Hochdahl: Treffen der „Halifax-Familie“

Hochdahl: Treffen der „Halifax-Familie“

Gast: Der Enkel des im November 1944 über Trills abgeschossenen Bordschützen besucht Erkrath.

Hochdahl. Um seinen Großvater Jim besser zu verstehen, ist der Kanadier Mark McPhee nach Erkrath gekommen. Sein Opa war über Trills mit dem Flugzeug abgestürzt - 1944, als junger Mann. "Es ist die wichtigste Geschichte seines Lebens", sagt der 26-jährige Student. Der Krieg, Abschuss, später die Flucht aus deutscher Haft - immer wieder erzählt der frühere Unteroffizier von den Leuten, die er auf diesem Weg traf, und was er mit ihnen erlebte. Er muss sich sehr gefreut haben, als sein knapper Hinweis an den Enkel Früchte trug: "Wenn Du in Europa bist, dann besuche doch meine Freunde in Erkrath."

Schwergewichtiger Anziehungspunkt dieses Freundeskreises ist der alte Flugzeugmotor, ausgestellt auf dem Parkplatz des Heimatmuseums im Lokschuppen. Der Klotz mit Einlassöffnungen und Kühlrippen ist einer der vier Hercules-Antriebe des explodierten Bombers.

Nach Jahrzehnten unter freiem Himmel wurde die Geschichte dieses letzten erhaltenen Wrackteils erst vor vier Jahren rekonstruiert. Der damals 82-jährige Jim McPhee kam dazu zum ersten Mal von Kanada nach Erkrath zurück. "Er hat sich Sorgen gemacht, wie er aufgenommen würde", sagt Enkel Mark. Musste der Veteran doch zugeben, Bomben auf Landsleute seiner Gastgeber geworfen zu haben. Die Befürchtungen stellten sich als unnötig heraus - Jim McPhee wurde sehr herzlich begrüßt.

Es entstand ein reger Austausch. Der Kanadier half mit seinen Aufzeichnungen den Buchautoren Hanna Eggerath und Thomas Boller, Fakten zur Lokalgeschichte abzugleichen. Boller und seine Freundin Tina Butzong stehen in ständigem Kontakt zu dem in der Provinz Ontario lebenden, früheren Bordschützen: "Wir mailen uns immer, welche Bücher wir gerade lesen", sagt Butzong. Eine Verbindung, die sie nach dem Typ des Flugzeugs ihre "Halifax-Familie" nennt.

"Jetzt kann ich endlich Gesichter den Namen zuordnen, die ich schon so oft gehört habe", freut sich Mark. Für ihn ist die dreimonatige Europa-Reise eine Spurensuche: "Ich will sehen, wo meine Familie herkommt." In Schottland besuchte er das Dorf Paisley, aus dem der erste McPhee stammt. In Erkrath wird er drei Tage sein, mit Leuten sprechen, die Teil der Geschichte seines Großvaters sind. Boller und Butzong werden ihm ihre Diaschau zeigen: Wie der Flugantrieb gefunden und seine Geschichte aufgeschrieben wurde.

Der Motorblock behält seine Anziehungskraft. Anfang August werden John Clark, Sohn des beim Absturz gestorbenen englischen Bordingenieurs, und ein Chor aus Bristol den Lokschuppen besuchen. Dann wird der Antrieb in seinem neuen Glaskasten der Öffentlichkeit präsentiert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung