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Gründer in Mettmann: Julian Köster in der Höhle der Löwen

Gründer in Mettmann : Köster überzeugt mit Kaffee-Kosmetik

Der Chemie-Ingenieur aus Mettmann liebt Kaffee. Nicht bloß als Getränk, sondern als Basis für pflegende Kosmetik. Sein Konzept überzeugte Beauty-Expertin und „Löwin“ Judith Williams. Sie investiert 100.000 Euro in sein Start-up.

(von) Mit Kaffeesatz lässt sich eigentlich nichts Tolles anfangen. Für Abrakadabras im Sinne einer Weissagung stehen die Zeiten schlecht und bestenfalls landet der schwarze Kaffeerest in Blumenrabatten oder der Bio-Mülltonne. Nicht so bei Julian Köster. Für sein Start-up extrahiert der Chemie-Ingenieur aus dem verbrauchten Kaffeemehl das Kaffeeöl und stellt daraus eine Naturkosmetik-Linie zur Hautpflege her. Und mit diesem Produkt, Made in Mettmann, überzeugte er im TV-Format „Höhle der Löwen“.

Das Ziel dort ist, einen der prominenten Löwen von seinem Start-up zu überzeugen – damit er investiert. Und der 29-Jährige begeisterte nicht bloß einen Löwen, sondern gleich drei. Medienunternehmer Georg Kofler, Handelsmogul Ralf Dümmel sowie Beauty-Expertin Judith Williams waren sofort von dem „guten Produkt, das den Zeitgeist trifft“, wie der Jungunternehmer bescheiden sagt, angetan. Im Pitch bekam letztlich Löwin Judith Williams den Zuschlag. Zwischen ihr und dem Mettmanner kommt es zum Deal: Sie gibt 100 000 Euro und erhält dafür 35 Prozent.

„Selbst, wenn ich keinen Deal hätte abschließen können, wäre das hier eine großartige Chance gewesen“, begeistert sich Julian Köster. „Allein das Feedback von erfahrenen Unternehmen zu bekommen, ist unheimlich wertvoll, um seine Idee, sein Start-Up weiterzuentwickeln und zu verbessern.“ Es ist ein enormer Erfolg für ein Konzept, das in der Familiengarage begann. Doch der Reihe nach.

Kaffee spielt eine wichtige Rolle im Leben des Mettmanners, „ich liebe den Geschmack und natürlich unterstützt mich die Wirkung, fokussiert und konzentriert durch den Tag zu gehen.“ Gleichzeitig hat der Mann, der einst am Konrad-Heresbach-Gymnasium Abi machte und früher „eigentlich wenig Sinn fürs Experimentieren hatte, das kam erst im Studium“, sich „schon immer gefragt, wie ich die Welt ein Stück besser machen kann“.

Julian Köster studierte
in Aachen und London

Deshalb das Studium der Umweltingenieurwissenschaften und des Chemie-Ingenieurwesens, übrigens in Aachen und in London. Ehe er dann auf die besonders hautpflegenden Eigenschaften des Kaffees stieß, was die „Geburtsstunde“ seines Start-ups mit dem klingenden Namen Mellow Noir wurde, zündete er umweltfreundliches Feuer – mit Bio-Briketts aus Kaffeeresten im Londoner Unternehmen Bio-Been. „Aber ich wollte nicht etwas, das verbrennt, also habe ich mein gesamtes Herzblut, viel Energie und Liebe in andere Verfahren gesteckt.“

Der Durchbruch kam nach seiner Zeit in London („eine unglaublich tolle Stadt, aber teuer“) zurück in Mettmann („hier ist meine Familie, hier sind meine Freunde“). Unterstützt von der Familie sowie seiner Freundin nutzte er die Familiengarage als Labor und entwickelte „pur, nachhaltig und hochwirksam“ eine erste Pflege. Viele Labor-Analysen und strenge Qualitätschecks später ging es in die Produktentwicklung, „als erstes entwickelte ich eine Tagescreme“, inzwischen gibt es auch eine Augenpflege sowie ein spezielles Serum. Sie alle basieren auf Kaffeeöl. Als Bonus steht die Nachhaltigkeit seiner Kaffeeöl-Erfindungen, „wer sie benutzt, kann das mit gutem Gewissen tun“. Außerdem wird für jedes verkaufte Produkt in die Wiederaufforstung von Wäldern investiert, etwa in Afrika, was er selbst bereist hat.

Ein sechsstelliger Betrag wurde für Entwicklung bis Produktreife plus Firmengründung 2017 investiert. Und Julian Köster heimste das Gründerstipendium NRW sowie einen Innovationsgutschein NRW ein. „Die Pandemie bringt viele Herausforderungen mit sich, da mussten wir uns erstmal anpassen“, berichtet er. „Wir haben uns flexibel aufgestellt, ich sehe die aktuelle Zeit auch als Chance.“