, dass er so erfolgreich ist.“ Gegen Papa Ingrasci spielt Fabrizio immer noch am liebsten, „weil ich dann Sachen ausprobieren kann und manchmal sogar gewinne“.

Sein Traum ist es, mit Joshua Filler gemeinsam eine Euro-Tour zu spielen.  Doch bis dahin will Fabrizio erst einmal vor dem Wechsel von der Grund- auf die Realschule seine Sommerferien genießen – mit viel Zeit im Freibad und natürlich ganz viel Billard.

Mehr von Westdeutsche Zeitung