Haan: „Was können wir uns leisten?“

Haan: „Was können wir uns leisten?“

Das alte Jahr ist gerade zu Ende gegangen, das neue steckt noch in den Kinderschuhen. Zeit für einen Rückblick, aber auch für einen Ausblick mit Bürgermeister Knut vom Bovert.

Haan.

WZ: Was war das Beste, was Haan 2008 passiert ist?

Knut vom Bovert: Für mich waren das die einzigartige Höhe der Gewerbesteuereinnahmen und die Entwicklung an der Champagne 2. Die Einnahmen verschaffen uns Luft. Wären uns die umsatzstarken Unternehmen wegge-brochen, würde mir jetzt Angst und Bange werden. Eine weitere Beurkundung steht jetzt im Januar oder Februar an. Hier ist viel erreicht. Niemand hätte uns das - wenn überhaupt - in so kurzer Zeit zugetraut.

vom Bovert: Ja. Wir hoffen, dass der zusätzliche Unternehmenszweig, den Amada in Haan ansiedelt und den es bislang in Europa noch nicht gab, uns einen zusätzlichen Schub liefert und weitere Arbeitsplätze entstehen lässt. Zurzeit werden insoweit 6000 europäische Kunden direkt von Japan aus betreut. Das soll künftig von hier aus geschehen.

vom Bovert: Ja, aber wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen und müssen schauen, was tatsächlich kommt. Wir werden wirtschaftlich vorsichtiger agieren müssen und abwarten, welche Förderprogramme es gibt. Vielleicht passen ja einige zu unseren geplanten Investitionen.

vom Bovert: Wir haben ja schon den Neubau der Grundschule Dieker Straße und die Sanierung der Feuerwache beschlossen. Darüber hinaus dürfen wir keine Schnellschüsse machen, sonden müssen mit kühlem Kopf wirtschaftlich nachhaltig handeln. Zu lösende Probleme gibt es mehr als genug.

vom Bovert: Das müssen wir sehen. Wir warten ab, was die Initiative der Bundesregierung bringt. Die will neue Gesetze verabschieden, die den Gemeinden bei solchen Projekten wieder mehr Handlungsspielraum zugesteht. Für die betroffenen Grundstücksbesitzer und die Weiterentwicklung der Innenstadt ist das natürlich sehr ärgerlich, aber ich kann es leider nicht ändern.

vom Bovert: Eigentlich findet doch ein permanenter Wahlkampf statt. Bestes Beispiel dafür war der mit den Stimmen von CDU und SPD mehrheitlich gefasste per Ratsbeschluss erhobene Vorwurf, ich würde meiner Dienstpflicht nicht nachkommen. Aber das hat der Landrat ja widerlegt.

vom Bovert: Ich habe in meiner Amtszeit vieles auf den Weg gebracht. Ich versuche, in diesem "Chaos-Szenarium" die Nerven zu behalten und den eingeschlagenen Weg erfolgreich weiterzugehen. Ich will bei grundlegenden Entscheidungen Farbe bekennen und Entscheidungsgrundlagen bestmöglich nach außen transportieren. Dabei geht es immer um die Fragen: Was können wir realistisch umsetzen, und wo müssen wir sparen?

vom Bovert: Die Sanierung des Gymnasiums würde uns 15 bis 17 Millionen Euro kosten. Wenn wir das machen, müssen wir alles andere zurückstellen. Es sei denn, wir finden noch irgendwo anders Geld. Auch die Kämmerin vertritt die Ansicht, dass uns ohne den anteiligen Verkauf der Stadtwerke die Hände gebunden sind.

vom Bovert: Ja. Wir leben nach wie vor von der Substanz. Wir geben mehr aus, als wir einnehmen. Davor kann man die Augen nicht verschließen. Und ich glaube nicht, dass wir noch mal so viel Gewebesteuer einnehmen werden wie 2008. Bei den Ausgaben müssen wir uns allerdings auf sogenannte rentierliche Investitionen beschränken: Wir dürfen nur solche Maßnahmen umsetzen, die nachhaltig zu einer Kostenreduzierung führen und so zur Entlastung des Haushaltes beitragen.

vom Bovert: Wenn ein Indiz hierfür der Zuspruch ist, den ich erfahre: Ja. Es drängt sich auf, dass in den vergangenen Jahren einiges in Gang gekommen ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nicht honoriert wird. Ich halte es für sinnvoll, die bereits angestoßenen Projekte und Entwicklungen weiter zu begleiten. Ich bin sicher: Engagement für unsere Gartenstadt lohnt sich.

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