Haan: Die letzten Tage einer Schule

Haan: Die letzten Tage einer Schule

Im Juli schließt die Pestalozzischule. Schulleiter Dörendahl geht mit Wehmut.

Haan. Wenn Schulleiter Othmar Dörendahl am 2. Juli ein letztes Mal die Tür der Pestalozzischule abschließt, dann nicht ohne Wehmut. "Man hängt an seiner Schule. Immerhin habe ich 17 Jahre hier gearbeitet", sagt er.

Weil die Schülerzahlen rückläufig sind, hatte die Stadt im Juni 2007 beschlossen, die Schule endgültig dicht zu machen. Jene Schüler, welche die zehnte Klasse bis zum Sommer nicht abgeschlossen haben, wechseln an Förderschulen in Mettmann oder Hilden.

Für Dörendahl ein unausweichlicher Schritt. Im vergangenen Jahr besuchten weniger als 30 Jugendliche die Schule. Klassen mussten zusammengelegt und jahrgangsübergreifend unterrichtet werden.

Den Standard zu halten, sei mit drei Lehrern kaum noch möglich gewesen. Schon im vergangenen Jahr waren fünf Lehrer an andere Schulen gewechselt. Eine Entscheidung, die das Kollegium einvernehmlich getroffen hat. "Es gab keinen Druck, wer gehen soll und wer bis zum Ende bleiben kann", sagt Dörendahl.

Geblieben schließlich sind die Lehrer, die am längsten an der Schule unterrichteten. "Manche haben die Schule seit mehr als 25Jahren mitgestaltet." Nur eine der verbliebenen Lehrkräfte begleitet die Schüler an die Erich-Kästner-Schule in Mettmann - die anderen kommen an Haaner Schulen unter.

Ein Grund, warum so viele Schüler nach Mettmann wechseln, glaubt Dörendahl. "Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass die meisten nach Hilden gehen."

Der Schulleiter selbst weiß noch nicht, wo er künftig eingesetzt wird. In diesem Jahr feiert er seinen 61. Geburtstag. In weniger als drei Jahren wird er endgültig gehen. "Da ist es nicht wirklich sinnvoll an einer neuen Schule als Schulleiter anzufangen", sagt er. Er könne sich aber vorstellen, zum Beispiel in der Verwaltung eingesetzt zu werden. "Da wird sich ein Weg finden."

Eine Situation die selbst die Schüler, die zum Juli die Zehntklässler verlassen, ein wenig traurig macht. "Das ist schon schade", sagt die 17-jährige Jennifer Benden. "Ich hätte meine alten Lehrer gerne ab und zu besucht."

Abschied gefeiert allerdings haben Schüler und Lehrer schon - einen leisen Abschied. "Wir sind gemeinsam eine Woche nach Österreich gefahren - das war für alle ein schönes Erlebnis", sagt Dörendahl. "Ein großes Fest hätten wir Lehrer allein kaum stemmen können."

Nun ist wieder der Alltag eingekehrt - Dörendahl hat noch viel zu erledigen. Lehrmittel müssen an andere Schulen verteilt, Computer-Daten gelöscht und Akten sortiert und untergebracht werden.

"Wenn ein Schüler nach zehn Jahren nach dem alten Zeugnis fragt, muss das greifbar sein." Tische, Stühle, Tafeln dagegen bleiben vorerst an ihrem Platz. In knapp einem Jahr werden dann die Kinder der Grundschule an der Diekerstraße einziehen - solange bis ihr Neubau fertig ist.

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