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Mettmann: Kinobetreiber bangt um Zukunft

Mettmann : „Menschen sind ängstlich und zögerlich“

Nach monatelanger Pause öffnete das Weltspiegel-Theater Anfang Juli. Trotzdem muss die Kinobranche weiter zittern. Kinomann Thomas Rüttgers über Gründe, Sorgen und die Pandemie als Chance für die Branche.

(von) Voller Elan und mit noch mehr Optimismus fieberte Kinobetreiber Thomas Rüttgers der Wiedereröffnung seines Weltspiegel-Theaters entgegen. Das war am 2. Juli. In einer konzertierten Aktion öffneten vor mehr als vier Wochen die meisten bundesdeutschen Lichtspielhäuser nach monatelanger Zwangspause wieder. „Seitdem ist wenig passiert“, konstatiert der 57-Jährige ­ernüchtert.

Denn seine Kinosäle bleiben leer, dass sie vollklimatisiert sind und selbstverständlich nur zur Hälfte besetzt werden, ist dabei egal. „Die Menschen sind ängstlich und zögerlich, die Pandemie verunsichert und dass jetzt die Zahlen wieder steigen, macht die Sache nicht besser“, weiß der Kinobetreiber. Unmittelbar nach der Wiedereröffnung waren die Besucherzahlen „noch befriedigend, jetzt gehen sie deutlich nach unten“, bilanziert er. In konkreten Zahlen ausgedrückt: Waren es in vor-pandemischen Zeiten durchschnittlich 120 Gäste pro Vorstellung, sind es jetzt 40. Und das ist schon eine Spitzenzahl. „Damit erreichen wir etwa 30 Prozent der Zahlen des vergangenen Jahres“, diese „Dammbrüche bedrohen die Existenz“.

Die Kinos stehen in der Krise
mit dem Rücken zur Wand

Er selbst hisse „keine SOS-Flagge“, bisher kann das Weltspiegel-Theater mit Sonderveranstaltungen sowie aus der Vermietung einzelner Säle für private Veranstaltungen noch gut leben. Der Sommer war in Deutschland immer schon die besucherschwächste Kinozeit. Mit dem Rücken zur Wand stehen die Kinos trotzdem.

„Denn wir leben vom Inhalt, also den Filmen“, skizziert er, wo die wahre Ursache für die ausbleibenden Zuschauer liegt. Zweitens: Die Verleiher halten ihre Blockbuster zurück, die erst ein wirklich großes Publikum anziehen würden. „Wir können das schönste Kino haben. Aber ohne richtig gute Filme kommt niemand.“ Das sei kein Alleinstellungsmerkmal in Mettmann, das gilt für ganz Deutschland, ganz Europa – „anstelle interessanter Neuheiten haben wir bloß Mittelware“. Um hier zu sensibilisieren, hat auch Thomas Rüttgers den Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der bereits für viel Furore sorgte, unterzeichnet.

Letztlich stellen sich Rüttgers und Kollegen die Frage, ob die Verleiher die Situation der Kinobetreiber ernst nehmen oder ob sie ihre Distributionsmöglichkeiten ausnutzen. Bedingt durch die Pandemie seien einige große Verleiher dazu übergegangen, ihre Filme nicht mehr im Kino, sondern direkt per Streaming-Dienst zu präsentieren. „Damit würde uns die Grundlage entzogen, würde das Schule machen, wären wir am Ende.“ Wie ernst es um das Kulturgut Kino steht, müsse der Politik klar gemacht werden.

Nun muss aber wieder Geld in die leeren Kinokassen, „Tenet“ ist der sogenannte Test-Film, der Ende des Monats auch in Mettmann anläuft. Von seinem Einspielergebnis hängt einiges ab. Und auch der neue „James Bond“, geplant für November, entscheidet, ob das Kinosterben fortgesetzt wird.