Haan: Sozialarbeit am Schulzentrum

Haan: Sozialarbeit am Schulzentrum

Die Leiter von Haupt- und Realschule fordern die Einstellung eines Schulsozialpädagogen, weil viele Konflikte der Jugendlichen heute ungelöst bleiben.

Haan. Wenn Schüler Probleme mit ihrem Lehrer haben, suchen sie nicht Rat bei anderen Lehrern. Und wenn Schüler sich auffällig benehmen, gewalttätig werden oder ihre Mitschüler beleidigen, kann die Schulleitung dieses Verhalten zwar bestrafen, "aber wir finden die Ursache dafür nicht heraus", sagt Reinhold Mertens, Leiter der Emil-Barth-Realschule. "Wir bleiben an der Oberfläche."

Natürlich würden Reinhold Mertens und Markus Helf, Schulleiter der Hauptschule zum Diek, ihren Schülern gerne helfen, ihre Probleme zu lösen, egal, ob sie zu Hause in der Familie, im Freundeskreis oder eben in der Schule auftreten. "Wir verfügen über viel Erfahrung, aber in Sachen Schulsozialarbeit sind wir nur Novizen", sagt Mertens überspitzt.

Und weil Mertens, Helf und ihre Kollegen zwar fachlich gut ausgebildet sind, Schulsozialpädagogen aber einen ganz anderen Zugang zu ihren Schützlingen finden, beantragen die beiden Schulleiter jetzt (Schulausschuss am Donnerstag, 17 Uhr, Sitzungssaal im Rathaus) die Einstellung eines Schulsozialpädagogen am Schulzentrum Walder Straße.

"Wenn hier Probleme entstehen und wir in Kontakt mit den Eltern treten und sie an Sozialpädagogen des Jugendamts verweisen, ist die Hemmschwelle der Eltern oft groß", sagt Mertens. "Wenn die Sozialpädagogen hier arbeiten, sind sie akzeptiert", fügt Helf hinzu. "Sie sprechen anders mit den Kindern."

Mertens und Helf haben auf vier Seiten ein Konzept für einen Schulsozialpädagogen an ihrem Schulzentrum entwickelt. Dabei steht die Konfliktbewältigung mit Mitschülern, Jugendlichen, Lehrern und Eltern, Schulfrust und Konfliktsituationen, die von und durch Schule ausgelöst werden, im Mittelpunkt.

Auch soll die Schulsozialarbeit bei der Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schule mitwirken und ergänzende Angebote zum Unterricht entwickeln und durchführen. Dazu gehören sowohl an der Real- als auch an der Hauptschule Beratungen und Einzelfallhilfen (auch in Krisensituationen) für Schüler, Eltern und Lehrer sowie Gruppenangebote, Unterrichtsprojekte und gewaltpräventive Arbeit.

Während Beratungslehrer bei Konflikten zwischen Schülern und Lehrern oder Lernschwierigkeiten tätig werden und zum Beispiel Nachhilfe, Schullaufbahnberatung und berufliche Orientierung organisieren, setzt die Beratung, Begleitung und Unterstützung des Schulsozialpädagogen bei Konflikten zwischen Schülern untereinander, familiären Fragen, Konflikten und Krisen sowie individuellen Problemen zu Hause oder in der Schule an.

Trennen sich die Eltern oder stirbt ein naher Angehöriger, zeigen Schüler Leistungsstörungen, Schulunlust und Schulversagen, ist der Abschluss gefährdet, sind Schüler aggressiv oder drogenabhängig, kann Schulsozialarbeit einsetzen.

"Arbeit gibt es genug", sagt Mertens, der auf die Düsseldorfer Realschulen verweist, die alle mit Schulsoziapädagogen versorgt seien. "Das ist kein zusätzliches Argument, aber es ist zeitgemäß", sagt er. Und Helf fügt hinzu: "Wir wollen uns, wie auch in anderen Bereichen, Hilfe von außen holen."

Bislang sei die Anstellung eines Schulsozialpädagogen in Haan immer am Geld gescheitert. "Aber wir wären schon glücklich, wenn es eine Vollzeitstelle fürs Schulzentrum gäbe."

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