Gruiten: Mit dem Rad über die Anden

Gruiten: Mit dem Rad über die Anden

Der Gruitener Simon Bösterling und seine Freundin Britta Gohl fuhren zwei Jahre lang durch Südamerika– fern ab von Terminen und Verpflichtungen.

Gruiten. Fremde Länder und Kulturen hautnah erleben, den gewohnten Alltag hinter sich lassen und stattdessen ein Abenteuer erleben - was für viele ein aufregender Traum ist, haben Britta Gohl (32) und der Gruitener Simon Bösterling (32) in die Tat umgesetzt. Sie kündigten ihre Arbeitsstellen als Sozialpädagogen, gaben ihre Wohnung auf und machten sich im November 2006 auf den Weg nach Südamerika. Bedenken hatten sie keine.

"Es war eher eine kribbelnde Vorfreude. Wir waren bereits 2003 für acht Monate in Südamerika unterwegs, im Rahmen unserer Diplomarbeit. Daraus ist dann der Wunsch entstanden, die deutsche Sicherheit einmal für längere Zeit hinter uns zu lassen, ohne Rückreisedatum alle Verbindungen abzubrechen", erzählt Britta Gohl.

Mit dem Fahrrad und 80 Kilogramm Gepäck, verteilt auf zwölf Radtaschen, startete das Paar im argentinischen Buenos Aires. Über Patagonien und Feuerland führte ihr Weg immer weiter in Richtung Norden nach Peru und Bolivien. "Auf dem Rad sitzen, reisen, ohne Termine und Verpflichtungen - dieses Gefühl absoluter Freiheit und Selbstbestimmtheit war einmalig. Das erlebt man im Alltag nicht", schwärmt Bösterling. Die Nächte verbrachten sie meist im Zelt. "Das Zwei-Mann-Zelt war - irgendwo in der Wildnis aufgestellt - unser Zuhause für diese Zeit", sagt Simon Bösterling. Eines der wichtigsten Stücke im Gepäck stellte der Schlafsack dar: "Die Nächte konnten eisig werden."

Das limitierte Packvolumen stellte das Paar bereits in Deutschland vor eine Herausforderung: Was musste mit, worauf konnte verzichtet werden? "Wir haben Nahrungsmittel und in einem Sack Wasser für jeweils zwei Tage dabei - eine Unmenge an Extrakilos. Trinkwasser haben wir mit einem Keramikfilter aufbereitet; zum Duschen musste ein Liter Wasser reichen", erinnert sich Gohl lachend. Und auch die Frage der Finanzierung der Reise stand zur Debatte: "Wir hatten ausgerechnet, dass zehn Euro am Tag ausreichen müssen", sagt Simon Bösterling. "Und damit sind wir tatsächlich ausgekommen."

Insgesamt 15 Mal hat das Paar in den zwei Jahren die Anden gekreuzt und insgesamt 20.000 Kilometer zurückgelegt. "Wir haben abenteuerliche Geschichten über wilde Tiere gehört, die dort leben: Pumas, Skorpione, giftige Schlangen und Taranteln - uns ist aber nie etwas passiert." Neben einem Sturz vom Rad und einigen Durchfallerkrankungen gab es einen unerfreulichen Zwischenfall in der gesamten Zeit: "Im Süden von Chile sind wir bestohlen worden."

Doch die Menschen, denen das Paar im Laufe der Zeit begegnet ist, haben überwiegend positive Eindrücke hinterlassen. "Die Menschen dort sind so gastfreundlich. Der Wert der Gemeinschaft wird groß geschrieben: Es wird gemeinsam gearbeitet, gegessen, gelebt", so Bösterling. Nachdem sie kurz vor Weihnachten 2008 nach Deutschland zurückkehrten, zog es das Paar deshalb auch nicht wieder nach Berlin. "Wir haben uns in der Nähe unserer Familien eine neue Wohnung gesucht."

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