Haan: Netzwerk - Firmen und Schulen rücken eng zusammen

Haan: Netzwerk - Firmen und Schulen rücken eng zusammen

In Haan gibt es viele Hilfestellungen beim Einstieg ins Berufsleben. Das ist einem ganz besonderen Runden Tisch zu verdanken.

Haan. Stefan Rütten ist erst 15, aber wie die Arbeit als Elektriker aussieht, weiß er schon. Immer donnerstags geht der Zehntklässler nicht wie sonst zur Hauptschule, sondern zu Elektro Wachsmann, wo er ein Jahrespraktikum absolviert.

Das Modell ist eine Haaner Besonderheit, die ihm die Tür ins Berufsleben aufstoßen könnte. Stefan Rütten lernt nämlich nicht nur, wie man eine Steckdose eingipst, einen Kabelschacht schlitzt oder einen Schaltschrank aufstellt - sondern hat auch beste Aussichten auf einen Ausbildungsplatz. "Unsere Jahrespraktikanten haben Vorrang", sagt Barbara Wachsmann.

Die Geschäftsfrau ist in vorderster Reihe dabei, wenn es darum geht, die Ausbildungssituation für junge Haaner zu verbessern. Mit dem Verein Praktikums- und Lernpartnerbörse (PUL) und der städtischen Wirtschaftsförderung berief sie im vergangenen Jahr einen Runden Tisch ein. An dem saßen vor allem Haaner Unternehmer und Haaner Schulleiter. "Da gab es einige Aha-Erlebnisse", erinnert sich Wachsmann.

So erfuhren etwa die Firmen, dass an Schulen heute weniger Fakten gepaukt, als Problemlösungen geübt werden. Das erklärte ihnen auch gleich, warum die Schüler bei den Einstellungstests zuletzt immer schlechter abschnitten.

"Da wurde Wissen abgefragt, das gar nicht mehr vermittelt wird", sagt Heinz Eickmeier, der ebenfalls bei PUL aktiv ist. Die Schulvertreter lernten im Gegenzug, wie wichtig es den Firmen ist, dass die Bewerber schon eine Vorstellung von dem angestrebten Beruf haben.

Der erste Runde Tisch war äußerst fruchtbar und hat einige Veränderungen nach sich gezogen. Das stellten die Akteure dieser Tage bei einem zweiten Treffen fest. Die Neuauflage war dann auch gleich noch etwas größer angelegt: Alle weiterführenden Schulen Haans waren diesmal dabei, Vertreter der IHK, der Handwerkskammer und vieler Firmen, darunter Altmann, Centa, Kirschey, Discher und Schüco.

Neu in der Runde waren jene Organisationen, die sich, so Wachsmann, "um Schüler kümmern, die Umwege ins Berufsleben nehmen."

Es hat sich gelohnt: Die Teilnehmer haben wieder jede Menge Handlungsbedarf entdeckt - und auch gleich Ideen entwickelt, die in den kommenden Monaten umgesetzt werden sollen: Die Firmen wollen ihre Eignungstests überarbeiten. Außerdem wollen sie frühzeitiger Bewerber sichten, damit sie nicht in der Konkurrenz mit den Berufskollegs zu spät kommen. Derzeit sind etliche Ausbildungsplätze unbesetzt.

PUL entwickelt derweil eine Broschüre, die die vielfältigen Wege aufzeigt, die Jugendliche heutzutage einschlagen können. Der Ratgeber soll schon am 23. November fertig sein, wenn in Haan der "Berufs-Pool" stattfindet. Und es soll viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Etwa bei den Eltern, damit die ihre Kinder nicht in Schulformen oder Ausbildungswege drängen, die denen nicht passen. Es ist viel besser, so lautet eine Haaner Erkenntnis, wenn Jugendliche sich in kleinen Schritten "von unten" entwickelten - anstatt beispielsweise am Gymnasium oder an der Uni zu scheitern. Wachsmann: "Diese Jugendlichen wieder zu integrieren, ist viel schwieriger."

Die Schulen, Firmen und Organisationen haben sich viel vorgenommen. Was sie von den Plänen umsetzen können, soll sich spätestens in einem Jahr zeigen, wenn der Runde Tisch zum dritten Mal tagt.

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