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Hochdahler Straße in Haan: CDU überrascht die Investoren

Hochdahler Straße in Haan: CDU überrascht die Investoren

Im Haupt- und Finanzausschuss meldete die stärkste Fraktion im Stadtrat unerwartet Beratungsbedarf an. Die Investoren hoffen auf ein Umdenken.

Haan. "Wir haben keinen PlanB", sagt Jürgen Weiss. Dem 69-Jährigen, seinem Sohn Holger sowie den Eheleuten Barbara und Michael Wachsmann gehören die 27.000 Quadratmeter zwischen Flur- und östlicher Hochdahler Straße, die jüngst Thema im Planungs- und Verkehrsausschuss waren.

Genauer gesagt sollte die Politik über den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan abstimmen, der für dieses Gelände erstellt wurde.

Überraschend hatte Technischer Dezernent Matthias Buckesfeld in der vergangenen Woche städtebauliche Bedenken angemeldet und den Bebauungsplan als "suboptimal" und "grenzwertig" beschrieben. Rechtlich sei der Bebauungsplan nicht zu beanstanden.

"Mich bedrückt, dass wir die Nahtstelle zwischen Wohnen und Gewerbe nicht verbessern, sondern nur um 100 Meter verlagern."

Auch die CDU nahm unerwartet Abstand von den Plänen, dort nicht nur Gewerbebetriebe, sondern auch Wohnbebauung zuzulassen. Sie befürchtet Konflikte zwischen den Menschen, die dort wohnen und denen, die dort arbeiten.

Im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag ruderte die CDU-Fraktion zurück, meldete Beratungsbedarf bis zur nächsten Sitzung des Planungs- und Verkehrsausschuss am 2. Dezember an.

"Natürlich stehen wir zur Verfügung, wenn sie noch Informationen brauchen", sicherte Holger Weiss den Politikern zu. Auch wenn das für ihn und seine Mitstreiter weitere vier Wochen Ungewissheit bedeutet.

Vielleicht auch ein Grund, warum sich das Quartett jetzt zum ersten Mal öffentlich zu Wort meldet. "Das ist die fünfte Verschiebung des Themas", sagt Holger Weiss. Seit dem Frühjahr soll es politisch beraten werden.

Der 32-Jährige und sein Vater sowie die Eheleute Wachsmann haben die W+W GmbH & Co. KG gegründet, die im vergangenen Jahr das ehemalige Gelände der Walz- und Röhrenwerke gekauft hat. "Ziel war und ist, das alte Firmengelände zu entwickeln und als Haaner Gewerbestandort attraktiver zu machen", sagen die Investoren.

Der Familie Wachsmann, die mit ihren Firmen Wachsmann Elektrotechnik und Licht Projekt GmbH seit 25 Jahren auf dem Gelände ansässig ist und heute fast 50 Mitarbeiter sowie zehn Auszubildende beschäftigt, will mit dem Erwerb der Fläche gleichzeitig den Standort sichern.

Um das zu finanzieren, soll auf gut einem Viertel der Fläche (7000 Quadratmeter) Wohnbebauung zugelassen werden. Barbara Wachsmann: "Wir hätten Haan ungern verlassen."

Und natürlich werden sie auch dann in Haan bleiben, wenn die politische Mehrheit bei ihrer Ablehnung des Satzungsbeschlusses bleibt. "Aber dann wird auch alles andere so bleiben müssen, wie es ist", sagt die 52-Jährige.

"Wir planen seit zwei bis drei Jahren auf den Bebauungsplan hin und versuchen alle Wege zu ebnen", sagen Wachsmann und Weiss.

Auch für die Idee des Technischen Dezernent, den Hagebaumarkt an der Hochdahler Straße anzusiedeln, habe man sich Zeit genommen, Für und Wider gewissenhaft abgewägt.

Darüber hinaus haben sie rund 60.000 Euro für Gutachten und Planungen sowie weitere 130.000 in das Kanalnetz investiert. Dass die geplante Wohnbebauung nicht die glücklichste Lösung für den Bereich ist, geben sie offen zu.

Der anvisierte Bebauungsplan hätte künftigen Interessenten Rechtssicherheit gebracht, würde die Lärmbelastung sowohl am Tag als auch in der Nacht sowie die Geschosshöhe möglicher neuer Gebäude festlegen.

"Wir haben mit der Verwaltung sowohl den städtebaulichen als auch den Erschließungsvertrag ausgearbeitet", sagt Holger Weiss. "Wir haben von der Politik zustimmende Signale bekommen, und auch die Verwaltung hat uns angezeigt, dass die Sache rund sei."

Natürlich habe es weder verbindliche Zusagen noch schriftliche von der Verwaltung oder der Politik gegeben.

Barbara Wachsmann: "Aber es hat uns auch niemand gesagt oder auch nur Andeutungen gemacht, dass wir mit unseren Investitionen warten sollen.

Wir sind so weit gegangen, wie wir gehen konnten." Sie freut sich über das Angebot der CDU. "Das lässt uns hoffen, dass wir noch einmal ins Gespräch kommen."

Die Investoren reagieren unerwartet zurückhaltend und besonnen. Sie kommentieren das Abstimmungsverhalten der CDU und die vom Technischen Dezernenten geäußerten Bedenken mit "überraschend". Ein "wir sind enttäuscht" ist ihnen nur auf Nachfrage zu entlocken.

Dabei hätten die Eheleute Wachsmann sowie Holger und Jürgen Weiss allen Grund, sowohl an der Verwaltung als auch der CDU kein gutes Haar zu lassen. Seit drei Jahren sind sie im Gespräch mit der Stadtverwaltung, haben der Politik ihre Pläne vorgestellt, ihnen das Gelände gezeigt.

Dass die Mischung von Gewerbe und Wohnbebauung Konflikte provozieren kann, ist allen Beteiligten seit Monaten klar. Dass die Investoren jetzt damit rechnen müssen, alle ihre Pläne auf Eis zu legen, war ihnen nicht klar. Kein Signal, keine Andeutung, kein Hinweis - weder die Stadtverwaltung noch die CDU haben sie wissen lassen, dass ihnen inzwischen städtebauliche Bedenken gekommen sind.

Das wirft kein gutes Licht auf eine Kommune, die so bemüht ist, Firmen in der Stadt zu halten, neue anzulocken und sich als Wirtschaftsstandort profilieren will.

Und es könnte künftige Investoren davon abhalten, auf Haan zu setzen. Wer plant und investiert schon gerne mehr als drei Jahre, um dann am Ende mit leeren Händen dazustehen?

tanja.albrecht@westdeutsche-zeitung.de