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Georgio Daskalakis glaubt an die Zukunft des Hip-Hop

Georgio Daskalakis glaubt an die Zukunft des Hip-Hop

Der Mettmanner komponiert und organisiert Veranstaltungen. Im Internet hat seine Musik bereits viele Fans.

Mettmann. Wenn Georgio Daskalakis durch sein Revier zieht, erschließen sich sonst verborgene Koordinaten eines Trendviertels auf dem Stadtplan. Los geht es an der Breite Straße - in dem schicken Wohnstudio des jungen Musikproduzenten. Hier steht in Gestalt von Kameras, Monitoren und Mischpulten bereits alles im Kleinen, was es braucht, um die gerade aufflammende Urban-Musik-Szene der Neandertalstadt anzuheizen.

„Es gibt nicht so viele, die hier ihre eigene Musik produzieren, aber wenn manche den Anfang machen, ziehen doch einige nach. Und das wünsche ich mir auch!“ sagt der gebürtige Lippstädter. Im dortigen Jugendtreff „Shalom“ nahm er im Alter von fünf gezählten Lenzen mit seinen Onkeln den ersten Song auf. „Das hat mich so sehr geprägt, dass ich seitdem Musik machen wollte.“

Als Teenager wohnte der Diskofan dann mit seiner Mutter in Arnsberg, wo er die wilde Clubkultur des Sauerlandes kennenlernte, bis er vor sieben Jahren zu seinem Vater nach Mettmann zog. „Hier kannte ich zunächst niemanden; habe dann aber sehr inspirierende Leute kennengelernt.“ Mit Cosimo Giancola, dessen Familie das Restaurant „La Piazza“ in der Oberstadt betreibt, teilte er klangliche Vorlieben, die sich zwischen Hip Hop, Rhythm and Bass und Pop verorten und gemeinsam tüftelten sie im Heimstudio an eigenen Sounds.

Georgio Daskalakis, Musikprodizent

Kreativ lässt sich Deskalakis unter dem Pseudonym „Chargé“ beim Deejaying und Live-Remixing aus. Seit drei Jahren ist er dem Künstlerkollektiv „Hopenation“ angeschlossen, das auf kunterbunten Kulturwurzeln aus griechischer, italienischer, kongolesischer und türkischer Provenienz fußt, berichtet Daskalakis: „Wir haben alle den gleichen Glaubenssatz, dass man es schaffen kann.“ Die ganze Gruppe sei nach Nizza geflogen, wo man eine Villa auf den Bellethügeln gemietet habe, um für den Mitmusiker Billa Joe das Video „Lavish“ zu drehen. „Davon sind wir voller purer Motivation nach Deutschland heimgekehrt.“ Der Sommerhit zählt mittlerweile über 80 000 Streamingaufrufe und aus „Hopenation“ ist mit diesem Jahr ein eigenes Musik- und Modellabel geworden, dessen Onlinestore Ende Juli an den Markt geht.

An dieser Stelle der Erzählung nimmt Daskalakis sein Büro in Gestalt seines Laptops unter den Arm und es geht weiter zum zweiten Ankerpunkt des lokalen Partypolygons: dem Mehrgenerationenhaus am Kö. Gleich unter dem Dach ist dort eine Musiklounge samt Tonstudio eingerichtet, an deren Entstehung sich Daskalakis nach Kräften beteiligt hat: „Die städtische Jugendförderung hat uns damit echt viele Türen geöffnet.“ In dieser Beletage werden ständig Proben und Meetings abgehalten und Inhalte für die Sozialen Medien vor dem Green Screen gedreht. In Köln hat Daskalakis das Akademiestudium „Eventmanagement“ abgeschlossen: „Doch wirklich lernen kann man nur durch praktische Erfahrung.“ An der Wand findet sich noch das Plakat des „Nae Nae Vibez“. Von der Onlinepromotion bis zur Künstlerbetreuung kann er nun Veranstaltungen aus einer Hand anbieten.

Plötzlich klingelt das Telefon und Marie Haensel ist dran. Die Clubmanagerin des Golden K. sagt, es gäbe noch einige Fragen für den nahenden Event „Traphaus“ zu klären. Also eilt Daskalakis weiter zum dritten Scheitelpunkt des Mettmanner Bermudadreiecks an die Adlerstraße. Dort wird er von Haensel per Handschlag in Empfang genommen: „Der Georgio hat uns mit vielen Videodrehs unterstützt.“ Im Durchschnitt sind die Träger der neuen Mettmanner Musikeuphorie Anfang Zwanzig. Daskalakis ist gerade einmal 22 Jahre jung und sein Glaube an einen neuen Aufbruch der Hip Hop-Kultur unzweifelhaft: „Die Zukunftsaussichten sind groß. Aber jetzt wollen wir erstmal NRW für uns gewinnen.“