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Mettmanns Perspektiven als Stadt der Zukunft

NRW : Die richtige Richtung fehlt noch

Die Weichen für den wirtschaftlichen Aufschwung müssen jetzt gestellt werden, das ist das Ergebnis des Ausschusses für Wirtschaftsförderung. Strategien und Maßnahmen, auch im Marketing, gilt es nun dringend zu definieren.

Streng genommen waren es nur drei Tagesordnungspunkte, die jetzt auf der Agenda des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Grundstücksangelegenheiten verzeichnet waren. Alle Anträge beschäftigen sich aus verschiedenen Perspektiven damit, wie die Stadt Mettmann wieder attraktiv gemacht werden kann. Ob der lokale Einzelhandel per „Buy local“-Kampagne angestoßen wird, über Maßnahmen zur Förderung des Neanderland-Tourismus sinniert wird oder eine Neuausrichtung des Stadtmarketing-Konzepts debattiert wird: Es besteht dringender Handlungsbedarf. Oder wie es Axel Ellsiepen, sachkundiger Bürger, formulierte: „Es ist schade um die drei verlorenen Jahre“, denn seit 2018 ist das Thema, wie der Stadt zu neuer Blüte verholfen werden kann, Diskussionspunkt.

Bereits vor Jahren hatte es, mit Blick auf damals funktionierende Nachbarstädte wie Ratingen, Gespräche gegeben. „Es muss dringend etwas passieren“, stimmte auch Marcus Stimler, Geschäftsführer der Wirtschaftsjunioren Niederberg und Leiter der Zweigstelle der IHK zu Düsseldorf in Velbert, ein. „Zeitnah, am besten sofort, sollte eine Task Force entstehen“, bot er auch die Mithilfe der IHK an. Wichtig sei dabei aber vor allem, klar zu definieren, was denn nun tatsächlich getan werden soll. „Ich weiß nicht, was sie wollen“, sagte er Richtung Wirtschaftsförderung und Politik. Einerseits eine „Buy local“-Kampagne zu initiieren oder das Stadtmarketing neu zu positionieren – „das sind alles verschiedene Wege“. Die Zeit drängt, doch vor allen Aktivitäten sei grundsätzlich zu klären, welche Richtung angestoßen werden soll und entsprechend zu priorisieren. Voraussetzung dafür ist auch eine Antwort auf die Frage: „Was unterscheidet Mettmann von anderen Städten, was macht Mettmann einzigartig?“

IHK-Befragung zeichnet bereits jetzt ein dramatisches Bild

Wenig rosig malte der Fachmann die Zukunft. Die IHK hat gerade eine Untersuchung mit dem Titel „Stadt der Zukunft“ in Auftrag gegeben. Zu Ergebnissen könne er Mitte Juni befragt werden, sagte er. Schon jetzt aber zeichnete er ein dramatisches Bild, was die Leerstandentwicklung angeht: 60 bis 70 Prozent der Verkaufsflächen in Städten wie Mettmann sind potentiell gefährdet. „Überlegen Sie, was nur 20 Prozent Leerstand bedeuteten“, deutete er einen Kollaps an.

Leerstand ist nicht nur ein Thema in Mettmann. Natürlich verfügen jetzt erblühende Städte wie Velbert über mehr Manpower in der Wirtschaftsförderung, natürlich ist Düsseldorf eine reichere Stadt, was auch für Ratingen gelte. Trotzdem, sagte Stimler, könnte nach dem Best Practice-Prinzip manches von dort für Mettmann adaptiert werden. Eigentlich sollten Dirk Wittmer, Entwickler und „Aktiv für Ratingen“-Vorsitzender und Nina Bauer, Geschäftsführerin vom Stadtmarketing Ratingen, zur nächsten Sitzung im Herbst eingeladen werden. „Damit müssen Sie jetzt anfangen“, betonte Marcus Stimler. „Handeln Sie jetzt, bevor es zu spät ist.“

Untätig ist die Wirtschaftsförderung nicht, das dokumentierte der von Wirtschaftsförderer Stephan Reichstein vorgelegte Bericht. Alle Vermieter, in denen Ladenlokale leer stehen, sind kontaktiert. Und: Es gibt „zwei konkrete Angebote, die kurz vor der Unterschrift sind, sowie zwei seriöse Interessenten“, sagte Reichstein über Neuzugänge. Ihr Angebot sei „eine gute Mischung, das wird man in Mettmann schätzen“. Insgesamt 400 Quadratmeter wären damit neu vermietet.

Entwickelt wird außerdem die Kampagne „Buy local“, zu der auch ein Rabattsystem geprüft wird. Weil die Inzidenz noch nicht stabil genug ist, können Veranstaltungen nicht unmittelbar geplant werden. Ab Herbst wird mit Normalität gerechnet.

Anstelle Veranstaltungsorte wie das malerische Rund um St. Lambertus in der Oberstadt zu nutzen, könnte das Schwimmbadgelände eine Alternative für Events sein. Um für Touristen attraktiv zu bleiben, werden an der Adresse „Auf dem Pfennig“ zusätzliche Wohnmobil-Plätze geschaffen.

Und Reklame für seine Stadt kann jeder Autofahrer mit einem Kennzeichen-Halter machen. Darauf steht weiß auf schwarz „Mettmann, die Neanderthal-Stadt“ geschrieben. Bislang eine der Kernbotschaften der Stadt.