Mettmann: Tour-Denkmal landet auf Schrottplatz

Irritation bei den Politikern : Von Denkmal bleibt nur Schrott

Rüdiger Heidenreich wollte ein Denkmal für die Tour de France errichten. Doch nach ergebnisloser Standortsuche musste er aufgeben.

Rüdiger Heidenreich, seit vielen Jahren ehrenamtliches Mitglied im Mettmanner Arbeitskreis Neanderthalstadt, war von der Tour de France begeistert. Vor zwei Jahren fuhren die Radrennfahrer durch das Neandertal und die Kreisstadt. Menschenmassen verfolgten vom Straßenrad die Tour, überall gute Stimmung und Begeisterung. „Ich denke, die Tour de France war eine der größten, wenn nicht die größte Veranstaltung, die bisher in Mettmann stattgefunden hat“, sagt Heidenreich.

Im Vorfeld der Tour hatten die Stadt, Firmen, der Bauverein, das Krankenhaus, die Kö-Galerie und Privatpersonen Werbung für die Tour im Stadtgebiet gemacht. Die Idee war toll: Überall standen bunt angemalte (ausrangierte) Fahrräder an der Strecke oder an anderen Stellen im Stadtgebiet.

„Ich wollte diese Räder als nachhaltiges Denkmal für die Tour retten“, sagt Heidenreich. Er fragte bei den Besitzern der Räder an, ob er sie als Denkmal verwenden dürfe und erntete viel Zustimmung für die Idee. „Ich hatte, vor einen Teil der Räder an der ehemaligen Strecke als Gesamtbild zu positionieren“, sagt Heidenreich. Zusätzlich sollten drei Absperrgitter – auch die gab es am Tour-Tag reichlich – das Denkmal vervollständigen.

Bevor Heidenreich einen Standort für das Monument fand, musste er die Räder zwischenlagern. Ein Freund stellte ihm eine Scheune kostenfrei zur Verfügung, Heidenreich transportierte die 46 Fahrräder auf eigene Kosten nach und nach in den Schuppen. Dann ging es auf die Suche nach einem Standort. Zunächst verhandelt er mit der Stadt über eine Fläche an der Ringstraße/Ecke Gottfried-Wetzel-Straße. „Doch es gab Vorbehalte wegen einer möglichen Flächenversiegelung“, sagt Heidenreich. Eine Alternative bot sich auf einem Grundstück des Bauvereins an der Ecke Gottfried-Wetzel-Straße/Ringstraße an, gleich gegenüber. Er fragte an und erst nach sieben Monaten kam eine negative Antwort. Heidenreich gab nicht auf und verhandelte erneut mit der Stadt über die Fläche an der Gottfried-Wetzel-Straße. Um sie nicht zu versiegeln, sollten die Betonplatten aufgeständert werden.

Für das Projekt kam die Entscheidung der Stadt zu spät

„Es sah so aus, als ob ich die Räder auf dem städtischen Grundstück an der Ringstraße platzieren konnte“, sagt Heidenreich. Doch die Vollendung des Projektes wurde immer wieder verschoben. Es hieß, das Tour-Denkmal müsse zunächst in den Ausschüssen beraten werden.

Heidenreichs Freund meldete sich schließlich vor einigen Wochen und teilte mit, dass er die Scheune verpachten könne. Die Räder müssten allerdings an einen anderen Standort gebracht werden. Am Freitag, 21. Juni, sollte die Scheune frei sein. Heidenreich setzte sich mit Lothar Bennemann von der Stadtverwaltung in Verbindung. Bennemann, der auch den Arbeitskreis Neanderthalstadt von städtischer Seite aus betreut, teilte Heidenrich am Mittwoch 19. Juni, mit, dass er die Räder auf dem Baubetriebshof zwischenlagern könne. Als Heidenreich am Freitag, 21. Juni, beim Bauhof anrief, bekam er die Antwort, dass die Räder frühestens am Montag oder besser Dienstag, also 24. oder 25. Juni angeliefert werden könnten. Auch bestehe nur eine Einlagerung für vier Wochen.

„Da mein Freud den Freitag, 21. Juni, definitiv als Stichtag genannt hatte, musste ich das Projekt dann absagen.“ Zumal er, Heidenreich, auch keine Möglichkeit gehabt habe, die Räder selbst zum Bauhof zu transportieren. Die Räder, so Heidenreich, seien zur Verschrottung abtransportiert worden. Als dieses Thema jetzt im Wirtschaftsförderungsausschuss zum ersten Mal öffentlich angesprochen wurde, herrschte unter den Mitgliedern Ratslosigkeit. „Warum werden wir erst jetzt informiert“, fragte Andrea Rottmann (SPD). Auch Hans-Günther Kampen (UBWG) war irritiert und sauer: „So darf die Verwaltung nicht mit Ehrenamtlern umgehen“. Anfang des Jahres, so Bürgermeister Dinkelmann, sei das Projekt noch nicht spruchreif gewesen. Jetzt habe das Projekt eigentlich alle Hürden genommen. Umso bedauerlicher sei, dass Heidenreich jetzt aufgegeben habe. Rüdiger Heidenreich ist enttäuscht. „Ich habe viel Zeit und Energie in das Projekt gesteckt.“ Zum Trost hat er vier Räder und ein Absperrgitter behalten und ein privates Denkmal in seinem Garten installiert.

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