Mettmann/Breslauer Straße: Mieter protestieren gegen die Pläne des Bauvereins

Mettmann/Breslauer Straße: Mieter protestieren gegen die Pläne des Bauvereins

Unterschriften gegen Studentenwohnheim wurden im Rathaus eingereicht.

Mettmann. Seit Januar 1966 lebt Barbara Thorun an der Breslauer Straße. Im Haus Nummer 3 des Mettmanner Bauvereins (MBV) hat sie seitdem viel erlebt. "Den Bau der Kirche St. Thomas Morus vor über 40 Jahren", erinnert sich die 71-Jährige. Gerne würde sie mit ihrem Mann in der Wohnung bleiben. Doch in den vergangenen Wochen hat sie öfter darüber nachgedacht, wegzuziehen. "Doch so einfach fällt einem die Entscheidung im Alter nicht mehr."

Dass der Bauverein vor die Häuser Breslauer Straße 3-11 ein viergeschossiges Studentenwohnheim mit 62Wohnungen bauen will, ärgert sie maßlos. "Der Bauverein lässt seine Mieter im Schatten wohnen", sagt sie. Auf einer Versammlung hatten die Bewohner ihren Unmut über die Pläne des Bauvereins vorgetragen. Sie möchten auch künftig lieber aus ihren Wohnzimmerfenster ins Grüne als auf eine Hausfront schauen. "Dann wird sich doch niemand mehr auf den Balkon setzen", meint Barbara Thorun.

Sie hat von fast allen Mietern der Häuser 3 bis 11 Unterschriften gesammelt, die gegen das Bauvorhaben ihres Vermieters sind. "Die Aussage im letzten Planungsausschuss, dass sich die Mieter beruhigt hätten, stimmt einfach nicht", sagt Barbara Thorun. Im Rathaus hat sie die Unterschriftenliste mit einer Protestnote abgegeben. "Auch der Kindergarten Thomas Morus und das Johanneshaus unterstützen uns", sagt sie.

Am 1. März hatten Bürgermeister Bernd Günther und Joachim Sander (CDU), Vorsitzender des Planungsausschusses, eine Dringlichkeitsentscheidung unterzeichnet, die es dem Bauverein ermöglichen soll, noch in diesem Jahr mit dem Bau des Studentenwohnheims zu beginnen.

Im Bebauungsplan ist das Areal an der Breslauer Straße noch als "unüberbaubare Grundstücksfläche" ausgewiesen. Danach wäre das Bauvorhaben nicht genehmigungsfähig. Deshalb muss der Bebauungsplan geändert werden. "Inzwischen sind schon alle Geräte des Spielplatzes, der dort immer war, bis auf den Sandkasten abgebaut worden", sagt Barbara Thorun.

Die Einwände der Bürger gegen den Bau des Studentenwohnheims, die im Rahmen der Offenlegung der Pläne im Rathaus eingegangen sind, wird die Verwaltung nun genau prüfen und bewerten. Im September oder Oktober muss schließlich die Politik entscheiden, ob dort gebaut wird oder nicht.

Barbara Thorun hat nur wenig Hoffnung, dass der Protest der Mieter noch etwas bewirken wird. Deshalb macht sie sich inzwischen Sorgen über das zu erwartende erhöhte Verkehrsaufkommen, wenn das Wohnheim bezogen ist. Schon jetzt werde der Bürgersteig häufig als Rechtsabbiegespur genutzt, wenn sich auf der Breslauer Straße die Autos stauen, weiß Barbara Thorun. "Zudem wissen die Anwohner heute schon nicht, wo sie ihr Autos parken sollen."

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