Hochdahl: Bewährung für S-Bahn-Räuber

Hochdahl: Bewährung für S-Bahn-Räuber

Das Verfahren um Raub in einem Zug der Linie S8 wirft die Frage nach der Sicherheit auf.

Hochdahl. Aus Raub wurde Diebstahl, aus der Möglichkeit einer mehrjährigen Haftstrafe die Chance auf Bewährung: Das Landgericht Wuppertal verurteilte den 25-Jährigen, der angeklagt war, am 27. Januar in einem S-Bahnzug der Linie8 ein Handy und ein Portemonnaie geraubt zu haben, wegen Diebstahls zu einem Jahr auf Bewährung.

Das Gericht kam zu dem Urteil, dass der Marokkaner seine Opfer - einen 67 Jahre alten Rentner und einen 23-jährige Studenten - bewusst angepöbelt hat, um im Stile eine Trickdiebs ihrer Wertsachen habhaft zu werden.

Der Verdacht, er habe vorgehabt, die Bierflasche, die er in einer Hand hielt, als Waffe einzusetzen, bestätigte sich nicht. Daher wurde er wegen Diebstahls im Falle des Handys und wegen räuberischen Diebstahls im Falle der Geldbörse schuldig gesprochen.

Damit wurde ein Fall zu den Akten gelegt, dessen Thema viele Menschen beschäftigt: Es ging um die Sicherheit in S-Bahnen und auf S-Bahnhöfen. Gerade der Haltepunkt, an dem der Dieb nach seiner Tat am 27. Januar aus der Bahn stürmte, macht Gänsehaut. Mit einsetzender Dämmerung und an Wochenenden empfinden viele Bürger den Bahnhof Millrath als angsteinflößend. Das haben die Kommentare zum Bürger-Barometer der WZ belegt.

Nach Ansicht der Bundespolizei ist das Angstgefühl objektiv nicht nachzuvollziehen. "Wir hatten seit 1. März zwei Körperverletzungen", sagte Stefan Beckmann, Pressesprecher der Bundespolizei in Düsseldorf, gestern auf Nachfrage. Damit sei die Anzahl der Delikte "verschwindend gering".

Dass mangelnde Sicherheit in S-Bahnen trotzdem ein Thema ist, belegen die Kameras, die auf den Bahnsteigen in Millrath das Geschehen überwachen. Im Ernstfall sind sie jedoch keine Hilfe. Weil die Bahn nicht bereit war, auf ihre Kosten eine Überwachungsanlage zu installieren, haben das die Stadtwerke Erkrath übernommen.

Die Kameras sind daher nicht auf die Zentrale der Bahn in Düsseldorf aufgeschaltet. Die Bilder werden lediglich eine Woche lang auf der Festplatte eines Computers gespeichert, die bei den Stadtwerken an der Gruitener Straße steht. "Wenn etwas passiert, hat die Bundespolizei darauf Zugriff", sagte Stadtwerkechef Peter Schröder.

Das Überwachungssystem der Bahn ist aufwändiger: "Die Bilder laufen in der Zentrale auf, wo alle 100 Kameras des Bereichs Düsseldorf aufgeschaltet sind", sagte gestern Gerd Felser, Sprecher der Bahn für Nordrhein-Westfalen.

Beobachtet werden sie rund um die Uhr, allerdings auf lediglich drei Bildschirmen. Felser betont jedoch, "dass bei einem Notruf automatisch auf die Kameras des betreffenden Bahnhofs umgeschaltet wird." Erkrather haben davon nichts: Für keinen der drei Bahnhöfe plant die Bahn einen solchen Sicherheitsservice.

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