Frust und Ärger im Rathaus

Die Stimmung der Mitarbeiter ist angespannt. Ein Personalkonzept soll helfen.

Mettmann. Die Stimmung der Mitarbeiter im Rathaus soll angespannt sein. Hinter den Türen der Amtsstuben sollen viele Beschäftigte Frust schieben.

„Seit geraumer Zeit werden Unzulänglichkeiten der Verwaltungsspitze in der Personalführung der Stadt offensichtlich“, sagte Berthold Becker, SPD-Fraktionsvorsitzender, bei der Vorstellung des neuen Personalpapiers, das Bürgermeister Bernd Günther im Verwaltungsausschuss vorgelegt hat.

Unzufrieden und demotiviert seien die Mitarbeiter im Rathaus. „Deshalb ist dringend ein konkretes Handlungskonzept der Stadt zur Personalführung erforderlich“, sagte Becker. Das 36-seitige Rahmenkonzept zur Personalentwicklung der Stadtverwaltung halten die Genossen für untauglich.

Das Papier bestehe aus lauter Allgemeinplätzen, kritisieren die Sozialdemokraten. Becker: „Es ist ein blutleeres Papier. Und dazu wünscht der Bürgermeister viel Erfolg bei der Umsetzung. Was soll das?“

In dem Papier fehlten Vorschläge, wie die Motivation der Mitarbeiter verbessert und die Unzufriedenheit abgebaut werden könnte. Stattdessen würden Leitlinien für Führungskräfte der Stadt Schwerin übernommen.

Zudem handele es sich bei dem Papier nur um eine Informationsvorlage, die nicht zur Abstimmung vorgelegt worden sei. „Soll der Rat, wenn es um die grundsätzliche Personalkonzeption der Stadt geht, überhaupt nicht beteiligt werden?“, fragte Becker.

SPD und Grüne waren erstaunt darüber, dass eine Abstimmung mit dem Personalrat nicht erfolgt sei. „Das muss sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht“, konterte Dietrich Stang, Erster Beigeordneter.

Eine frühere Einbindung hätte sich Personalratsvorsitzender Peter Nachtigall aber schon gewünscht und verwies auf das neue Landespersonalvertretungsgesetz. Nachtigall: „Es besagt, dass der Personalrat die Möglichkeit haben sollte, auf die Meinungsbildung der Dienststelle Einfluss nehmen zu können.“

Die Formulierung, gibt er zu, sei schwammig. Dagegen gehe aus dem Gesetz klar hervor, dass der Personalrat über ein neues Personalpapier vor der Politik informiert werden müsste. Das sei nicht der Fall gewesen.

Hohe Arbeitsbelastungen seien ein wesentlicher Grund für die Unzufriedenheit im Rathaus, sagte Nachtigall. Da Mettmann eine Kommue mit einem Haushaltssicherungskonzept sei, dürften frei gewordene Stellen erst nach einem Jahr neu besetzten werden. In dieser Zeit müsse die Verwaltung prüfen, ob die Stelle noch benötigt werde.

Die Ratsmehrheit von CDU und FDP konnte die Aufregung der SPD nicht nachvollziehen. „Es ist doch lediglich ein Entwurf“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzende Ute Stöcker.

Das schlechte Klima im Rathaus werde oft kolportiert, sagte gestern Bürgermeister Günther im WZ-Gespräch. „Es gibt aber auch andere Stimmen. Ich spreche mit vielen Mitarbeitern direkt und bekomme von ihnen viel positive Resonanz.“

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