Haan: Berufsjubiläum - Die Klänge sind im Kopf

Haan: Berufsjubiläum - Die Klänge sind im Kopf

Magister Joachim Georg Görlich komponiert seit 50 Jahren klassische Musik. Doch er ist auch als Journalist und Musiklehrer aktiv.

Haan. Über seiner Haustür prangt unübersehbar ein großer Violinschlüssel. Und im Wohnzimmer stolpert man fast über das Klavier, auf dem an diesem Tag Noten von Chopin liegen. Keine Frage, im Hause Görlich steht die Musik im Mittelpunkt - und das schon seit mehr als 50 Jahren. Mit 14 Jahren begann der heutige Komponist Joachim Georg Görlich seine Karriere als Sopran im Kirchenchor seiner Geburtsstadt Oberglogau. In diesem Sommer feierte er sein 50-jähriges Berufsjubiläum. Und komponiert immer noch. "Wenn die Lebenszeit knapp wird, schreibt man besser Lieder", sagt er schmunzelnd.

Doch der 76-Jährige hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten auch Symphonien und Fagottkonzerte geschrieben. "Insgesamt sind das bestimmt 60 bis 70 Werke", schätzt er. Darunter auch das im vergangenen Jahr entstandene zweisprachige "Lied zu Ehren des deutschen Papstes". "In Polen war ich aufgefordert worden, ein Papstlied zu komponieren", erzählt Görlich nicht ohne Stolz. Übersetzt hat seine Komposition ein polnischer Generalmusikdirektor.

Sein musikalisches Handwerk hat Görlich an der Musikhochschule in Breslau erlernt: Musikpädagogik, Chor- und Orchesterleitung sowie Kompositionslehre. Sein erstes Orchesterwerk wurde am 21. Juni 1957, damals war Görlich 26 Jahre alt, im großen Sendesaal des Breslauer Rundfunks uraufgeführt.

"Ich wurde als bester Kontrapunktist der Uni angesehen. Da musste man auch mathematisch denken können", erinnert er sich. Er kann sich an den Tisch setzen und hat die Klänge im Kopf. "Aber das, was man im Kopf hat, ist nie das, was man später hört", gibt er zu. "Meistens ist es besser, wenn es aufgeführt wird."

In Deutschland arbeitet Görlich als Musiklehrer im höheren Schuldienst, fährt jeden Samstag nach Köln, um dort talentierte Berufsschüler zu unterrichten, schreibt schließlich Artikel für den Remscheider Generalanzeiger, die Velberter Zeitung und arbeitet für die polnische Redaktion der Deutschen Welle. "Ich bin ein gefragter Polen-Kenner", sagt Görlich, der erst 1990 dort wieder einreisen durfte. "Ich wurde mit stehenden Ovationen empfangen. Das war schon ein erhabenes Gefühl."

Anfang Joachim Georg Görlich wurde am 8. Mai 1931 in Oberglogau/Kreis Neustadt (heute Polen) geboren. Sein Vater war Heeresbau-Ingenieur und Architekt. Erst besuchte er die deutsche Oberschule, dann die polnische. Sein musikalisches Talent sollte mit einem Stipendium für das Musikgymnasium Kattowitz gefördert werden. Doch wurde er nach einem Jahr wegen Deutschtums ausgeschult.

Musik Görlich spielt Klavier, Fagott und Blockflöte.

Familie Seit 1955 ist er mit einer Lehrerin verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und vier Enkel.

Auszeichnungen Ehrenbürger der Beethovenstadt Glogowek/Oberglogau, Europamedaille, Goldene Ehrennadel des Deutschen Journalistenverbandes

Jubiläumsmatinee Die Stadt Haan will für Joachim G. Görlich am 4. November eine Jubiläumsmatinee ausrichten.

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