Haan: Acht Jahre in der Unterkunft

Haan: Acht Jahre in der Unterkunft

Nachgehakt: Seit mehr als einem Jahr verhilft die Caritas im Auftrag der Stadt, obdachlosen Menschen und Flüchtlingen in eine eigene Wohnung, wie Bernard Tambia aus Kamerun.

Haan. Bernard Tambia ist glücklich. Vor acht Jahren kam der 40-Jährige aus Kamerun nach Deutschland. Vor zwei Jahren hat er eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, seit sechs Monat lebt er in seiner eigenen Wohnung in Haan. Er arbeitet auf 400 Euro Basis in Hilden, bekommt Unterstützung von der Arge und hat sein Leben im Griff. Auf die Hilfe und Beratung der Caritas ist er nur noch in Notfällen angewiesen.

Das war mal anders. Denn Bernard Tambia hat bis zu seinem Umzug erst in der städtischen Unterkunft an der Hochstraße, später in der Unterkunft an der Düsseldorfer Straße gelebt. Dort war ihm zwar ein Einzelzimmer zugewiesen worden, aber es war winzig klein.

"Es ist sehr schwierig, dort zu leben", sagt er und sucht nach Worten, die Verhältnisse dort zu beschreiben. Gleichzeitig hatte er mit psychischen Probleme zu kämpfen. In seiner Heimat war er misshandelt worden, in Deutschland hatte er keine Arbeit, keine Aufgabe.

"Ich hatte immer Angst. Ich habe auch viel Alkohol getrunken", sagt er. "Ich habe nach Arbeit gesucht, aber keine gefunden." Immer die drohende Abschiebung vor Augen, die Perspektivlosigkeit des Lebens in Deutschland - Bernard Tambia drohte abzurutschen. Hilfe kam von zweierlei Seiten. Zum einen erhielt er aufgrund seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung eine Aufenthaltsgenehmigung, zum anderen unterstützte ihn die Caritas im Rahmen des vom Stadtrats auf den Weg gebrachten Betreuungsmanagements.

Denn das soll nicht nur Wohnungslose zum Leben in den eigenen vier Wänden verhelfen, sondern auch Flüchtlingen. "Das war zwar nie ein zentrales Thema, ist aber auch erklärtes Ziel", sagt Martin Sahler, Abteilungsleiter des Fachdienstes für Integration und Migration der Caritas.

Und Bernard Tambia ist selig. Jetzt hat er Arbeit, nach der er so lange gesucht hat, und eine Rückzugsmöglichkeit. "Ich kann in meiner Wohnung machen, was ich will", sagt er. "Ich habe ein großes Zimmer mit Bad und Küche, ein Sofa und einen Schrank", zählt er auf. Nur eine Waschmaschine hat er noch nicht. Dafür reichte das Geld von der Arge für die Erstausstattung nicht.

Bernard Tambia hat bislang noch nie in einer eigenen Wohnung in Deutschland gelebt. Und als Mensch ohne Arbeit und ohne Wohnung sah es auch nicht so aus, als ob sich das jemals ändern sollte. Mit Hilfe von Andreas Goldbrunner klappte es dann doch. "Wir machen Werbung für die Menschen", sagt der Caritas-Mitarbeiter. Ich habe mit Herrn Tambia den Mietvertrag durchgesehen, ihn zur Arge begleitet." Bernard Tambia steht stellvertretend für 40 Frauen und Männer, die die Caritas seit Beginn des Projekts in Wohnungen gebracht hat. "Natürlich schauen wir uns die Leute an, das muss passen", sagt Klaus Gärnter von der Caritas-Wohnungslosenhilfe.

Für Bernard Tambia haben die Mitarbeiter nur Lob und Anerkennung übrig. "Er kommt hervorragend zurecht", sagen sie. Und deshalb würden sich die Caritas-Mitarbeiter wünschen, dass sich noch mehr Vermieter finden, die bereit sind, vor allem kleine Wohnungen an ihre Klienten zu vermieten. "Wir machen die Menschen wohnfähig, begleiten sie und stehen auch den Vermietern als Ansprechpartner zur Verfügung", sagt Thomas Rasch. "Und sollte die Miete mal ganz ausbleiben, springt im äußersten Notfall sogar die Stadt ein", sagt er. Aber in der Regel seien die Menschen sehr daran interessiert, ihre Wohnung zu behalten und würden sich dementsprechend an Hausordnungen und Regeln halten.

Dass das Betreuungsmanagement der Caritas auch an Grenzen stößt, verheimlicht Rasch nicht. Da sind zum einen die Klienten, die weitaus mehr Betreuung brauchen als Bernard Tambia und auch nach dem Umzug regelmäßige Unterstützung in Anspruch nehmen müssen. Und zum anderen sind die finanziellen Mittel begrenzt. Die Stadt Haan finanziert eineinviertel Stelle und Sachmittel, wovon die Caritas ihr kleines Büro in Unterhaan an der Hochdahler Straße und die Betreuung ihrer Klienten bezahlt.

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