Mettmann: Baggerfahrer mit Feingefühl

Mettmann: Baggerfahrer mit Feingefühl

Herbert Orzechowski (78) baute in filigraner Kleinarbeit den Eifelturm nach. Das Werken lernte er bereits als Kind im Krieg.

Mettmann. Es gab Momente, in denen Herbert Orzechowski (78) beinahe die Geduld verlassen hat. Zum Beispiel, als ein Bekannter mit dem Motorrad in die Garage fuhr, während der Mettmanner dort an seinem Eiffelturm arbeitete und das kostbare Stück dabei in die Brüche ging. "Da hätte ich das alles an die Wand werfen können", erinnert sich der Hobbyhandwerker an den Tag, der für sein ehrgeiziges Projekt, den Pariser Eiffelturm nachzubauen, beinahe der letzte gewesen wäre.

Aber er behielt die Nerven und setzte die Einzelteile wieder zusammen. Mehr als 6000 Löcher hat er gebohrt, um mit filigraner Laubsägetechnik sein 1,20 Meter großes Meisterstück zu vollenden. Ein ganzes Jahr lang ist Orzechowski, der früher als Baggerfahrer bei Rheinkalk gearbeitet hat, immer wieder im Keller verschwunden, um zu sägen und zu kleben.

Zur Vorbereitung reiste der Mettmanner sogar nach Paris, um dort die Details der Turmspitze abzulichten. Auf Millimeterpapier hat Herbert Orzechowski seinen Turm zusammengesetzt, bevor er die erste Sperrholzplatte mit der Laubsäge bearbeiten konnte. Mehr als 600 Stunden hat er gewerkelt, dabei sind hunderte Streben kaputtgegangen. "Ich hatte Geduld", sagt er im Rückblick. Man käme nicht auf die Idee, an seinen Worten zu zweifeln. Auf den Nachbau des Aufzuges hat er übrigens verzichtet, damit das Eiffelturm-Projekt überschaubar bleibt. "Sonst wäre der Turm drei Meter hoch geworden, dass hätte ich nicht mehr geschafft", gibt er offen zu.

Mittlerweile hat der Hobbybastler einen schützenden Glaskasten um sein Werkstück gebaut, um es vor unvorsichtigen Berührungen zu schützen. Denn die leidige Erfahrung, dass filigrane Arbeiten schnell zu Bruch gehen können, hat er in der Vergangenheit schon oft gemacht. So stürzte der Nachbau der Hafenbrücke von Sydney vom Kleiderschrank. Auch die Sühnenkirche von St. Petersburg hatte zwischenzeitlich Schaden genommen und musste saniert werden.

Zur Säge gegriffen hat Orzechowski schon in Kinderzeiten, als er während des Krieges zur Kinderlandverschickung fuhr und dort allerlei Handwerkliches lernen durfte. Später waren es dann die eigenen Kinder, die den Vater animierten, doch mal ein paar Comicfiguren auszusägen. Ehefrau Anne hat sich nach mehr als 50 Jahren an das ausgefallene Hobby ihres Mannes gewöhnt. "Man braucht nur viel Platz. Und er kann sich nicht gut von Dingen trennen", sagt sie schmunzelnd.

Mehr von Westdeutsche Zeitung