Nahverkehr im Kreis Mettmann Streik für bessere Arbeitsbedingungen

Kreis Mettmann · Im Rheinbahn-Betriebshof ging am Donnerstag nichts mehr. Die rund 180 Beschäftigten streikten.

 Zwei Busse blockierten die Ein- und Ausfahrt: Streik am Rheinbahn Betriebshof in Mettmann.

Zwei Busse blockierten die Ein- und Ausfahrt: Streik am Rheinbahn Betriebshof in Mettmann.

Foto: Dirk Neubauer

Am Donnerstagmorgen um vier Uhr legten die ersten Kollegen am Rheinbahn-Betriebshof an der Seibelstraße den Schalter um. Zwei Busse blockierten die Ein- und Ausfahrt. Davor machten Flaggen und Transparente deutlich: Heute rollen hier keine Fahrzeuge vom Hof. Die Mehrzahl der rund 180 Beschäftigten in Mettmann trat in einen eintägigen  Warnstreik. „Die Kolleginnen und Kollegen kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen“, sagt Heiko Goebel, Vorsitzender der Nachverkehrsgewerkschaft, Nah VG. Am Freitag treffen sich die Unterhändler der Gewerkschaften Verdi und Nah VG mit den Arbeitgebern in Bochum. Bis Mitte März sollen die Themen eigentlich per Einigung vom Tisch sein. Falls nicht – werde man in einen mehrtägigen Streik eintreten. Noch wird aber miteinander gesprochen, sagt Goebel. Am Verhandlungstisch gehe es weniger um das Geld. Da seien im vergangenen Jahr Verbesserungen erreicht worden. In der Einstieggehaltsklasse für neue Busfahrer steige das Entgelt zum 1. März von bislang 2646 auf dann 3002 Euro brutto; immerhin ein Plus von 350 Euro.

Aktuell geht es den Beschäftigten im Nahverkehr um eine Vielzahl von Abläufen, die sie als ungerecht empfinden. Als erstes Beispiel nennt Goebel die Vorbereitungszeit, bis ein Fahrer mit einem Bus durch das Eingangstor an der Seibelstraße fahren kann. Mindestens eine Viertelstunde pro Tag gehe dabei drauf, die Fahrzeugunterlagen zu holen, das Fahrzeug zu kontrollieren, Kasse und Anzeigen hochzufahren. „Bezahlt werden wir erst, wenn wir mit dem Fahrzeug durch das Tor fahren. Das soll sich ändern.“ Pro Tag gehe es dabei vielleicht nur um wenige Minuten, aber pro Woche und Monate summiere sich das eben auf.

Rückfahrt zum Betriebshof
soll vergütet werden

Dasselbe gelte für die Zeit nach Schichtende. Die Ablösung erfolge manchmal auf der Strecke – zum Beispiel am Hochdahler Markt. Die 45-minütige Rückfahrt bis zum Betriebshof Mettmann werde den Fahrerinnen und Fahrern nicht vergütet, sagt Goebel. Das müsse sich ändern. Die über Tag angesammelte Verspätung führe zudem dazu, dass die Fahrer mit den Bussen verspätet nach Mettmann zurückkommen. Auch dies werde bislang erst ab der 16. Minute Verspätung entlohnt. Die Verspätung müsse künftig ab der ersten Minute vergolten werden, sagt Goebel.

Daneben fordern die Gewerkschaften eine Wechselschicht-Zulage – so wie sie in anderen Branchen längst üblich sei. Auch sollen Überstunden nicht in der niedrigsten Gehaltsklasse vergütet werden, sondern in derjenigen Klasse, in der ein Fahrer eingruppiert sei. Auch hier nennt Heiko Goebel eine Begründung: Zwar fahre man in der Regel pro Woche in derselben Schicht. Doch je nach Linie und Fahrplan könne in der Frühschicht der Arbeitsbeginn manchmal um 4 Uhr, am nächsten Tag aber erst um 5.43 Uhr sein. Beim nächsten Punkt gehe es um die Sicherheit der Fahrgäste. Zwischen ihren Diensten sollen die Fahrer mindestens eine Ruhezeit von zehn Stunden haben. In dieser Zeit seien aber oft lange Heimfahrenten und Anfahrtswege zurücklegen. De facto gehe das zulasten der Schlafzeiten und des Familienlebens – weshalb die Gewerkschaften eine Mindestruhezeit von zwölf Stunden fordern.

Letzter Punkt: Die geteilten Dienste sind den Gewerkschaften ein Dorn im Auge. Manchmal werde ein Fahrer morgens für drei bis vier Stunden eingesetzt und in der abendlichen Rushhour noch einmal. Hier soll ein Aufschlag dafür sorgen, dass solche geteilten Dienste unattraktiv werden.

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