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Lieferdienste der Einzelhändler in Mettmann kommen bei Kunden gut an

Mettmann : Lieferdienste bringen erste Erfolge

Die Händler gehen aktuell neue Wege, um ihre Waren an den Mann zu bringen.

Die Lieferdienste, deren Zahl in Mettmann stetig wächst, ziehen gut eine Woche nach Beginn der vom Land verhängten Kontaktsperre und der damit einher gehenden Schließung vieler Geschäfte und Gastronomiebetriebe eine durchwachsene Bilanz. Die so erzielten Umsätze schaffen es nicht, die durch die Corona-Krise wegbrechenden Einnahmen zu kompensieren. Daher stellen sich die meisten Geschäftsleute in Mettmann auf eine längere Durststrecke ein und leben, so vorhanden, von ihren Reserven. Das zeigt jetzt eine Umfrage unter den Händlern, die der Verein „Mettmann-Impulse“ auf seiner Homepage aufführt – eine kostenlose Initiative, die bei den Kaufleuten auf positive Resonanz stößt.

„Ich habe bisher mit Online-Handel oder Lieferservice nichts zu tun gehabt“, sagt Cora Fuchs, Inhaberin des Geschäftes „Miss Fox“, in dem sie Tee und Dekoartikel anbietet. Allein am Freitag hat sie sechs Lieferungen verbucht, hinzu kamen vier Bestellungen, deren Ware sich die Kunden abholten. „Was ich ganz besonders berührend finde: Ich habe schon Durchhalte- und Mutmach-Überraschungsgeschenke zustellen dürfen.“

Gabriele Knell, Geschäftsführerin und gemeinsam mit ihrem Mann Christoph Inhaberin des Elektro- und Küchencenters Hans van der Grinten, hat auch schon Großgeräte verkauft. Und wenn die der Kunde vorher sehen will, dann packt Christoph Knell die Kühl-Gefrierkombination auch schon mal auf die Sackkarre und fährt sie bis ans Schaufenster, damit der Kunde gucken kann.

Axel Ellsiepen, Inhaber des Schreibwaren- und Bürofachhandels Bovensiepen, hatte zunächst noch eine „Abholstation“ geöffnet. Doch das Mettmanner Ordnungsamt nahm daran Anstoß: „Es argumentierte, dass sie wirkt, als würden wir weiterhin frei verkaufen.“ Also bleibt die Ladentüre jetzt zu, er liefert oder lässt nach vorheriger Terminabsprache abholen. Seine gewohnten Umsätze erreicht er nicht: „Der finanzielle Schaden ist schon enorm.“

Andreas Kortenhaus erzählt, dass sein Juweliergeschäft auf einen „Ein-Mann-Betrieb“ geschrumpft sei. Er macht nur noch kleine Reparaturen in der Werkstatt. „Bisher haben wir noch keinen einzigen Gutschein verkauft“, beklagt er. Dabei sei die Zustellung via Post einfach möglich.

Rolf Rainer, Schuhmachermeister an der Johannes-Flintrop-Straße, hat eine Klappe, in die Kunden rund um die Uhr ihre Schuhe einwerfen können. Die Schuhe lasse er zunächst zwei Tage lang stehen, um ein Infektionsrisiko auszuschließen. Auch er muss Umsatzeinbußen hinnehmen: „Wir haben derzeit 40 Prozent vom sonst üblichen Arbeitsaufwand“, schätzt er.

Von einer „überwältigenden Resonanz“ ihres Lieferdienstes berichtet Michaela Chironi vom Blumenhaus Speck. Manchmal brechen ihre Kunden dann auch in Tränen aus – wenn zum Beispiel Angehörige älteren Menschen einen Blumenstrauß als Mutmach-Geschenk liefern lassen. Manchmal, wenn sie im Laden ist, dann klopfen die Kunden an ihr Fenster und recken den Daumen hoch. „So viel positive Resonanz habe noch nie in meinem Berufsleben erlebt.“