Mettman: Trotz Rente wenig Ruhe

Mettman: Trotz Rente wenig Ruhe

Kirche: 25 Jahre war Erika Müller Pfarrerin in Mettmann. Nun ist sie ein seltener Gast in der alten Heimat.

Mettmann. Für Erika Müller war der Besuch in Mettmann quasi eine Stippvisite. Gemeinsam mit ihrem Mann war sie auf der Durchreise zum Kurzurlaub im Harz. Aber wer in seiner früheren Heimatgemeinde so bekannt ist wie die 68-Jährige, dem eilt der Ruf schon weit voraus. Und so ließen es sich viele Mettmanner nicht nehmen, ihren Gottesdienst am vergangenen Sonntag in der evangelischen Kirche an der Freiheitsstraße zu besuchen.

Allzu oft treibt es die ehemalige Pfarrerin nicht mehr in ihre alte Heimat. "Es ist ein gutes Gefühl, dass ich hier nach meiner Pensionierung alles in gute Hände übergeben konnte", sagt sie mit Blick auf Siegrid Geiger, ihre Nachfolgerin im Amt. Als Erika Müller vor mittlerweile sechs Jahren nach Hamm an der Sieg zog, war in mehr als drei Jahrzehnten im Pfarramt so einiges zusammengekommen, das übergeben werden wollte. Vor allem die Jugendarbeit in der Gemeinde lag ihr immer besonders am Herzen. "Das war doch dein zweiter Beruf", erinnert sich ihr Ehemann Manfred Meyer, der sie als ehemaliger Rektor des Konrad-Heresbach-Gymnasiums schon von vielen gemeinsam veranstalteten Jugendfreizeiten kannte.

Geheiratet haben die beiden allerdings erst vor fünf Jahren. "Ich war bis dahin unverheiratet, und mein Mann war einige Jahre zuvor Witwer geworden. Zur Zeit meiner Amtseinführung musste man sich als Frau entscheiden: entweder Pfarrstelle oder Ehe", spricht Erika Müller über Privates, dem sie in ihrem Leben allerdings erst jetzt einen größeren Platz einräumt.

Während ihrer Amtszeit drehte sich alles nur um die Gemeinde, während ihre Mutter ihr viele Jahre über den Rücken freihielt. "Sie war eine Pfarrfrau alten Stils. Sie half den Schülern, die nachmittags ins Pfarrhaus kamen, bei den Hausaufgaben, kümmerte sich um die Verwaltung von Terminen und übernahm den Telefondienst", blickt Pastorin Müller auf vergangene Zeiten zurück.

Noch heute übernimmt sie gern die Gottesdienstvertretung in den umliegenden Gemeinden ihres Wohnortes. "Ich bin schon für das nächste Wochenende verplant. Unsere privaten Termine müssen wir drum herum organisieren." Wirklich zur Ruhe kommen werde sie wohl nie, schmunzelt sie über sich selbst. Noch heute ist sie so aktiv, wie die meisten Gemeindemitglieder ihre ehemalige Pfarrerin in Erinnerung haben.

Erika Müller wird am 23. Oktober 1938 in Tübingen geboren. Später studiert sie evangelische Theologie in Bonn und Marburg. Nach zwei Jahren in der Bergischen Diakonie Aprath beginnt sie 1967 ihr Vikariat in Mettmann und übernimmt ein Jahr darauf bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2001 die Pfarrstelle.