Mettmann: Als Frau bei der Feuerwehr

Mettmann : Eine Feuerwehrfrau mit Herzblut

Dass Annkathrin Großmann einmal Brandmeisterin wird, hätte sie als Kind nicht gedacht. Doch für die 24-Jährige ist es ein Traumberuf.

Zehn Uhr morgens, Feuerwehrwache in Mettmann: Annkathrin Großmanns Haare sind streng zurück gekämmt, sie trägt ein blaues Polohemd, eine Arbeitshose und Sicherheitsschuhe. Im Falle eines Alarms muss sie nur ihre Schutzkleidung überstreifen. Auf dem Flur der Feuerwehrwache, ein altmodisches Gebäude aus den 70er Jahren, trifft sie auf ihre Kollegen. Sie unterhalten sich kurz, Annkathrin lächelt. Der Umgang ist locker und freundlich. Man merkt, dass sie sich hier wohlfühlt.

Seit zwei Wochen arbeitet die 24-Jährige als Brandmeisterin bei der Mettmanner Feuerwehr. Dass sie einmal Brandmeisterin wird, hätte sie als Kind nicht gedacht. Obwohl die Feuerwehr in der Familie Großmann quasi Tradition hat – ihr Vater leitet die Feuerwehr in Wülfrath, sie selbst ist mit zwölf Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten – hat sie über Umwege in den Beruf gefunden. Nach ihrem Realschulabschluss entschied sie sich zunächst für eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau und merkte schnell, dass sie nicht im Büro arbeiten möchte: „Das war mir viel zu eintönig und langweilig“, erzählt sie. Die Feuerwehr habe sie zwar immer im Hinterkopf behalten, jedoch sei die berufliche Ausrichtung immer ein unerreichbares Ziel gewesen.

Erst als ihr Freund sich letztes Jahr bei der Feuerwehr bewarb, hat sie den Entschluss gefasst, denselben Weg einzuschlagen. Den Einstellungstest, auf den sie sich ein halbes Jahr vorbereitet hatte und in dem sie ihre körperliche und geistige Eignung unter Beweis stellen musste, bestand sie auf Anhieb. Auch im anschließenden Vorstellungsgespräch konnte sie überzeugen.

Dass alles so gut geklappt hat, gab ihr die nötige Bestätigung. 18 Monate später hat Großmann ihre Ausbildung mit einem „gut“ abgeschlossen: „Ich bin stolz auf mich und weiß, dass ich mich richtig entschieden habe“, sagt sie. Sie arbeitet in einer Männerdomäne: In ihrem Ausbildungsjahrgang war sie die einzige Frau, auch jetzt ist sie als eine von drei Brandmeisterinnen in Mettmann in der Unterzahl. Wie ist das so, allein unter Männern? Dass sie als Frau für den Beruf nicht geeignet sei, wurde ihr nie suggeriert: „Ich werde hier genau so behandelt wie jeder andere auch. Und ich kann genau so gut zupacken, wie meine männlichen Kollegen“, erzählt sie. Natürlich sei der Job körperlich anstrengend, vor allem das Gewicht der Ausrüstung. Mit viel Sport sei das aber kein Problem.

Die geschlechterspezifischen Unterschiede würden nicht oft hervorgehoben: „Wir haben alle unsere Stärken und Schwächen und jeder unterstützt sich da, wo es nötig ist“, sagt sie. Vor einiger Zeit habe sie zum Beispiel ein Verkehrsunfall sehr mitgenommen. Da habe vor allem die Unterstützung ihrer Kollegen geholfen, mit dem Geschehenen umzugehen: „Wir haben uns sehr lange unterhalten, danach ging es mir viel besser“, erzählt sie. Generell arbeite sie lieber mit Männern als mit Frauen: „Männer sind direkter, da fällt mir die Zusammenarbeit leichter“, sagt sie.

Mit ihren Kollegen verbringt sie viel Zeit, ein gutes Verhältnis ist wichtig. Ein 24-Stunden-Dienst beginnt morgens um 7.30 Uhr, bis zum Nachmittag wird das gemacht, was tagtäglich ansteht. Danach ist Sport im hauseigenen Fitnessraum angesagt. Abends kochen und essen sie gemeinsam, anschließend schauen sie gemeinsam fern oder unterhalten sich. Nachts wird nicht geschlafen, sondern geruht – immer auf Abruf, versteht sich. Für die drei Frauen gibt es in der Mettmanner Feuerwache einen eigenen Schlafsaal.

Die 48-Stunden-Woche mache ihr nichts aus: „Das hätte ich mir als Versicherungskauffrau nicht vorstellen können. Aber hier sind die Tage so abwechslungsreich, dass ich es nicht mal merke“, sagt die 24-jährige. Das Dynamische und Vielfältige sei das, was ihr an dem Beruf am meisten gefalle: „Ich weiß nie, was mich erwartet. Und ich kann jedem, der nur ein Fünkchen Interesse hat, raten, zur Feuerwehr zu gehen“, sagt sie.

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