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Mettmann: Konsens in Debatte um Sperrstunde der Gastronomie in der Oberstadt

Mettmann : Diskussion um die Sperrstunde in der Oberstadt ist beendet

Am Ende wurde durch die jetzt durchgeführte Anhörung der Gastronomen ein Konsens gefunden. Die Sperrstunde für die Lokale in der Oberstadt rund um St. Lambertus bleibt wie sie ist. Die Idee einer Erweiterung um eine Stunde bis Mitternacht ist somit vom Tisch.

Für all jene, die zuerst das Ende einer Geschichte wissen möchten: Die Sache ging aus wie das berühmte „Hornberger Schießen“. Auch zukünftig werden die Wirte in der Oberstadt ihre Biergärten um 23 Uhr schließen. Dieser Vorschlag kam aus den eigenen Reihen bei der sogenannten „Anhörung der Gastronomen“, die jetzt initiiert wurde. Damit ist ein Schlusspunkt in der Sperrstunden-Debatte gesetzt.

Die Anwohner werden auch weiter Grund zum Klagen haben und zuweilen nicht wissen, wohin mit ihrem Frust. Und diejenigen unter den Lokalpolitikern, von denen die „Sperrstunde für die Außengastronomie“ aufs Tapet gehoben wurde, werden es jetzt wissen: Es wird kompliziert, wenn man mitten im Bürgermeisterwahlkampf die sprichwörtliche „Büchse der Pandora“ mit unerwartetem Übel öffnet.

Genervte Anwohner äußerten Pläne, aus der Stadt wegzuziehen

Aus deren gutgemeinter Idee, der durch Lockdown und Auflagen der Corona-Pandemie gebeutelten Gastronomie aus der Krise helfen zu wollen, hatte sich in den vergangenen Tagen eine öffentliche Debatte entwickelt. Vom nächtlichen Biergartenlärm genervte Anwohner hatten Umzugspläne geäußert, sollte das aus ihrer Warte nervige Getöse bis Mitternacht – um diese 60 Minuten sollte eventuell die Sperrstunde nach hinten verlegt werden – erlaubt werden. Schließlich würden die bier- und weinseligen Geister schon jetzt an den Wochenenden erst weit nach der Geisterstunde zur Ruhe kommen. Das Thema sowie die kontrovers geführte Debatte berühren die Gemüter, in den Sozialen Netzwerken wurde den genervten Anwohnern Hilfe beim Umzug angeboten. Wer keinen Krach wolle, der solle doch dorthin ziehen, wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen.

Dabei haben eigentlich alle Beteiligten alles richtig gemacht. Die Politiker, weil sie sich des Themas „Sperrstundenverkürzung“ angenommen haben, anstatt es einfach durchzuwinken und abzunicken. Die Wirte, weil sie auch jenseits von Krisenzeiten üblicherweise nicht zu denen gehören, die Geld scheffeln. Und die Anwohner, weil sie den Finger in die Wunde einer Verwaltung gelegt haben, der es offenbar an Personal mangelt, um die Einhaltung selbst aufgestellter Regeln durchzusetzen.

Hochgekocht war die Diskussion in der vergangenen Woche inmitten eines Meinungsaustauschs, zu dem SPD, CDU und deren gemeinsame Bürgermeisterkandidatin Sandra Pietschmann die Anwohner von Markt und Oberstadt eingeladen hatten. Schnell war klar: Dort hatte sich über Jahre hinweg viel Frust angestaut. Es sei zunehmend lauter geworden in der Nachbarschaft zu Kneipen, die zugestandene Öffnungszeiten für ihre Biergärten in die Nacht hinein ausdehnen würden. Dass ständig nach Ordnungsamt und Polizei gerufen wird, zeigt vor allem eines: Bei der Eskalationsstufe scheint man schon ziemlich weit oben angekommen zu sein.

Wirte benötigen jeden Euro, für sie geht es um die Existenz

Und das ausgerechnet in einer Phase, in der jedermann den Mettmanner Wirten jede Hilfe wünschen würde, damit sie die Krise unbeschadet überstehen. „Wenn wir alle Regeln einhalten würden, könnten wir gleich zumachen“, gab Braukeller-Wirt Franco di Martino einen Einblick in das, was Gastronomen und ihrem Publikum derzeit abverlangt wird. Die Theke? Für Gäste geschlossen. Eng beieinander stehen oder sitzen? Geht auch nicht, wegen der Abstandsregeln. Fenster zu? Besser nicht, sonst kommt keiner. Fenster auf? Bloß nicht, dann meckern die Nachbarn. Den Leuten kurz vor Ladenschluss den gerade besonders begehrten Terrassenstuhl unterm Hintern wegziehen? Wem soll man das zumuten? Wohlwissend, dass es den Wirten längst an die Existenz geht und jeder Euro gebraucht wird, damit die Lampen in der Mettmanner Oberstadt nicht tatsächlich und für immer ausgehen.

Dass sie es tatsächlich zwei Nächte lang taten – gerade jetzt, nach dem Gespräch mit den Anwohnern und vor dem, das nun mit den Wirten geführt wurde? Das mag einer mittlerweile behobenen Störung beim Unternehmen Westnetz geschuldet gewesen sein.

Eines machte dieser Stromausfall allerdings überdeutlich, und alle Beteiligten konnten es unmittelbar erleben: Wenn die Lichter in den Kneipen ausgehen, ist die Oberstadt tot. Das will niemand, darüber sind sich alle einig. Und diese Art der Einigkeit zu erzielen, war am Ende der Debatte wesentlich mehr, als man hätte erwarten können.