Immer weniger Wohnungen im Kreis werden neu gebaut

Kreis Mettmann : Im Kreis werden weniger Wohnungen gebaut

Im Kreis Mettmann wurden laut der IG BAU 2018 insgesamt 929 Wohnungen errichtet.

Nicht nur in Großstädten wird bezahlbarer Wohnraum seit Jahren knapp. Das veranlasste die Bundesregierung im vergangenen Jahr zum Wohngipfel, bei dem im September das Eckpunktepapier zur Wohnraumoffensive verabschiedet wurde. Beschlossen wurden neben der Stärkung von Mieterrechten und der Vereinfachung von Bauplanung und –genehmigung vor allem finanzielle Rahmenbedingungen wie die Förderung des sozialen Wohnungsbaus, steuerliche Anreize, die Einführung des Baukindergeldes oder die Erhöhung des Wohngeldes.

Der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gehen diese Vorhaben nicht weit genug. „Die Baubranche muss die Gewissheit haben, dass alles, worin sie heute investiert, auch in fünf und zehn Jahren noch gebraucht wird“, heißt es in einer Information zur Wohnungsbaubilanz des IG BAU Bezirksverbands Düsseldorf.

Diese Signale aber fehlten in der aktuellen Wohnungsbaupolitik. Das zeitlich begrenzte Baukindergeld etwa schaffe keine nachhaltigen Impulse. Statt in den Neubau fließe die Förderung oft in den Kauf alter Gebäude. Laut LBS ist ein Wohngebäude in Mettmann im Durchschnitt rund 49 Jahre alt – es stammt rechnerisch aus dem Jahr 1970. Im gesamten Kreis Mettmann liegt der Schnitt bei 48 Jahren.

Die Umsetzung der Wohnungsbaupolitik stockt

„Es ist fatal, die Wohnungsbaupolitik von Wahl zu Wahl zu planen, statt verlässliche und wirksame Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagt Doris Jetten, Bezirksvorsitzende der IG BAU. „Immerhin ist der Wohnungsbau bei wachsender Bevölkerung unverzichtbar und ein wichtiger Motor der Binnenkonjunktur – auch im Kreis Mettmann.“ Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind im vergangenen Jahr bundesweit rund 285 000 Wohnungen gebaut worden. Damit hinke die Große Koalition ihrem Ziel, pro Jahr 375 000 neue Wohnungen zu schaffen, deutlich hinterher. Auch im Kreis Mettmann werden diese Ziele nicht erreicht. In 2018 sank die Zahl der neu gebauten Wohnungen nach Angaben der IG BAU unter Berufung auf das Statistische Bundesamt um zwölf Prozent auf 929. Der Anteil von Ein- und Zweifamilienhäusern lag bei 264. „Hierbei investierten Bauherren 119 Millionen Euro.“

Dementsprechend sieht Jetten noch deutlich Luft nach oben. „Entscheidend ist, was gebaut wird: Die Wohnungen müssen zum Portemonnaie der Menschen passen. Es kommt darauf an, vor allem bezahlbare und Sozialwohnungen zu bauen.“ Dazu empfiehlt sie, die steuerliche Abschreibung im Mietwohnungsbau dauerhaft von derzeit zwei auf drei Prozent zu erhöhen.

Darüber hinaus brauche der soziale Wohnungsbau eine Förderung von mindestens sechs Milliarden Euro pro Jahr durch Bund und Länder. In diesem Jahr unterstütze der Bund den Bau von Sozialmietwohnungen mit lediglich 1,5 Milliarden Euro, ab 2020 würden die Mittel sogar auf eine Milliarde abgesenkt. Zudem fielen pro Jahr rund 80 000 Sozialwohnungen aus der befristeten Mietpreisbindung heraus – deutlich mehr als nachgebaut wurde.

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