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Mettmann: Joscha Bastigkeit über seinen Job im halb leeren Naturfreibad

Mettmann : Weniger Gäste und neue Aufgaben

Ein halbleeres Freibad zu beaufsichtigen ist merkwürdig. Jetzt ist Joscha Bastigkeit nicht nur Lebensretter, ihm obliegt auch die oberste Aufsicht darüber, dass die Auflagen der Corona-Schutzverordnung peinlich genau eingehalten werden.

Schichtebginn ist für Joscha Bastigkeit morgens um 6 Uhr. „Wir betreuen hier ein Naturfreibad. Da ist immer etwas zu tun“, erzählt er. Dann wird beispielsweise der Beckensauger an den Start gebracht. Zunächst wird, was sich an Blättern, Fasern oder Fusseln im Pool gesammelt hat, in die Ecke gepustet und dann abgesaugt. Die Maßnahme dient nicht bloß der Optik, „Schwimmer müssen jederzeit auf den Grund des Beckens gucken können“. Denn auch dort sind Markierungen aufgebracht – seitdem der Geist von Corona über allem schwebt, sind sie wichtiger denn je.

„An heißen Sommertagen haben wir normalerweise 4000 Gäste“ – aber die Saison 2020 wird Joscha Bastigkeit als Corona-Sommer in Erinnerung bleiben. „Jetzt ist ein bisschen gespenstisch“, sagt der Fachangestellte für Bäderbetriebe über die ungewohnte Stille. Im 20 000 Quadratmeter weiten Areal ist die Besucheranzahl „echt überschaubar“. In normalen Sommern, wenn die Sonne knallt, ist das Becken so voll, dass niemand mehr schwimmen kann. Dann wird das Bad als Abkühlstation genutzt. Jetzt ziehen die Schwimmer unbehelligt ihre Bahnen. Alle sind froh, dass wieder geöffnet ist. „Es ist himmlisch“, freut sich Claudia Berg. Nach ihrer Meinung ist das Naturfreibad ohnehin „das Beste im Kreis Mettmann“, momentan ist sie auch deshalb täglich zu Gast, „weil es so herrlich leer ist“. Die überschaubare Gästeanzahl ist Fluch und Segen zugleich.

Hygiene- und Sicherheitsregeln müssen umgesetzt werden

„Das entspannte an der Situation ist: Wir wissen genau, wer kommt.“ Per Reservierungssystem können Karten gebucht werden, bezahlt wird vor Ort. „Wir sind Lebensretter. Aber nicht nur“, führt Joscha Bastigkeit aus. Zu den gewohnten Aufgaben, Sicherheit zu vermitteln und im Bedarfsfall zur Stelle zu sein – weshalb die Bademeister immer sprungbereit in kurzen Hosen, wahlweise rot oder blau, am Beckenrand stehen –, kommen jetzt die Durchsetzung von Abstands- und Hygieneregeln hinzu. „Rutschenaufgang und Handläufe werden beispielsweise regelmäßig von uns desinfiziert.“ Im Moment kommen fast nur Leute, die schwimmen können und wollen. Fröhlich im Wasser planschende Kids sind wetterbedingt Rarität.

Damit ist manches Risiko minimiert, denn Kinder machen auch mal Quatsch, wie Bademeister Dominik Drostel weiß: Im vergangenen Jahr drückten sich Freunde im Spaß gegenseitig herunter – bis einer eine Ladung Wasser schluckte und wild strampelte. „Da bin ich rasch ins Wasser, um ihn hinauszuziehen“. Vier Mal musste er 2019 eingreifen, alle Fälle mit ­Happy End. So gesehen sind die Bedingungen gerade optimal, weil die Aufsicht am Becken einfacher ist. „Entspannen darfst du als Bademeister trotzdem nie. Es ist wie bei der Feuerwehr“, sagt Bastigkeit über die grundsätzliche Bereitschaft, den Notfall zu erkennen und zu handeln.