Haan: Nie mehr in die Notunterkunft

Haan: Nie mehr in die Notunterkunft

Leben: Sieben Jahre lang lebte Elisabeth Rosenkranz an der Deller Straße. Aber sie hat den Aufstieg geschafft; mit Hilfe der Caritas und dem eigenen Willen.

Haan. Elisabeth Rosenkranz war ganz unten. Sieben lange Jahre hat die gelernte Augenoptikerin in der Notunterkunft an der Deller Straße gelebt. Ohne die Kraft, an dieser Situation etwas zu verändern. "Wenn man so haust, verlässt einen der Mut. Man hat keine Lust mehr, lässt alles schleifen", sagt die gebürtige Haanerin.

Heute ist sie 55 Jahre alt und lebt in einer kleinen Wohnung in Haan-Ost. Die Wände sind in in einem angenehmen Terracotta-Ton gestrichen, im Balkonkasten blühen Petunien. und rote Rosen. Auf dem Sofa liegt Hund Chico, ihr "Tagespflegehund", wie sie ihn gerne nennt. Pünktlich um 11Uhr dreht sie eine Runde mit ihm. So tief wie damals will sie nie mehr sinken.

"Ich habe panische Angst davor", sagt sie. "Da schränke ich mich lieber so ein bisschen ein, damit ich Geld für Miete und Strom habe." Denn das war damals irgendwann einfach nicht mehr da. "Wir haben beide voll gearbeitet", erzählt sie. In dieser Zeit lebten sie im Haus einer Tante ihres Mannes. Miete mussten sie dort nicht bezahlen, pflegten dafür Haus und Garten. Als die Tante ins Pflegeheim musste, wurde das Haus verkauft. Und Elisabeth Rosenkranz und ihr Mann bezogen eine Mietwohnung. Als der Mann so krank wurde, dass er nicht mehr arbeiten konnte, hat auch sie ihren Job aufgegeben. Warum kann sie heute nicht mehr sagen. "Was waren wir damals dumm", meint sie rückblickend. "Aber ich kann es nicht mehr ändern."

Das Paar machte Schulden, zahlte keine Miete mehr. Und dann kam die Räumungsklage. "Dem Vermieter kann ich keine Vorwürfe machen. Wir waren ja selbst schuld."

Ihre neue Wohnung: 22 Quadratmeter verteilt auf zwei Zimmer. Küche, Dusche, Toilette mussten sie sich mit den anderen Bewohnern an der Dellestraße teilen. "Das war nicht mehr als ein Dach über dem Kopf", beschreibt sie das Leben dort. Dann starb ihr Mann. Auch Elisabeth Rosenkranz ging es nicht gut. Sie muss für längere Zeit ins Krankenhaus - ihre Rettung. Denn nach ihrer Entlassung zieht sie zu ihrem Freund in die Wohnung, in der sie auch jetzt noch lebt. Doch auch der Freund stirbt. Wieder droht Elisabeth Rosenkranz die Notunterkunft. Ihre Mietschulden machen beim Vermieter keinen gute Eindruck.

"Wer einmal geräumt wurde, hat es nicht einfach", sagt Klaus Gärtner. Der 48 jahre alte Soziapädagoge ist Fachberater der Caritas-Wohnungslosenhilfe. Und seit einigen Jahren Elisabeth Rosenkranz’ erster Ansprechpartner. Schon während sie an der Deller Straße wohnte, stand sie in Kontakt mit dem katholischen Sozialverband. Doch erst als der erneute Rausschmiss drohte, entscheid sie sich für das betreute Wohnen. 18 Monate lang erhielt sie intensive Unterstützung. Und durfte mit Hilfe von Klaus Gärtner in der Wohnung bleiben. "Wenn man Hilfe bekommen kann, sollte man sie auch in Anspruch nehmen. Das habe ich gelernt", sagt Elisabeth Rosenkranz.

Die 18 Monate sind vorbei. Elisabeth Rosenkranz hat wieder im "normalen leben" Fuß gefasst. Sie arbeitet als Küchenhilfe im katholischen Kindergarten St. Chrysanthus und Daria. "Das macht riesigen Spaß mit den Zwergen", sagt sie.Ihr Engagement hat auch die Gemeinde überzeugt, die sie inzwischen festangestellt hat. Und mit dem Zubrot, das ihr die Betreuung von Hund Chico bringt, "ist es knapp, aber es geht. Und ich bin unabhängig von staatlicher Hilfe."

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