Gruiten: Diebe plündern Taubenschlag

Gruiten: Diebe plündern Taubenschlag

Die Züchter vermissen mehr als 80Tiere, die sie in einer Kleingartenanlage gehalten haben. Die Polizei hat keine Spur.

Gruiten. Seit Dienstag kommt Peter Kokott jeden Tag zu seinem Gartenhäuschen und wirft sehnsüchtige Blicke gen Himmel. "Vielleicht sitzt ja eine meiner Tauben auf dem Dach", sagt der 46 Jahre alte Geflügelzüchter aus Hochdahl. Seit 1995 pachtet er eine Laube in der Kleingartenanlage Gellenkothen und züchtet dort vor allem Brieftauben.

24 von ihnen wurden jetzt gestohlen. Am Dienstag bemerkte Kokott das Fehlen der Tiere. "Die Diebe haben nur eine bestimmte Rasse gestohlen", sagt er. Und weil sein Schwager gleich nebenan demselben Hobby nachgeht, haben die beiden auch dort einen Blick in den Taubenschlag geworfen. "Ihm wurden mehr als 60 Rassetauben gestohlen", klagt er. "Die sind verdammt teuer." Die Polizei schätzt den Schaden auf mehr als 10.000 Euro.

"Das ist hier zum ersten Mal passiert", sagt Kokott. "Aber das scheint ja zurzeit eine Masche zu sein", fügt er noch hinzu, nachdem er von der Polizei erfahren hatte, dass am Montag auch in Kempen im Kreis Viersen 70 Rassetauben entwendet wurden.

Wie die Diebe auf die Anlage Gellenkothen gekommen sind, die versteckt entlang der Bahnlinie liegt, hat die Polizei noch nicht ermittelt. Eine Nachbarin vermutet, dass sie über die Gleise gegangen sind. Denn um auf das Gelände der Kolonie zu gelangen, müssen Besucher zwei Gatter und eine kleine, aktuell verschneite Anliegerstraße passieren.

Die Türe und Tore zu den Gärten, Geräteschuppen und Gartenhäusern brachen die Einbrecher mit Gewalt auf und benutzten dazu auch die Gartenwerkzeuge der Laubenbesitzer, unter anderem Spitzhacke und Spaten. Neben den Tauben nahmen sie auch einen Rasenmäher und eine Pumpe mit. Die Tiere holten sie aus ihren Schlägen und transportierten sie in Körben und Kästen von Peter Kokott und seinem Schwager ab. "Die haben alles mitgenommen", sagt dieser.

Wo und wer zurzeit Brief- und Rassetauben begehrt, weiß die Polizei noch nicht. Sie geht aber davon aus, dass weniger kulinarische Gründe als vielmehr der Wert der Tiere im Vordergrund gestanden hat.

Horst Bartman, der das Gelände mit seinen 18 bis 19 Lauben ehrenamtlich verwaltet, war gestern über den Diebstahl der Tauben noch gar nicht informiert. "Ich komme gerade aus dem Urlaub. Das tut mir natürlich leid", sagt der Frührentner, der für den Unterbezirk 113 der Bahn-Landwirtschaft Köln im Bereich Wuppertal, Vohwinkel, Hochdahl und Gruiten insgesamt 800 Gärten, darunter auch die Anlage Gellenkothen, ehrenamtlich verwaltet. Und er ergänzt: "Das Halten von Kleintieren ist auf dem Gelände verboten. Das schreibt unsere Satzung so vor, und das haben alle Pächter unterschrieben." Zurzeit werde das Taubenzüchten der Pächter noch geduldet.