Markt im Ringcenter schließt

Wer Nachfolger werden soll, steht noch nicht fest. Supermarkt-Kundenmüssen künftig weitere Wege in Kauf nehmen.

Mettmann. Für die Bewohner in Mettmann-West, rund um den Düsselring, der Düsseldorfer Straße und in der Lönssiedlung wird es eine große Umstellung geben: Ende September schließt der Rewe-Markt im Ringcenter am Karpendeller Weg. Frank Bochskandl (48), der den Markt am Karpendeller Weg seit 2009 führt, hat die Reißleine gezogen. „Die Pacht- und Nebenkosten sind in den vergangenen Jahren immer mehr gestiegen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich Gedanken um die Wirtschaftlichkeit und den Ertrag machen muss“, sagt er. Für ihn ist es nicht leicht, den Markt zu schließen. „Es ist mein Baby“, sagt er.

Immerhin ist er seit 30 Jahren als Lebensmittelkaufmann in Mettmann tätig; zunächst als Angestellter bei Rewe-Runkel, dann folgte 2009 der Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich hatte die Option, den Pachtvertrag zu verlängern“, sagt er. Doch er überlegte es sich anders. Rewe hatte zuvor die Verhandlungen mit dem Eigentümer geführt, der in Frankfurt sitzt. Es gab keine Einigung. Die 18 Mitarbeiter, so Bochskandl, hätten bereits Alternativen gefunden. Er selbst werde als Angestellter in der Lebensmittelbranche arbeiten.

Wiebke Meins von der Columbus-Apotheke im Ringcenter sagte gestern, dass der Eigentümer der Immobilie sich bemühe, einen Nachfolger in Form eines Lebensmittelmarktes zu finden. Auch Rewe habe noch eine Option.

Axel Ellsiepen, Vorsitzender von Mettmann-Impulse

Dies widerspricht allerdings der Aussage von Frank Bochskandl. Im Wirtschaftsförderungsausschuss spielte am Mittwochabend das Thema „Ringcenter“ eine zentrale Rolle. Wirtschaftsförderer Wolfgang Karp berichtete, er habe mit Frank Bochskandl und dem Eigentümer der Immobilie Gespräche geführt und werde Anfang Mai nochmals mit ihm reden. Aber bislang sei es bei der Auflösung des Mietvertrages geblieben.

Es habe Überlegungen gegeben, den Rewe-Markt nach hinten in Richtung Parkplatz zu vergrößern. Doch dieser Plan sei vom Tisch, weil der Eigentümer die hohen Investitionskosten scheue. Nach dem Einzelhandelskonzept der Stadt Mettmann (Neuauflage 2017) liege der Rewe-Markt mit seinen 800 Quadratmetern Verkaufsfläche unterhalb der gängigen Marktauftritte moderner Lebensmittelvollsortimenter, die mindestens eine Verkaufsfläche von 1200 Quadratmeter aufweisen müssen.

Die Wirtschaftsförderung, so Karp, wolle sich dennoch bemühen, gemeinsam mit dem Eigentümer einen Nahversorger-Lebensmittelmarkt als Nachfolger zu etablieren. Axel Ellsiepen, Vorsitzender von Mettmann-Impulse, hat Zweifel: „Es wird kein Edeka, kein Lidl und kein Aldi einziehen“, sagte er im Wirtschaftsförderungsausschuss.

Axel Heinrichs, Friseurmeister

Für die Kunden hat die Aufgabe von Rewe zur Folge, dass sie zu Edeka an der Berliner Straße oder zum Penny-Markt im Laubacher Feld müssen. Gerade für Ältere ein schwerer Gang. „Alle übrigen Mieter haben Angst vor der neuen Situation“, sagte Wolfgang Karp. Im Gespräch erklärte allerdings Claudia Lauer vom gleichnamigen Juweliergeschäft, dass sie auf jeden Fall im Ringcenter bleibe. Das gilt auch für Friseurmeister Axel Heinrichs: „Ich habe einen tollen Kundenstamm, der unabhängig von Rewe zu mir kommt. Es gibt auch genügend freie Parkplätze.“

Allerdings werde die Kosmetikerin, die in einem kleinen Ladenlokal arbeitet, schließen. Blumenhändler Erwin Mensch und Günther Hohbeck vom Schreibwarengeschäft im Gebäude nebenan sehen die Situation gelassen. „Der Standort ist prima“, sind sich die beiden einig.