Hochdahl: Das Leben hinter Mauern

Hochdahl: Das Leben hinter Mauern

Was sagen die Anwohner zu der Lärmschutzwand für die L 403n? Die WZ hat an den Haustüren geklingelt.

Hochdahl. Schön ist anders: Wo sich zuvor eine Idylle aus Bäumen und Feld erstreckte, der Blick auf den benachbarten Bauerhof und den Turm der Neanderkirche fiel, erwächst seit Anfang Juli unter den Händen der Bad Oeynhausener Schallschutz GmbH eine graue Mauer.

Ihre Endmaße: 3,80 Meter hoch, 50 Meter lang. Was den Bewohnern an der Professor-Sudhoff-Straße die Sicht versperrt, ist die Lärmschutzwand für die Verlängerung der Bergischen Allee, die L 403n.

Am schwersten getroffen hat die Baumaßnahme Willi Heider. Der 85-Jährige bewohnt das Haus mit der Nummer 2, um das die neue Straße und damit auch die Mauer herumführt. "Ich gucke auf zwei Seiten gegen eine Wand - wie im Gefängnis.

Gegen die Mauer kann man mit einem Panzer fahren, so dick ist die. Sogar der Eingang zu meinem Grundstück wurde verlegt", sagt Heider und betrachtet seinen Garten, in dem einige Tannen gefällt wurden und Rasen neu gesät werden musste.

Einen Streifen von einem Meter Breite müssen die Anwohner vor der Mauer freihalten. "Da darf kein Baum und kein Strauch wachsen, falls mal jemand dran muss." Das Grundstück ist nicht nur von zwei Seiten verschlossen: Auf der Straßenseite verläuft seit kurzem ein grüner Gartenzaun. "Von dem war nie die Rede", bemerkt Heider.

Dieses Stück der Professor-Sudhoff-Straße wird künftig eine Sackgasse sein. "Mit neuem Straßennamen", sagt Heider und zieht die Augenbrauen hoch. "Die Arbeiten gehen so langsam weiter - nach 30 Jahren Planung."

Auch Nachbar Klaus Wilde ärgert sich. "Das zieht sich, jetzt stehen die Arbeiten schon wieder." Bereits seit 1974 ist sein Haus in Familienbesitz. "Der Neubau stand gerade, da erfuhren wir von den Plänen." Die Lärmschutzwand sieht er mit geteilter Meinung. "Wir sind hier alle froh, dass das Stück der Professor-Sudhoff-Straße stillgelegt wird.

Dieses Nadelöhr ist stark befahren, das bringt einen Höllenlärm und jede Menge Dreck mit sich. Die Mauer ist optisch Müll. In den unteren Geschossen gucken wir direkt dagegen. Man fühlt sich wie im Gefängnis. Die Funktion ist aber top: Sie schützt uns vor Lärm, Dreck und sogar vor Einbrechern. Die Vorteile überwiegen", sagt der Mittfünfziger.

Zwischen seinem Haus und der Wand liegen knapp zehn Meter. Auch dort wurden Bäume gefällt. Sowohl Klaus Wilde als auch Willi Heider haben für die Fällungen eine Entschädigung bekommen - wie hoch diese ausgefallen ist, verraten sie nicht.

Nur so viel sagt Heider: "Sie waren nicht kleinlich." Wilde: "Ich fand es okay." Trotzdem habe seine Mutter geweint, als die Bäume gefällt waren. "Vorher hatten wir viele Vögel und Eichhörnchen im Garten. Die sind jetzt alle verschwunden."

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